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GREEN JOBS & SKILLS

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Green Jobs in Abwasser- und Abfallentsorgung sowie Dimensionen guter Arbeit

Die Anzahl der Umweltbeschäftigten in der Abwasser- und Abfallentsorgung umfasst mehr als 23.000 Personen im privaten und öffentlichen Sektor. Die Green Jobs verteilen sich auf die Abwasserentsorgung (2011: 8.336 Umweltbeschäftigte), die Abfallbehandlung (2011: 14.783 Umweltbeschäftigte) und die Beseitigung von Umweltverschmutzungen (2011: 108 Umweltbeschäftigte) (Statistik Austria 2012: Umweltgesamtrechnungen).

Der Großteil der Umweltbeschäftigten in diesem Bereich ist in der Abfallbehandlung tätig, das schließt die Sammlung von Abfällen, die Abfallbehandlung und -beseitigung sowie die Rückgewinnung von Altwaren und Werkstoffen ein. Mit 8,6 % Anteil an allen Umweltbeschäftigten und mit 11 % Anteil am gesamten Umweltumsatz ist die Abfallbehandlung ein zentraler Wirtschaftsbereich. Die Abwasserentsorgung hat einen 4,9 %-igen Anteil am Gesamtumweltumsatz und umfasst 5,5 % der Green Jobs.

Nachhaltige Abfallwirtschaft

Oberstes Ziel einer nachhaltigen Abfallwirtschaft ist die Abfallvermeidung. Vor dem Hintergrund der Ressourcenverknappung gewinnen Wiederverwertung und Recycling sowie die entsprechenden Technologien an Bedeutung. Im Sinne der Entwicklung von einer Entsorgungswirtschaft in Richtung Verwertungswirtschaft werden Aspekte wie die energetische Nutzung von Abfällen (z.B. die Stromerzeugung und Abwärmenutzung thermischer Behandlungsanlagen, biogene Abfälle für Biogasanlagen) wichtiger sowie Recyclingverfahren und -technologien zur Gewinnung von Sekundärrohstoffen (Umweltbundesamt 2006: Abfallvermeidung und -verwertung in Österreich).

Green Skills: Beispiel Entsorgungs- und Recyclingfachmann/-frau – Abfall und Abwasser

Der Lehrberuf Entsorgungs- und Recyclingfachmann/-frau weist zwar niedrige Lehrlingszahlen auf - 2012 waren es für den Zweig Abwasser 8 Lehrlinge, für den Zweig Abfall 16 –, anhand der Ausbildungsordnung lassen sich aber exemplarisch fachlich spezifische Green Skills aufzeigen. Für den Bereich Abfall umfassen diese das gesamte Spektrum von der Vermeidung, Verminderung, Trennung, Behandlung bis hin zu Verwertung von Abfällen und Reststoffen. Dazu zählen u.a. die Steuerung an abfalltechnischen Anlagen, das Behandeln von Abfall (z.B. Verwertung, Zwischenlager, Deponie, Kompostierung), physikalisch-technische und chemische Untersuchungen, aber auch abfallwirtschaftliche und umweltschutzbezogene Normen. Green Skills im Bereich Abwasser sind z.B. Kenntnis der flüssigen Abfälle und deren Behandlungsmöglichkeiten sowie der Wasserversorgung und der entsprechenden Wasseranalyse. Auch der Betrieb, die Wartung und die Instandhaltung von Kanalisationsanlagen sowie von mechanischen, biologischen und chemischen Abwasserreinigungsanlagen zählen zu dem Kompetenzprofil.

Green Skills: KlärwartIn

Eine Berufsspezialisierung im Bereich Abwasserreinigung ist der/die KlärwartIn bzw. KlärfacharbeiterIn. KlärwartInnen sind u.a. für den Betrieb von Abwasserreinigungsanlagen, die Überwachung der Maschinen und Anlagen, Prozessabläufe, Reinigungsverfahren und die Analyse der Inhaltsstoffe verantwortlich. Sie führen physikalische, chemische und biologische Untersuchungen durch (z.B. Probenahme, Nährstoffanalytik, Faulgasanalysen), verfügen über Kenntnisse in den Bereichen mechanische Abwasserreinigung (z.B. Absetzbecken, Leichtstoffabscheider) und biologische Abwasserreinigung (z.B. Tauchkörper, Tropfkörper, Belebungsverfahren) und Schlammbehandlung, -verwertung, -entsorgung (Österreichischer Wasser- und Abfallwirtschaftsverband 2013: KlärwärterInnen-Grundkurs).

Dimensionen guter Arbeit anhand des DGB-Index

Abschließend soll anhand eines Beispiels aufgezeigt werden, dass Green Jobs nicht notwendigerweise mit guten Arbeitsbedingungen einhergehen bzw. Kriterien guter Arbeit nur zu einem Teil erfüllen. Dem Bild der gut bezahlten und hoch qualifizierten (technischen) Fachkräfte entspricht nur ein geringer Anteil der Green Jobs. Zur Veranschaulichung der Arbeitsbedingungen kann der DGB-Index Gute Arbeit herangezogen werden, der die Qualität von Arbeit anhand von 15 Dimensionen beurteilt (z.B. Qualifizierung- und Entwicklungsmöglichkeiten, Arbeitszeitgestaltung, Betriebskultur, körperliche Anforderungen etc.). Der Index wird durch repräsentative Befragungen von abhängig Beschäftigten in Deutschland erhoben und ist daher eine subjektive Beurteilung der Arbeitsbedingungen. Für außenstehende BetrachterInnen können dennoch einige Kriterien herangezogen werden, um die Arbeitsbedingungen einer Berufsgruppe/Branche aufzuzeigen.

Als Beispiel für Green Jobs in der Abwasser- und Abfallentsorgung wird die Müllabfuhr im öffentlichen Sektor herangezogen. Trotz Arbeitsbelastungen und hohen körperlichen Anforderungen wie schwerem Heben, Arbeiten in Hitze und Kälte, Geruchsbelästigung, geringer Weiterbildungsbeteiligung und kaum vorhandenen Aufstiegsmöglichkeiten ist die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten im öffentlichen Sektor vergleichsweise hoch. Dies steht in Zusammenhang mit der relativ guten Bezahlung und mit Beschäftigungssicherheit (z.B. messbar an der niedrigen Fluktuation der MitarbeiterInnen). Auch wenn für die Tätigkeit eine abgeschlossene Ausbildung oft nicht relevant ist, ist der Bereich auch für Personen mit höheren Qualifikationsniveaus attraktiv (Leitner et. al. 2012: Green Jobs. Arbeitsbedingungen und Beschäftigungspotenziale).


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© AMS Österreich Juni 2019