BUNDESLÄNDERINFORMATIONEN

TRENDS IM BUNDESLAND

Wien

Das wirtschaftliche Umfeld

Als Bundeshauptstadt und Verwaltungszentrale Österreichs weist Wien eine starke Konzentration auf den Dienstleistungssektor auf. Der wirtschaftliche Charakter wird von einer hohen Zahl an Wirtschaftsdienstleistungen, Banken, Versicherungen sowie internationalen Organisationen und Konzernen bestimmt.

Wien ist das Wirtschaftszentrum Österreichs, 23 % aller Beschäftigten des Landes sind hier tätig. Seit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ 1989 und der „Ostererweiterung“ der Europäischen Union (EU) 2005 ist die Wiener Wirtschaft durch Verflechtungen mit den östlichen Nachbarstaaten geprägt: Knapp 60 % der Auslandsinvestitionen Österreichs werden von Wiener Unternehmen getätigt, die vor allem in ost- und zentraleuropäischen Ländern investieren. Umgekehrt betreffen rund 70 % der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich Betriebe mit Sitz in Wien. Als größte Investoren am heimischen Markt gelten traditionell Unternehmen aus Deutschland, Italien und den USA.
 

Wirtschafts- und Produktivitätsniveau

Gemessen am Bruttoregionalprodukt je EinwohnerIn (Gesamtheit aller in einem Jahr erstellten Waren und Dienstleistungen in Relation zur EinwohnerInnenzahl) wies Wien mit 50.000,- Euro im Bundesländervergleich 2017 nach Salzburg die zweithöchste wirtschaftliche Leistung auf und lag damit klar über dem österreichweiten Durchschnitt von 42.100,- Euro. Das Wiener Bruttoregionalprodukt ist damit gegenüber dem Vorjahr nominell leicht gestiegen. Mit 1,89 Mio. EinwohnerInnen (11.000/ 1,13 % mehr als 2017, Stand 2019) lebt in Wien ein Fünftel der österreichischen Bevölkerung und erwirtschaftet gleichzeitig sogar ein Viertel des österreichischen Bruttoinlandsprodukts: Regionenüberschreitende PendlerInnenströme tragen dazu bei, dass die Wirtschaftskraft in Wien – als größtem EinpendlerInnenzentrum Österreichs – ein hohes Niveau aufweist.

Rückgängige Bauwirtschaft
Wissensintensive Marktdienstleistungen – dazu zählen freiberufliche, wissenschaftliche, technische, Finanz-, Versicherungs- und Informationsdienstleistungen – trugen in den letzten Jahren wesentlich zum Wachstum der Wiener Wirtschaft bei. Die Sachgüterzeugung ist im ersten Halbjahr Jahr 2018 – so wie in den Jahren 2016 und 2017 – um 1,2 % leicht gewachsen. In den Jahren 2016 und 2017 konnte die Wiener Bauwirtschaft noch ihre Produktion steigern. 2018 ist sie um 1,2 % geschrumpft. Dies liegt vor allem an einem Rückgang von Aufträgen im Tiefbau.

Die Zahl an Unternehmensneugründungen kann als ein Indiz für die Vitalität einer Wirtschaftsregion angesehen werden. Nach einem Anstieg der Neugründungen (ohne Umgründungen, Ruhendmeldungen sowie Filialgründungen) in den Jahren 2015 (+5,1 %) und 2016 (+3,6 %), ist sie 2017 wie im gesamten Österreich (-2,1 %) um 1,2 % gesunken. Ca. 48 % dieser Wiener Unternehmen wurden 2017 von Frauen gegründet. Gesunken ist dafür auch die Zahl an Insolvenzen: Im Jahr 2017 sind in Wien 1.730 Unternehmen in Konkurs gegangen und damit um 5,9 % weniger als im Vorjahr.

Anstieg des Konsums
Die Kaufkraft beträgt in der Bundeshauptstadt 21.841,- Euro und ist im Jahr 2017 um 2,9 % gestiegen. Wien liegt damit im nationalen Vergleich hinter Niederösterreich (22.554, - Euro) und Salzburg (22.534,- Euro) mittlerweile nur noch an fünfter Stelle. Innerhalb Wiens ist die durchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft mit 40.081,- Euro im ersten Bezirk am höchsten und im 15. Bezirk mit 17.091,- Euro am geringsten.

