Arbeitsmarkttrends

Mögliche Stabilisierung durch Coronakrise ungewiss

Nach Einbußen der letzten Jahre hat sich die österreichische Textil-, Bekleidungs-, Mode- und Lederindustrie einigermaßen stabilisiert. Nischenprodukte und technologische Innovationen sollen helfen, die Auftragslage zu halten. Dennoch wird der bereits niedrige Beschäftigungsstand im Prognosezeitraum bis 2023 voraussichtlich weiterhin leicht sinken. Die Auswirkungen der Coronakrise auf den Berufsbereich können schwer eingeschätzt werden. Vereinzelte heimische Unternehmen stehen vor einem möglichen Aufschwung, während anderen Betriebe wirtschaftlich unsichere Zeiten bevorstehen.
 
Strukturwandel wirkt noch nach
Nach einem starken Wandel steht der Berufsbereich „Textil, Bekleidung, Mode, Leder“ heute für Entwicklung, Design und Qualität. Umfangreiche Auslagerungen von Produktionsstätten in Niedriglohnländer und betriebliche Umstrukturierungen sind in den verschiedenen Sparten noch nicht ganz abgeschlossen. Ein starkes Auf und Ab von Umsatz- und Beschäftigungsverlauf wird die Branche weiterhin prägen. Die starken Verflechtungen mit den europäischen Nachbarländern sowie die Konkurrenz mit Billiglohnländern prägen die Branche nach wie vor stark. Weitere Einflussfaktoren sind die Entwicklung des Baumwollpreises, die hohe Exportquote (70 bis 90%), Verflechtungen mit anderen Produktionsbereichen (z.B. Automobilindustrie), internationale Branchenentwicklungen und das hiesige Lohnniveau.
 
Leichter Beschäftigungsrückgang aber optimistische Erwartungen
In der Textil- und Bekleidungsindustrie haben sich sowohl Auftragslage als auch Konjunkturerwartungen verbessert. Trotzdem sind im gesamten Bereich der „Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie“ die Beschäftigungszahlen mit 21.413 Personen (-2,8%) und die Umsätze (-4,9%), laut WKO Branchenvertretung, im Jahr 2019 leicht gesunken. In der gewerblichen Sparte „Mode- und Bekleidungstechnik“ ist der Personalstand laut Branchenvertretung 2019, nach den leichten Rückgängen der Vorjahre, stagniert (8.545, 0,5%), die Zahl der Unternehmensneugründungen in den Jahren 2018 und 2019 aber leicht gestiegen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) prognostiziert für den Bereich „Textil und Bekleidung“ einen Beschäftigungsrückgang von -1,9% für den Zeitraum 2016 bis 2023.
 
Nischenprodukte und Innovationen
Die österreichische Textil- und Bekleidungsindustrie hat sich mittlerweile auf innovative und qualitativ hochwertige Produkte, neueste Technologien und nachhaltige Produktionsmethoden, wie beispielsweise technische Textilien, Afrika-Damast und hochwertige Lederprodukte, spezialisiert. BranchenexpertInnen hoffen zudem auf höhere Nachfrage nach qualitativ hochwertigen und ökologisch nachhaltigen Textil-Materialien und Produkten aus europäischer Produktion.
 
Die Coronakrise bringt unterschiedliche Konsequenzen für die Unternehmen dieses Berufsbereichs. Einen Unsicherheitsfaktor stellt die starke Exportabhängigkeit (v.a. nach Europa) und Verflechtung mit anderen Industrien (z.B. Lederprodukte für die Automobilindustrie) dar. BranchenexpertInnen der Textilindustrie befürchten außerdem, dass aktuelle Kollektionen (Frühjahr 2020) keine AbnehmerInnen finden. Gleichzeitig könnte das sogenannte „Fast Fashion“-Prinzip durch die Coronakrise etwas ausgehebelt werden, und KonsumentInnen könnten wieder vermehrt nach lokal produzierten Textilien nachfragen.
 
Im April 2020 hat das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort bekannt gegeben, vermehrt auf die Produktion von Schutzmasken (FFP2) sowie Mund-Nasen-Schutz durch heimische Unternehmen zu setzen. Verschiedene Betriebe – allen voran ein Konsortium aus Vorarlberger Textilunternehmen – haben mit der Produktion für den heimischen Markt begonnen. Dafür werden kurzfristig vor allem NäherInnen gesucht. Auch andere Textil- und Bekleidungsunternehmen haben auf die aktuelle Situation reagiert und produzieren vermehrt Stoffe, Gummibänder oder Mund-Nasen-Schutz-Masken.
 
