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18,5 % Anteil an Gesamtumweltumsatz in Energieversorgung und erneuerbarer Energie

Der Bereich Energieversorgung umfasst die Erzeugung und Verteilung von Elektrizität und Wärme aus erneuerbaren Energieträgern. Die Energieversorgung erwirtschaftete 2011 mit 6,4 % der Umweltbeschäftigten (10.857 Personen) einen vergleichsweise hohen Umsatz – 18,5 % beträgt der Anteil am Gesamtumweltumsatz.

Gemessen am Umweltumsatz ist die Energieversorgung die wichtigste Wirtschaftsabteilung (gefolgt von Maschinenbau mit 12 % und Abfallbehandlung mit 11 %). Im Zeitraum von 2008 bis 2011 konnte eine Umsatzsteigerung von + 2,0 % erreicht werden, wohingegen die Umweltbeschäftigten um - 11,1 % zurückgegangen sind (Statistik Austria 2012: Umweltgesamtrechnungen).

Beschäftigungsrückgänge im Laufe der vergangenen 15 Jahre stehen vor allem in Verbindung mit der Liberalisierung der Elektrizitätswirtschaft. Den erneuerbaren Energien werden aber gegenwärtige Beschäftigungseffekte und ein zukünftiges Beschäftigungspotenzial zugeschrieben. Das BMVIT (BMVIT: Innovative Energietechnologien in Österreich. Marktentwicklung 2012) und das Lebensministerium (Lebensministerium: Erneuerbare Energie in Zahlen 2011) verorten und beziffern die größten Beschäftigungseffekte (Vollzeitäquivalente) für die Jahre 2011 (Lebensministerium) bzw. 2012 (BMVIT) im Bereich feste Biomasse (Lebensministerium: ca. 18.800, BMVIT: ca. 13.000). Auch die Bereiche Wasserkraft (Lebensministerium: ca. 6.500, BMVIT: k. A. im Bericht), Solarthermie (Lebensministerium: ca. 4.100, BMVIT: ca. 3.400), Photovoltaik (Lebensministerium: ca. 4.200, BMVIT: ca. 4.800) und Wärmepumpen (Lebensministerium: ca. 1.900, BMVIT: ca. 1.100) spielen eine wichtige Rolle.

Erneuerbare Energie in Österreich

Der Anteil erneuerbarer Energie am Bruttoendenergieverbrauch lag 2012 bei 32 % (2011: 31 %) (Statistik Austria 2012: Energiebilanzen). In den vergangenen Jahren ist der Anteil erneuerbarer Energie kontinuierlich gestiegen – 2005 erreichte er noch knapp 24 %. Die Gründe für den Anstieg sind durch ein Bündel an Maßnahmen – von Förderungen über gesetzliche Regelungen bis hin zu Informationskampagnen – erklärbar (Statistik Austria 2012: Energiebilanzen).

Die größten Anteile an erneuerbarer Energie entfallen auf die Energieträger Wasserkraft (2011: 38,9 %) und feste Biomasse (31,5 %), gefolgt von erneuerbaren Anteilen der Fernwärme (10,3 %), Laugen (6,9 %) und Biokraftstoffe (6,1 %). Die Sektoren Windkraft (2,1 %), Solarwärme (1,9 %), Umgebungswärme (1,1 %), Biogas (0,8 %), Photovoltaik (0,2 %) und Geothermie (0,1 %) kommen in Summe auf einen Anteil von 6,2 %. Besonders starke Zuwächse konnte 2011 im Vergleich zum Vorjahr die Photovoltaik (+ 96 %) verzeichnen. Tarif- und Installationsförderungen trugen zu dieser nahezu Verdoppelung bei (Lebensministerium: Erneuerbare Energie in Zahlen 2011).

Wasserkraft

Die Wasserkraft ist mit rund 6.500 Beschäftigten und einem Anteil von fast 60 % an der Inlandsstromerzeugung – neben der Biomasse – der wichtigste Faktor der erneuerbaren Energie in Österreich. Im Branchenfokus stehen die Kraftwerks- und Komponentenoptimierung (z.B. Turbinen mit höherem Wirkungsgrad), ein weiterer Ausbau der Pumpenspeicherkapazitäten – aufgrund der wachsenden Rolle der Sonnen- und Windenergie – und der Ausbau der Kleinwasserkraft (Lebensministerium: Erneuerbare Energie in Zahlen 2011).