Generell ist Wiens wirtschaftliche Entwicklung stark an die Kaufkraft gekoppelt. Da auch die Inflation in den letzten Jahren angestiegen ist, sind – laut WIFO – die realen Einkommen in Wien gesunken und haben dadurch den privaten Konsum gebremst. Aufgrund der überproportionalen Bedeutung des Dienstleistungssektorshat sich die sinkende Investitionsbereitschaft der Wiener Unternehmen seit 2014 mehr auf die Konjunktur ausgewirkt als in anderen Bundesländern. Dementsprechend war auch der private Konsum bis zum Jahr 2015 rückläufig, konnte sich 2016 stabilisieren und ist 2017 und 2018 wieder angestiegen.

Weiter wachsende Stadtwirtschaft
Die Preise für Wiener Immobilien sind in den letzten Jahren enorm angestiegen und laut Berechnungen der Österreichischen Nationalbank (Stand 2018) um 20 % überbewertet. Die Problematik besteht darin, dass die EigentümerInnen ihre Anschaffungskosten durch höhere Mieten hereinbekommen möchten, die wiederum für private Haushalte immer weniger leistbar werden. ExpertInnen sind sich darüber uneins, ob eine Immobilienblase bevorsteht, etliche von ihnen sehen derzeit keine vergleichbar dynamische Entwicklung, wie sie etwa während der Finanzkrise in den USA oder Spanien zu beobachten war.

Nach dem fortgesetzten Aufwärtstrend im Jahr 2017 wies die Wiener Wirtschaft im ersten Halbjahr 2018 ein reales Wachstum von 2,6 % auf, für das gesamte Jahr wurde im Dezember 2018 ein Wachstum von 2,5 % erwartet. Dieses Wachstum hängt auch mit der wachsenden internationalen Nachfrage und den gestiegenen Exporten zusammen. ExpertInnen des WIFO schätzen, dass sich das Wirtschaftswachstum im Jahr 2019 (Prognose: 1,8 %) gegenüber 2018 abschwächen wird.
 

Wirtschaftsstruktur

Angesichts des hohen Modernisierungs- und Effizienzdrucks hat sich Wien in den letzten 30 Jahren im Vergleich zu ähnlichen Städten massiv gewandelt: Seit Beginn der 1990er Jahre hat sich die Wirtschaftsstruktur in Wien deutlich rascher verändert als der Durchschnitt der europäischen Großstädte. Angesichts des hohen Modernisierungs- und Effizienzdrucks hat sich Wien in den letzten 30 Jahren im Vergleich zu ähnlichen Städten massiv gewandelt: Seit Beginn der 1990er Jahre hat sich die Wirtschaftsstruktur in Wien deutlich rascher verändert als der Durchschnitt der europäischen Großstädte. Angesichts des hohen Modernisierungs- und Effizienzdrucks hat sich Wien in den letzten 30 Jahren im Vergleich zu ähnlichen Städten massiv gewandelt: Seit Beginn der 1990er Jahre hat sich die Wirtschaftsstruktur in Wien deutlich rascher verändert als der Durchschnitt der europäischen Großstädte. Dominiert wird sie zunehmend vom Dienstleistungsbereich sowie von technologie- und humankapitalintensiven Aktivitäten. Vor allem in den wissensintensiven Dienstleistungen, etwa in der Informationstechnologie, hat die Stadt – bei abnehmender Bedeutung der höher technologisierten Industrie – seit Mitte der 1990er Jahre stark zugelegt. Damit hat Wien die Entwicklung von einer Industriegesellschaft hin zu einer Informations- und Kommunikationsgesellschaft mit insgesamt rund 830.000 Beschäftigten (Stand 2016) vollzogen.