Fokus auf hochqualifizierte Arbeitskräfte
Durch die Auslagerung der Produktion in europäische Nachbarländer und verstärkte Aktivitäten im Bereich Forschung, Produktentwicklung sowie die Entwicklung neuer Produktionsmethoden herrscht, laut BranchenexpertInnen, Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Berufsbereich. Die Branche setzt deshalb stark auf Nachwuchsförderung und fachliche – oftmals auch betriebliche – Aus- und Weiterbildung. Um Ausbildungen mehr Attraktivität zu verleihen, rät ein Experte deren Inhalte vielfältiger zu gestalten, damit Beschäftigte am Arbeitsmarkt mobiler sein und auch in anderen Berufsbereichen unterkommen können. Arbeitsplätze sind in der Branche rar gesät und liegen geografisch teilweise weit auseinander.
 
Fortschreitende Automatisierung und die Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland führen zu einem geringeren Bedarf an Anlern- und Hilfsberufe mit niedrigem Qualifikationsniveau. Dieser Trend wird sich im Betrachtungszeitraum bis 2023 weiter fortsetzen. Die Kommunikation zwischen Entwicklungs- und internationalen Produktionsstandorten und damit auch Englischkenntnisse rücken aufgrund der internationalen Verflechtung stärker in den Fokus.
[Kurztext] Mehr Informationen anzeigen

Arbeitskräfte-Nachfrage des Berufsbereichs Arbeitskräfte-Nachfrage Offene Stellen im eJob-Room Offene Stellen
 

Frauen und Männer am Arbeitsmarkt: Textil, Bekleidung, Mode, Leder

Geringe Beschäftigungszahlen, Frauenanteil bei 58 %

Im Berufsbereich „Textil- und Bekleidungsindustrie, Mode, Leder“ sind 10.200 Frauen und 7.300 Männer unselbständig beschäftigt. Der Frauenanteil liegt bei 58 %. In zwei der drei Teilbereiche („Herstellung von Bekleidung“ und „Herstellung bzw. Reparatur von Leder, Lederwaren und Schuhen“) überwiegen Frauen. Im dritten und größten Teilbereich, der Herstellung von Textilien, sind hingegen etwas mehr Männer als Frauen beschäftigt (Frauenanteil: 46 %).

Mehr Informationen Mehr Informationen anzeigen

 
Unselbstständig Beschäftigte in der Herstellung von Textilien, Bekleidung und Leder, 2011 bis 2019
Diagramm
Quelle: Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend. Grafik: AMS.

 
Beschäftigungsprognose und Arbeitskräfte-Nachfrage in Online-Inseraten und AMS
... in der Berufsobergruppe Beschäftigte Arbeitskräfte-Nachfrage
Textil, Bekleidung, Mode, Leder Prognose derzeit   Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS eJob-Room-Inserate
    Rück blick 2019 2018 2019 2018 aktuell
zwei Pfeile nach rechts Anlern- und Hilfsberufe Textil Fragezeichen Symbol 2 Quadrate Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 49 41 275 319 142 AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechts Ledererzeugung und -verarbeitung Fragezeichen Symbol 1 Quadrat Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 10 157 91 178 36 AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechts Bekleidung, Textil Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 97 83 375 435 152 AMS Funkmaus

Beschäftigte prognostiziert
für das Jahr 2024.
steigend
zwei Pfeile nach oben
tendenziell steigend
Pfeil nach oben
gleichbleibend
Pfeil gleichbleibend
tendenziell sinkend
Pfeil nach unten
sinkend
zwei Pfeile nach unten
Aufgrund der Corona-Krise dzt. keine Einschätzung möglich:
keine Angabe
Fragezeichen Symbol
Beschäftigte derzeit:
Anteil der Beschäftigten innerhalb des Berufsbereichs
hoch
3 Quadrate
mittel
2 Quadrate
niedrig
1 Quadrat
Arbeitskräfte-Nachfrage Online-Inserate (exkl. eJob-Room) 2019 bzw. 2018
aus: 3s Unternehmensberatung GmbH; Online-Stelleninserateanalyse

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS eJob-Room-Inserate 2019 bzw. 2018
aus: 3s Unternehmensberatung GmbH; Online-Stelleninserateanalyse

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS eJob-Room-Inserate, aktuell:
Anzahl der im AMS-eJob-Room angebotenen Stellen vom 01.10.2022.
© AMS Österreich März 2021