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GREEN JOBS & SKILLS

grüner Pfeil nach rechtsLandwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft

Green Jobs: Landwirtschaft hat größten Anteil an Umweltbeschäftigten

In der Land- und Forstwirtschaft waren 2011 38.766 Umweltbeschäftigte tätig, wobei 30.413 Green Jobs auf die Landwirtschaft entfielen und 8.353 Green Jobs auf die Forstwirtschaft. In der Land- und Forstwirtschaft sind somit rund 22 % aller Umweltbeschäftigten tätig (Statistik Austria 2012: Umweltgesamtrechnungen).

Die ökologische Landwirtschaft erwirtschaftete 2011 3,6 % des Umweltumsatzes mit einem Anteil von 17,8 % aller Umweltbeschäftigten – zu den Green Jobs gerechnet werden vor allem Biobauern und Biobäuerinnen sowie Personen in der Herstellung von Biokraftstoffen. Gemessen an der Anzahl der Green Jobs ist die Landwirtschaft der größte grüne Wirtschaftsbereich. Die Forstwirtschaft hat einen Anteil von 1,5 % am Umweltumsatz, der Anteil der Umweltbeschäftigten beträgt 4,9 %. Beschäftigte sind z.B. in der Herstellung von Brennholz, Holzbriketts und Hackschnitzel tätig (Statistik Austria 2012: Umweltgesamtrechnungen).

Während in den letzten Jahren die Green Jobs in der Landwirtschaft gestiegen sind (im Vergleichszeitraum von 2008 bis 2011 um + 6,7 %), ist die allgemeine Beschäftigung in dem Sektor rückläufig. Verantwortlich für die Zunahme der Umweltbeschäftigung sind u.a. Verschiebungsprozesse, d.h. Umstellungen von herkömmlicher auf ökologische Landwirtschaft.

„Jobmotor Green Jobs“?

In diesem Zusammenhang kann der oft ins Treffen geführte „Jobmotor Green Jobs“ anhand eines Beispiels leicht dekonstruiert werden: Wenn einE LandwirtIn auf biologische Landwirtschaft umstellt, werden nach der Umstellungsphase alle Beschäftigten dieses Betriebs zu den Umweltbeschäftigten gerechnet, ohne dass dabei notwendigerweise neue Green Jobs/Stellen geschaffen wurden.

Biologischer Landbau in Österreich

2011 betrug der Anteil der Bio-Betriebe an allen landwirtschaftlichen Betrieben 16,4 %; das sind 21.575 Betriebe (Lebensministerium: Grüner Bericht 2012), die landwirtschaftliche Flächen nach biologischen Richtlinien bewirtschaften und die Erzeugnisse als Bio-Produkte vermarkten. Im internationalen Vergleich liegt Österreich mit einem Anteil von 18,9 % (2011) an ökologisch bewirtschafteter Fläche an dritter Stelle weltweit, im EU-27-Durchschnitt werden 5,5 % der landwirtschaftlichen Flächen biologisch bewirtschaftet (Ökosoziales Forum Österreich 2013: Nachhaltigkeit in Zahlen und Fakten). Mehr als 50 % der Bio-Betriebe in Österreich werden im Haupterwerb geführt. Die höchste Dichte an Bio-Betrieben ist in Niederösterreich angesiedelt (21,8 % aller Bio-Betriebe), gefolgt von Oberösterreich (18,8 %), Salzburg (17,2 %) und der Steiermark (12,8 %) (Statistik Austria 2013: Agrarstrukturerhebung 2010).

EU-Bio-Verordnungen (Verordnung (EG) Nr. 834/2007 und Verordnung (EG) Nr. 889/2008) regeln die ökologische/biologische Produktion und Kennzeichnung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Lebensmitteln. Landwirtschaftliche Betriebe, die diese Richtlinien erfüllen, dürfen ihre Erzeugnisse als biologisch kennzeichnen und vermarkten.