Dynamische Dienstleistungen
Der industrielle Sektor liegt mittlerweile mit einem Beschäftigungsanteil von 14,5 % deutlich unter dem Österreichdurchschnitt (27,7 %). In Gewerbe und Handwerk sind 24,6 % der unselbstständig Erwerbstätigen in Wien beschäftigt. (Stand 2016)

Etwa 85,5 % der Erwerbstätigen sind im tertiären Sektor beschäftigt, womit Wien deutlich über dem österreichischen Schnitt von 71 % liegt. Mit einem Anteil von 83 % an der regionalen Bruttowertschöpfung ist dies auch der bedeutendste Wirtschaftssektor. Wissensintensive, unternehmensnahe Dienstleistungen bildeten bis Ende 2014 das dynamischste Segment des Sektors. Seit damals hat sich das Beschäftigungswachstum des tertiären Sektors verlangsamt, soll sich allerdings laut einer Prognose des AMS bis 2020 auf einen Wien weiten Beschäftigungsanteil von 87,2 % erhöhen.

Die Beschäftigung in der Land- und Forstwirtschaft ist geringfügig angestiegen, der primäre Sektor liegt mit einem Anteil von nur 0,03 % an Wiens Beschäftigung allerdings deutlich unter Österreichs sinkendem Durchschnitt von 1,2 %.

Unterteilt nach der Anzahl der Beschäftigten, halten sich die verschiedenen Unternehmensgrößen die Waage: 33,7 % der unselbstständig Beschäftigten sind in Großunternehmen (ab 250 Personen) tätig, 23,8 % in mittleren (50-249), 24,3 % in kleinen (10-49) und 18,2 % in Kleinstbetrieben (1-9).

Siehe dazu auch: Arbeitsmarktprofil Wien 2017:
http://www.arbeitsmarktprofile.at/9/index.html
Dominiert wird sie zunehmend vom Dienstleistungsbereich sowie von technologie- und humankapitalintensiven Aktivitäten. Vor allem in den wissensintensiven Dienstleistungen, etwa in der Informationstechnologie, hat die Stadt – bei abnehmender Bedeutung der höher technologisierten Industrie – seit Mitte der 1990er Jahre stark zugelegt. Damit hat Wien die Entwicklung von einer Industriegesellschaft hin zu einer Informations- und Kommunikationsgesellschaft mit insgesamt rund 830.000 Beschäftigten (Stand 2016) vollzogen.

Dynamische Dienstleistungen
Der industrielle Sektor liegt mittlerweile mit einem Beschäftigungsanteil von 14,5 % deutlich unter dem Österreichdurchschnitt (27,7 %). In Gewerbe und Handwerk sind 24,6 % der unselbstständig Erwerbstätigen in Wien beschäftigt. (Stand 2016)

Etwa 85,5 % der Erwerbstätigen sind im tertiären Sektor beschäftigt, womit Wien deutlich über dem österreichischen Schnitt von 71 % liegt. Mit einem Anteil von 83 % an der regionalen Bruttowertschöpfung ist dies auch der bedeutendste Wirtschaftssektor. Wissensintensive, unternehmensnahe Dienstleistungen bildeten bis Ende 2014 das dynamischste Segment des Sektors. Seit damals hat sich das Beschäftigungswachstum des tertiären Sektors verlangsamt, soll sich allerdings laut einer Prognose des AMS bis 2020 auf einen Wien weiten Beschäftigungsanteil von 87,2 % erhöhen.

Die Beschäftigung in der Land- und Forstwirtschaft ist geringfügig angestiegen, der primäre Sektor liegt mit einem Anteil von nur 0,03 % an Wiens Beschäftigung allerdings deutlich unter Österreichs sinkendem Durchschnitt von 1,2 %.

Unterteilt nach der Anzahl der Beschäftigten, halten sich die verschiedenen Unternehmensgrößen die Waage: 33,7 % der unselbstständig Beschäftigten sind in Großunternehmen (ab 250 Personen) tätig, 23,8 % in mittleren (50-249), 24,3 % in kleinen (10-49) und 18,2 % in Kleinstbetrieben (1-9).

