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GREEN JOBS & SKILLS

grüner Pfeil nach rechtsTourismus, Gastgewerbe, Freizeit

Potential für Green Jobs im Tourismus

Das Lebensministerium bescheinigt der Tourismus- und Freizeitwirtschaft ein Potenzial von ca. 13.500 Green Jobs bis zum Jahr 2020 (Lebensministerium 2010: Österreichischer Masterplan green jobs). Beschäftigungseffekte sollen durch eine Nachfragesteigerung nach ökologischen und nachhaltigen Tourismus-Angeboten und dem Ausbau entsprechender Angebote erreicht werden.

Das Ministerium rechnet in seiner Einschätzung des Beschäftigungspotenzials positive Effekte entlang der (regionalen) Wertschöpfungsketten mit ein. Konkret genannt werden z.B. die thermische Sanierung und Produkte aus biologischer Landwirtschaft. Neben dieser Abgrenzungsunschärfe stellt das Lebensministerium nicht deutlich heraus, in welchem Ausmaß es sich bei den zukünftigen 13.500 Green Jobs im Tourismus um neue Arbeitsplätze bzw. um die Sicherung bestehender Beschäftigungsverhältnisse – evtl. erweitert um grüne Tätigkeitsaspekte – handelt und in welchen Bereichen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft diese anteilsmäßig zu verorten sind.

Im Folgenden werden die Umweltbeschäftigten in Beherbergung und Gastronomie näher beleuchtet, da die Statistik Austria nur diesen grünen Bereich der Tourismus- und Freizeitwirtschaft zahlenmäßig erfasst. Eine umfassendere Betrachtung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft bietet der Abschnitt Reise, Freizeit, Sport und Mobilität.

Umweltbeschäftigte in Beherbergung und Gastronomie

2011 waren in Beherbergung und Gastronomie 1.642 Beschäftigte (Gastronomie: 1.356, Beherbergung: 286) den Green Jobs zuzurechnen (Statistik Austria 2012: Umweltgesamtrechnungen). Umweltbeschäftigte in Beherbergung und Gastronomie sind in Betrieben tätig, die mit dem österreichischen Umweltzeichen zertifiziert sind. Die Green Jobs in Beherbergung und Gastronomie haben einen Anteil von unter 1 % an allen Umweltbeschäftigten in Österreich (branchenübergreifend betrachtet). Auch der Anteil an allen Beschäftigten innerhalb der Branche Beherbergung und Gastronomie liegt unter 1 % (Leitner et. al. 2012: Green Jobs. Arbeitsbedingungen und Beschäftigungspotenziale). Positiv entwickelt hat sich im Zeitraum von 2008 bis 2011 die Anzahl der Umweltbeschäftigten: + 6,9 % Zuwachs an Green Jobs konnte die Beherbergung verzeichnen, die Gastronomie + 15,3 %.

Die restriktive Betrachtung der Umweltbeschäftigten, die Green Jobs über die Betriebszugehörigkeit – also Beherbergungs- und Gastronomie-Unternehmen zertifiziert mit dem österreichischen Umweltzeichen – klassifiziert, kann die Bedeutung des ökologischen und nachhaltigen Tourismus nicht vollständig abbilden. Nicht alle grünen Aktivitäten von Betrieben sind erfasst und damit auch nicht alle in Green Jobs tätigen Personen. Beispielsweise sind Bio-Restaurants, die nicht mit dem Umweltzeichen zertifiziert sind, nicht in der Statistik enthalten.