Green Skills

Auf Basis dieser EU-Verordnungen und ausgehend von Informationen über ökologische Landwirtschaft der Europäischen Kommission, können wichtige Green Skills für Bio-LandwirtInnen umrissen werden. Im Bereich der Pflanzenproduktion sind das z.B. ökologische Anbaumethoden, Kenntnisse ökologischer Pflanzenschutz- und Düngeverfahren, mehrjährige Fruchtfolgen, die Auswahl robuster Sorten, Bodenschutz und -fruchtbarkeit, die Schonung nicht erneuerbarer Ressourcen u.ä.
Ökologische Viehzucht basiert auf artgerechter Tierhaltung, die sich an natürlichen Verhaltensweisen und Lebensbedingungen der Tiere orientiert. Dazu zählen beispielswiese Kenntnisse der Freilauf- und Freilufthaltung, der Ernährungs- und Verhaltensbedürfnisse der Tiere, Bio-Futter, Auswahl von Tierarten, die an die lokalen Gegebenheiten angepasst sind, Aspekte der Tiergesundheit bis hin zu geringen Transportzeiten.
Auch Kenntnisse der Richtlinien, Kennzeichnung und Kontrolle der ökologischen Erzeugnisse sowie die Erschließung von neuen Vertriebs- und Verkaufsmöglichkeiten der Bio-Produkte (z.B. Direktvermarktung) können als Green Skills angeführt werden.

AMA-Biozeichen

Die oben erwähnten EU-Bio-Verordnungen legen die rechtlichen Basisanforderungen für die Produktion und Kennzeichnung von biologischen Erzeugnissen fest. Das AMA-Biozeichen – verwaltet und kontrolliert von der Agrarmarkt Austria GmbH – geht über diese Basisanforderungen der EU-Verordnungen hinaus und erfüllt zusätzlich Anforderungen des Österreichischen Lebensmittelbuches (ÖLMB, Kapitel A 8). Das AMA-Biozeichen gibt es in zwei Varianten – mit und ohne Ursprungsangabe. Das rot-weiß-rote AMA-Biozeichen mit Ursprungsangabe erfüllt zusätzlich das Kriterium, dass landwirtschaftliche Rohstoffe zu 100 % aus der Region stammen. 2011 partizipierten mehr als 45.000 landwirtschaftliche ErzeugerInnen an dem AMA-Gütesiegel-Programm (Lebensministerium: Grüner Bericht 2012).

Landwirtschaftliche und forstliche Biomasse-Produktion

Biomasse wird in zunehmenden Ausmaß energetisch genutzt – vor allem zur Wärmeerzeugung (thermische Nutzung von Holz), aber auch die Stromerzeugung (auf Basis von Biogas) und Biokraftstoffe gewinnen an Bedeutung. Die Bioenergie (Energie aus fester, flüssiger, gasförmiger Biomasse) hat einen Anteil von 61 % am Bruttoinlandsverbrauch für erneuerbare Energieträger (Österreichischer Biomasse-Verband 2011).

Biomasse steht zum Teil in einem Konkurrenzverhältnis zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion, andererseits können zunehmend Neben- und Abfallprodukte (z.B. Stroh) energetisch genutzt werden. Biomasse wird in der Land- und Forstwirtschaft produziert und bietet aufgrund der großen und wachsenden Bedeutung Beschäftigungspotenzial – vor allem in ländlichen Regionen.

Neue Green Jobs: FacharbeiterIn für Biomasse und Bioenergie

Mit der Einführung eines neuen Lehrberufs – „FacharbeiterIn für Biomasse und Bioenergie“ (derzeit Ausbildungsversuch in der Steiermark, in Ober- und Niederösterreich) – wurde bereits auf diese Entwicklung reagiert. Die Ausbildungsinhalte zeigen erforderliche Green Skills in diesem Bereich auf.
Im Bereich der landwirtschaftlichen Biomasseproduktion sind das z.B. die Energiepflanzenproduktion, Kulturführung und das Konzept der Ökobilanz, für die forstliche Biomasseproduktion können Kenntnisse betreffend Holz als Energieträger und Energieholzsortimente angeführt werden. Auch die Biomassebereitstellung – von Ernteverfahren über Aufbereitung bis hin zu Logistik und Lagerung – ist ein zentraler Kompetenzbereich. Bereichsübergreifende Green Skills sind an der Schnittstelle zur Anlagentechnik (z.B. Biomasseheizungen, Biomassenahwärme, Biogasanlagen, biogene Treibstoffe) und zu Betriebswirtschaft und Marketing (z.B. Wirtschaftlichkeitsberechnungen, rechtliche Rahmenbedingungen, Vermarktung von Biomasse als Energieträger, Förderungswesen) zu finden (AMS Berufslexikon: FacharbeiterIn für Biomasse und Bioenergie).


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© AMS Österreich Juni 2019