Siehe dazu auch: Arbeitsmarktprofil Wien 2018
 

Wichtige Branchen

Als Bundeshauptstadt ist Wien das administrative Zentrum Österreichs und daher stellt die öffentliche Verwaltung den beschäftigungsintensivsten Bereich dar. Überdurchschnittlich viele Beschäftigte finden sich zudem in den Bereichen Wirtschaftsdienste und Information und Kommunikation sowie im Finanz- und Versicherungswesen. Nach der öffentlichen Verwaltung verfügt der Bereich Handel (inkl. Instandhaltung und Reparatur von Kfz) mit rund 108.382 über die meisten Beschäftigten. (Stand 2018) Nach einem Rückgang aufgrund diverser Insolvenzen in den Jahren 2014 und 2015 sowie einer Stabilisierung 2016 und 2017, sind die Beschäftigungszahlen im Wiener Handel 2018 um 1,5 % angestiegen. Besonders stark ist die Zahl an Männern (+2 %) angestiegen, die im Wiener Einzelhandel tätig sind.

Im Bereich Erziehung und Unterricht entfällt über ein Drittel der rund 96.000 österreichweit Beschäftigten auf Wien. Viele Beschäftigungsverhältnisse finden sich auch im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen. Dort werden laut Berechnungen des WIFO die höchsten Beschäftigungszuwächse erwartet.

Nächtigungszuwachs und gesunkene Aufenthaltsdauer
Wien ist weltweit als Kultur-, Tourismus- und Kongressstadt bekannt und gehört in Österreich zu den tourismusintensivsten Regionen. Die Tourismusbranche generiert etwa 10 % der regionalen Wertschöpfung. Der Städtetourismus ist hier keinen großen saisonalen Schwankungen ausgesetzt, weshalb auch das Beschäftigungsniveau im Beherbergungs- und Gaststättenwesen im Jahresverlauf stabiler bleibt.

Laut Bericht des WIFO ist der Wiener Tourismus im ersten Halbjahr 2018 (+3,8 %) ähnlich gewachsen wie im Jahr 2017 und damit etwas weniger als in den Jahren zuvor. In den ersten neun Monaten im Jahr 2018 fiel der Anstieg an Nächtigungen in Wien mit 4,1 % niedriger aus, als die Zahl der Gästeankünfte (+4,3 %). Dies hängt damit zusammen, dass die Aufenthaltsdauer von TouristInnen um 0,5 % auf durchschnittlich 2,2 Nächte gesunken ist. In diesem Zeitraum haben private AnbieterInnen über Buchungsplattformen – z.B. AirBnB – ihre Nächtigungen abermals um fast die Hälfte steigern können. In den letzten Jahren hatte die Branche mit einem weiteren negativen Trend zu kämpfen: Trotz des Zuwachses an Übernachtungen sind die Nebenausgaben (dazu zählen u.a. Gastronomie, Kulturangebote und Souvenirs) im Wiener Tourismus gesunken. Parallel zu diesen Entwicklungen ist die Beschäftigung in den Kernbereichen der Tourismuswirtschaft – der Beherbergung und der Gastronomie – im Oktober 2018 gegenüber dem Vorjahr um 3,4 % zurückgegangen.
 

Innovative Branchen und Bereiche

Innerhalb Österreichs stellt Wien das Zentrum für Forschung und Entwicklung (F&E) dar. Die F&E-Quote, die die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Relation zur (regionalen) Wirtschaftsleistung beschreibt, lag in Wien im Jahr 2015 bei 3,62 % des Bruttoregionalproduktes (BRP). (Stand 2019) Nach der Steiermark (5,14 %) verbucht Wien in Österreich (3,05 %) damit anteilsmäßig die höchsten Ausgaben in F&E, nominell sogar die weitaus höchsten. Über ein Drittel der österreichischen Beschäftigten (22.739) in Forschung und Entwicklung waren 2015 in Wien tätig. Der Bereich Forschung – inklusive technischer und freiberuflicher Tätigkeiten – gehört laut WIFO im Prognosezeitraum bis 2020 zu den dynamischsten Beschäftigungsgruppen im Dienstleistungsbereich.

Besonders stark entwickeln sich in Wien die Life Sciences (Biotechnologie, Pharma oder Medizintechnik), die Informations- und Kommunikationstechnologien, die Creative Industries (wirtschaftliche Nutzung von Kunst und Kultur) und der Automotive-Sektor (mit Themen wie Mobilität, Verkehr und Fahrzeugtechnologien). So genannte Cluster vernetzen in diesen Bereichen Unternehmen, öffentliche Organisationen sowie F&E- und Bildungseinrichtungen. Mittlerweile sind über 17.000 und damit 18,2 % der Betriebe aller in Wien ansässigen Betriebe in der Kreativwirtschaft tätig, vor allem aber in der darstellenden Kunst (u.a. Schriftstellerei, Tanzschule, Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen). 69.106 Beschäftigte (Stand: 2015) finden sich in diesem wachsenden Zweig wieder, der sich zunehmend auch im Export engagiert.