Österreichisches Umweltzeichen für Tourismusbetriebe – Green Skills

Das österreichische Umweltzeichen für Tourismusbetriebe zeichnet Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe (inklusive Campingplätze und Schutzhütten) für „ihr Engagement in den Bereichen umweltfreundliches Management und soziale Verantwortung“ aus (Österreichisches Umweltzeichen: Richtlinie Tourismusbetriebe 2010). Der Kriterienkatalog umfasst allgemeine Muss-Kriterien, modulspezifische Kriterien und Soll-Kriterien – das sind optionale Maßnahmen und Eigeninitiativen, für die eine bestimmte Punkteanzahl erreicht werden muss.
Die Kriterien des österreichischen Umweltzeichens für Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe geben Aufschluss über die von Betriebsleitung und MitarbeiterInnen geforderten Green Skills. Dazu zählen auf Ebene der Betriebsführung beispielsweise die Erstellung eines Umweltkonzepts und -programms, das die Umweltziele für die Bereiche Energie, Wasser, Chemikalien und Abfall festlegt. Für die Einhaltung der Ziele und die Überwachung der Maßnahmen ist ein/eine UmweltbeauftragteR im Betrieb zuständig. Die Betriebsleitung ist auch für die Schulung des Personals in den Aspekten Energiesparen, sparsamer Wasserverbrauch, chemische Stoffe (z.B. Dosierung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln), Abfallsammlung, -trennung und -entsorgung verantwortlich (Beispiele für Muss-Kriterien).
Für den Bereich Beschaffung sind Kenntnisse im umweltverträglichen und abfallschonenden Einkauf wichtig – das reicht von regionalen und Bio-Lebensmitteln über umweltschonende Reinigungsmittel bis hin zu Bürobedarf. MitarbeiterInnen in der Gästebetreuung sollen Gäste über das Umweltkonzept informieren und diese zur aktiven Beteiligung auffordern (z.B. in Bezug auf sparsamen Wasserverbrauch, Wechseln von Handtüchern und Bettwäsche, Abfalltrennung etc.). Auch Informationen über die biologische Vielfalt der Region und die Landschaft zählen zu diesem Bereich.
Für Küchenpersonal sind z.B. Kenntnisse über Lebensmittel aus lokaler Produktion und Produkte aus biologischer Landwirtschaft sowie regionaltypische Speisen wichtig, aber auch Wissen über gefährdete und geschützte Tierarten, die nicht für die Speisenzubereitung verwendet werden dürfen (z.B. exotisches Wild, Tunfisch, bestimmte Schalentiere) oder Kenntnisse von Fair Trade Produkten (Beispiele für Soll-Kriterien) (Österreichisches Umweltzeichen: Richtlinie Tourismusbetriebe 2010).

In Hinblick auf die Arbeitsbedingungen und Dimensionen guter Arbeit (siehe Informationen zu Abwasser- und Abfallentsorgung im Berufsbereich Umwelt) ist anzumerken, dass die Personalpolitik im Kriterienkatalog des Österreichischen Umweltzeichens eine untergeordnete Rolle einnimmt. Beispielsweise sind die folgenden optionalen Soll-Kriterien angeführt: Beschäftigung von MitarbeiterInnen aus der Region, über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehende Maßnahmen in den Bereichen Jugendausbildung, Gleichbehandlung von MitarbeiterInnen, Integration von (lokalen) Minderheiten und Menschen mit Behinderung, zusätzliche Vorteile wie Schulungs- und Weiterbildungsangebote u.ä.
Auch wenn das Österreichische Umweltzeichen Kriterien für (verbesserte) Arbeitsbedingungen von MitarbeiterInnen beinhaltet, wird diesen aber kein wichtiger Stellenwert eingeräumt.

Nachfrageabhängigkeit

Die Beschäftigungsentwicklung der Green Jobs im Bereich Hotel- und Gastgewerbe ist vor allem von der Nachfrage nach ökologischen und nachhaltigen Angeboten abhängig. Bei der Reiseentscheidung von ÖsterreicherInnen spielen Umweltaspekte eine zunehmende Rolle. Umweltqualität (Luft, Wasser, Ruhe) sowie eine intakte Naturlandschaft, regionale Produkte und umweltfreundliche Mobilitätsangebote – sowohl bei der Anreise als auch vor Ort – und die Auszeichnung mit Umweltzeichen gewinnen an Einfluss bei der Wahl einer Urlaubsdestination (Statistik Austria 2011: Umweltbedingungen, Umweltverhalten).


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© AMS Österreich Juni 2019