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FRAUEN UND MÄNNER AM ARBEITSMARKT

grüner Pfeil nach rechts_alt_20150702_Soziales, Erziehung und Bildung

Hoher Frauenanteil: über 68 %

Beschäftigte

Mit mehr als 68 % stellen Frauen über zwei Drittel der Beschäftigten in diesem Berufsbereich. Mit Ausnahme des „Bestattungswesens“, in dem 33 % der Beschäftigten weiblich sind, liegt der Frauenanteil in allen anderen Teilbranchen mehr oder weniger deutlich über 50 %. Am meisten Frauen arbeiten mit knapp 80 % in „Heimen“.

Unselbstständige Beschäftigung Soziales, Erziehung und Bildung 2011, Österreich

Diagramm

Beschäftigungsentwicklung

Die Beschäftigung ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern von 2008 bis 2011 kontinuierlich und relativ deutlich angewachsen. Bei den weiblichen Beschäftigten betrug der Anstieg in diesem Zeitraum rund 15 %, bei den männlichen Beschäftigten waren es rund 13 %.

Zeitreihe 2008-2011 Gesamtbereich Soziales, Erziehung und Bildung, Österreich

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Einkommen

Beim Einkommen in „Erziehung und Unterricht“ liegt der Durchschnittswert für Frauen bei 29.600 Euro brutto pro Jahr. Das entspricht 82 % des durchschnittlichen Einkommens von Männern.

Beim Bruttojahreseinkommen im „Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen“ wird zwischen Männern und Frauen insofern ein Unterschied deutlich, als dass der Verdienst von weiblichen Beschäftigten (22.700 Euro) durchschnittlich um fast 20 % unter jenem von männlichen Beschäftigten liegt.

Beschäftigungsformen

Die Teilzeitquote bei Frauen ist in diesem Bereich mit 36,1 % mehr als doppelt so hoch wie jene der Männer (16,8 %). In „Erziehung und Unterricht“ befinden sich 62.800 weibliche und 11.800 männliche Erwerbstätige in Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen.

Sonderformen der Arbeitszeit

Bei den Sonderformen der Arbeitszeit geben die 173.800 Frauen und 70.500 Männer in „Erziehung und Unterricht“ oftmals sehr hohe Werte an. Dazu ist aber anzumerken, dass es sich hierbei vielleicht um selbst gewählte Arbeitszeiten außerhalb des institutionellen Kontexts handeln könnte. Am häufigsten wird sowohl von den weiblichen (57,2 %) als auch von den männlichen Erwerbstätigen (63,1 %) die Arbeit zu Hause genannt. Am seltensten sind Frauen (13,6 %) und Männer (25,5 %) von Nachtarbeit betroffen.

Physische und psychische Belastungsfaktoren

Im „Unterrichtswesen“ berichten die 59.500 männlichen Erwerbstätigen in etwas geringerem Ausmaß als die 142.500 weiblichen Erwerbstätigen von körperlichen Belastungen. 20,1 % der Männer und 23,5 % der Frauen geben an, von Lärm betroffen zu sein. Von schwierigen Körperhaltungen bzw. Bewegungsabläufen sehen sich 13,9 % der männlichen und 15,4 % der weiblichen Beschäftigten belastet.

Als stärkste Belastung für die Psyche wird im „Unterrichtswesen“ von 26,8 % der Frauen und 33,2 % der Männer Zeitdruck oder Überbeanspruchung wahrgenommen.

Bezüglich des Sozialbereichs sind Belastungsfaktoren nur auf der aggregierten Ebene des „Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesens“ erfasst. Bei den körperlichen Belastungen stehen sowohl bei den 78.300 Männern als auch bei den 231.800 Frauen schwierige Körperhaltungen bzw. Bewegungsabläufe an erster Stelle (mit jeweils etwas über 30 %). An zweiter Stelle wird von beiden Seiten (17,6 % der Männer und 22,8 % der Frauen) das Hantieren mit schweren Lasten genannt.

Bei den seelischen Belastungsfaktoren sind bei Männern und Frauen Zeitdruck oder Überbeanspruchung die bei weitem häufigsten: 36,7 % der weiblichen und 40,8 % der männlichen Erwerbstätigen berichten, davon zu betroffen zu sein.

Berufsnachfrage

Laut den Ergebnissen des AMS-Großbetriebs-Monitorings 2011 herrscht die größte Nachfrage nach HeimhelferInnen (1.246 Einstellungen in den letzten beiden Jahren vor der Erhebung), BehindertenbetreuerInnen (1.109) und KinderbetreuerInnen (774). Diese Berufsgruppen scheinen auch in der Liste der „Top 25“-Berufe mit den höchsten Einstellungszahlen auf. Die am wenigsten nachgefragten Berufe sind SozialmanagerIn, LehrerIn an berufsbildenden Schulen und MusiktherapeutIn mit jeweils weniger als fünf Einstellungen.

Für AltenbetreuerInnen und HeimhelferInnen ist von einer positiven Dynamik auszugehen. Beide genannten Berufe gehören auch insgesamt, d.h. über alle Berufsbereich hinweg, zu den 25 Berufen mit den besten Beschäftigungsaussichten. Den vergleichsweise negativsten Entwicklungen sehen sich KinderbetreuerInnen und MusiklehrerInnen gegenüber.

Im Berufsbereich überwiegen weibliche Beschäftigte.

...und das sagen die ExpertInnen

Der Sozialbereich ist nach wie vor stark weiblich dominiert, große Veränderungen gab es in der Sozialarbeit: hier steigt der Anteil an Männern unter Studierenden und AbsolventInnen. Als ein wichtiger Grund dafür wird die Akademisierung der Ausbildung gesehen, aber auch ein Wandel des Männerbildes in der Gesellschaft.

Die Situation bei Männern, die im Sozialbereich vormals „typische“ Frauenberufe ausüben, kann ambivalent betrachtet werden. Zum einen ist es aus der Sicht der KlientInnen, KundInnen oder SchülerInnen sicher positiv, auch männliche Bezugspersonen oder Rollenvorbilder zu haben. Zum anderen nehmen Männer dann oft die Führungspositionen ein, die ansonsten Frauen innehätten.

Eine grundlegende Problematik zum Thema Gender und Sozialwesen ist die Tatsache, dass in Betreuung etwa von Kindern oder alten Menschen viele Tätigkeiten von Frauen unentgeltlich verrichtet werden.


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© AMS Österreich Juni 2019