Life Science und IT-Cluster
Wien ist der größte Life-Science Standort Österreichs: 500 Unternehmen beschäftigen in diesem Industriezweig 37.500 MitarbeiterInnen. Der Großteil dieser Unternehmen ist in Forschung und Entwicklung, Produktion sowie als Zulieferer, Dienstleister und im Verkauf in den Bereichen Biotechnologie & Pharma und Medizintechnik tätig.

Die rund 5.300 Wiener IT-Unternehmen erwirtschaften jedes Jahr über 20 Milliarden Euro Umsatz und machen die Bundeshauptstadt zur drittgrößten IT-Metropole Europas. Die Beschäftigung der IT-Branche ist 2018 wie in den Jahren zuvor angestiegen, in der dienstleistenden IT um 15,6 %. Dieser Trend wird sich laut ExpertInnen des WIFO auch in den nächsten Jahren fortsetzen.

Industrie 4.0 und öffentlicher Verkehr
Die Seestadt Aspern, die seit 2009 auf dem ehemaligen Flugplatz in der Donaustadt errichtet wird, ist Schauplatz stadtplanerischer Innovationen. U-Bahn- und Busnetz sowie Fahrradwege sind hier bereits ausgeweitet worden, um den Autoverkehr zu reduzieren. Außerdem sollen im größten Stadtentwicklungsgebiet Wiens bis 2028 nicht nur 20.000 Menschen zuziehen – bislang sind es etwa 7.000 – sondern auch ebenso viele Arbeitsplätze geschaffen werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Forschung und Entwicklung in den Bereichen Energie und Umwelt, Technik, Soziales und Gesundheit. Die technische Universität etwa hat hier 2015 die „Industrie 4.0-Pilotfabrik“ eröffnet, um neue Produktionsverfahren für die Industrie zu entwickeln.

Der öffentliche Verkehr Wiens nimmt im Vergleich zum Rest von Österreich einen hohen Stellenwert ein: 39 % der Fahrten in Wien sind dem öffentlichen Verkehr zuzuordnen, seit dem Jahr 1993 hat sich dieser Wert um 10 % erhöht. Wien hat außerdem die geringste PKW-Dichte aller Landeshauptstädte: 370,9 Autos pro 1000 EinwohnerInnen. Nach dem fertigen Ausbau der U-Bahnlinie U1 2017 wird die Linie U2 ab 2018 verlängert bzw. umgeleitet, während die neue U5 ab 2030 vollautomatisch unterwegs sein wird.
 

Beschäftigung, Arbeitsmarkt- und Qualifikationsentwicklung

Die Beschäftigung hat im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr um 2,3 % zugenommen, das ist der höchste Zuwachs seit Beginn der 1990er Jahre. Gleichzeitig hat sich die Arbeitslosenquote 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 % verringert, weil die Nachfrage nach Arbeitskräften stärker gewachsen ist als das Angebot. Dennoch lag die Arbeitslosenquote 2018 mit 12,3 % deutlich über dem österreichischen Durchschnitt von 8,5 %. Männer (13,3 %) waren 2017 stärker von Arbeitslosigkeit betroffen waren als Frauen (11,2 %). Auch beim Beschäftigungswachstum lag der Wert von Männern (2,3 %) etwas höher als der von Frauen (1,3 %). Für das Jahr 2019 schätzen ExpertInnen des WIFO, dass sich die Arbeitslosenquote in Wien insgesamt um 0,4 % verringern wird. Bis 2020 soll sich laut ExpertInnen die Beschäftigung von Frauen auf einen Anteil von 49,2 % an der Gesamtbeschäftigung erhöhen, der damit deutlich über dem österreichischen Schnitt liegen würde. Diese erwarteten Beschäftigungszuwächse gehen mit einem strukturellen Wandel hin zur Teilzeitbeschäftigung einher.