Intelligente Stromnetze

Mit der wachsenden Bedeutung erneuerbarer Energie geht ein Strukturwandel der Energiewirtschaft einher. Erneuerbare Energie ist durch einen hohen Anteil an dezentraler Energieerzeugung in Kleinanlagen (z.B. Biomasse, Photovoltaik) gekennzeichnet. Eine (zukünftige) Herausforderung ist es, eine Vielzahl an Kleinerzeugern zu integrieren, diese z.B. in einem Verbund zusammenzuschalten („virtuelles Kraftwerk“), um die Netzinfrastruktur optimal regeln zu können. Ein Charakteristikum von Photovoltaik- und Windkraftanlagen ist zudem die inhomogene Stromerzeugung, da sie natürlichen Schwankungen unterliegen. Intelligente Stromnetze – sogenannte Smart Grids – ermöglichen die optimale Integration von zentralen (z.B. Großwasserkraftwerke) und dezentralen Quellen und eine effiziente Steuerung zur Sicherstellung der Netzstabilität und Versorgung. Auf Verbraucherseite geht mit intelligenten Stromnetzen der Einbau von intelligenten Zählern/Verbrauchsmessern (Smart Meter) einher, die Daten an die Energieversorgungsunternehmen übertragen, um Schwankungen im Netz zu vermeiden (Smart Grids Austria 2013). Technisches Know-how in diesem Bereich gewinnt für Fachkräfte bei Energieerzeugern, Netzbetreibern bis hin zur Installationstechnik an Bedeutung.

Installation erneuerbarer Energieanlagen: Green Skills in der Solartechnik

Auch die Installation erneuerbarer Energieanlagen erfordert spezifische Green Skills. Im Bereich der Solarenergie kann zwischen thermischen Solaranlagen für Wärmeenergie und Photovoltaikanlagen für elektrische Energie unterschieden werden. Green Skills für SolartechnikerInnen im Bereich Photovoltaik betreffen die Planung, Installation und Montage von Photovoltaik-Anlagen. Dazu zählen z.B. die Auslegung von autarken und netzgekoppelten Anlagen und die Dimensionierung von Generatoren, Wechselrichtern und Verkabelung. Theoretische Kenntnisse umfassen z.B. Funktionsweisen von Solarzellen oder auch Berechnungen des Stromertrags (Portal Umweltqualifizierung 2013).
Green Skills im Bereich der Solarthermie reichen von der Planung bis zur Inbetriebnahme von solarthermischen Anlagen. Darunter fallen z.B. System- und Komponentendimensionierungen, Kenntnisse der Komponenten von Solarwärmesystemen, Kollektoren, Wärmespeicher sowie Kennzahlen und Wirkungsgrade (WIFI 2013).
Auch die Kenntnisse der gesetzlichen Rahmenbedingungen, der Normen, Förderungsmöglichkeiten sowie die KundInnenberatung und Vermarktung sind für SolartechnikerInnen von Bedeutung.

Green Jobs – Good Jobs: auf Energieversorgung zutreffend, Frauen sind aber unterrepräsentiert

Dem gern gezeichneten Bild der gut bezahlten und gut ausgebildeten Green Jobs entspricht am ehesten der Teilbereich erneuerbare Energie in der Energieversorgung, der aber mit einem Anteil von rund 6 % aller Green Jobs nur eine untergeordnete Rolle spielt. Für diesen Bereich trifft die Annahme einer Win-Win-Situation von Green Jobs zu, nämlich dass mit deren Ausbau sowohl der Umweltschutz gefördert, als auch zukunftsträchtige und qualifizierte Beschäftigung geschaffen wird (Littig 2013). Aus Geschlechterperspektive zeigt sich anhand der Energieversorgung sehr deutlich, dass Frauen in Green Jobs mit naturwissenschaftlichem bzw. technischen Hintergrund deutlich unterrepräsentiert sind. Die Energieversorgung ist eine männerdominierte Branche, der Frauenanteil liegt bei ca. 16 %.


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© AMS Österreich Juni 2019