Wachsender Bedarf im Sozial- und Bildungswesen
Während die Beschäftigung bei handwerklichen Tätigkeiten, Produktionsberufen in der Industrie und Hilfstätigkeiten im Sachgüterbereich zurückgehen, wächst die Branchengruppe der unternehmensbezogenen Dienstleistungen (z.B. Arbeitskräfteüberlassung, Informationstechnologie und -dienstleistung) stark.

Durch den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen ist der Bereich der Elementarpädagogik stark angewachsen. Aufgrund der großen Nachfrage ist nicht nur die Zahl an städtisch betriebenen, sondern auch die der privaten Kindergärten und privaten Kindergruppen (Stand 2017: ca. 600 in Wien) gestiegen. Laut einer Prognose des AMS sollen bis 2023 insgesamt zusätzlich 7.900 pädagogische Fachkräfte in Kindergärten und Schulen eine Beschäftigung erhalten. Bei der Wiener Polizei sollen, laut Angaben des Innenministeriums, bis 2022 abzüglich Pensionierungen 1300 neue Polizeijobs entstehen.

Qualifikationstrends
Die Berufsbildung nimmt in Wien einen vergleichsweise geringen Stellenwert ein. Das zeigt sich u.a. an den Zahlen der LehrabsolventInnen: Nur 22,7 % der WienerInnen verfügen über einen solchen, in Gesamtösterreich sind es 37,4 %. Seit dem Jahr 2016 hat sich die Zahl der Lehrlinge in Wien dafür auf 16.899 erhöht. Der Anteil an AkademikerInnen ist dagegen höher: 27,8 % der Frauen und 23,9 % der Männer weisen einen Hochschul- oder Kollegabschluss vor. Mit 172.850 Studierenden an öffentlichen Universitäten, 15.330 an Fachhochschulen und 5.974 an privaten Universitäten (Stand 2017/18) ist Wien nicht nur die größte Universitätsstadt Österreichs, sondern auch des deutschsprachigen Raums.

Die Berufsstruktur in Wien ist deshalb stärker als in anderen Bundesländern von höher qualifizierten Tätigkeiten geprägt. Das AMS prognostiziert bis zum Jahr 2023, dass die Beschäftigung in akademischen Berufen jährlich um 3 % zunehmen wird. Auch vom WIFO wird die stärkste Beschäftigungsdynamik für Berufe prognostiziert, zu deren Ausübung typischerweise die Matura erforderlich ist. Vor allem für AbsolventInnen von Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) und Fachhochschulen gibt es gute Beschäftigungschancen. Besonders gefragte Studienrichtungen sind Informationstechnologie, Elektrotechnik und Maschinenbau.

Für Arbeitskräfte in Wien auf mittlerem Qualifikationsniveau sagt das AMS ein jährliches Wachstum von 1,1 % vorher. Den größten Zuwachs erwartet man bei Fachkräften im Gesundheits- und Sozialwesen, insbesondere Gesundheitsfachkräften, für die im Prognosezeitraum bis 2023 18.300 neue Stellen geschaffen werden sollen. Ein Rückgang ist auf diesem Qualifikationsniveau vor allem bei Anlagen- und MaschinenbedienerInnen zu erwarten. Während laut Fachkräfteradar des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft in vielen Berufen, etwa bei Bau- und MöbeltischlerInnen, vor allem in westlichen Bundesländern ein Fachkräftemangel verortet wird, finden sich in Wien in diesen Berufen häufig mehr arbeitslose Personen als zu besetzende Stellen wieder.

Hilfskräfte sind in Wien bis 2023 am stärksten mit Beschäftigungsrückgängen konfrontiert. Das betrifft besonders Männer dominierte Tätigkeiten wie die von Hilfskräften im Bereich Produktion, Transport und Lagerei (-2.800).
 

Nachfragetrends nach Berufsbereichen

Der Berufsbereich „Handel, Transport, Verkehr“ konnte laut Inseratenanalyse des Arbeitsmarktservice (AMS) Österreichs 2015 im Vergleich zum Jahr 2014 sowohl die in Printmedien (+1.897) als auch die beim AMS geschalteten (+352) offenen Stellenanzeigen in Wien deutlich erhöhen. Auch bei „Bau, Baunebengewerbe, Holz, Gebäudetechnik“ sind mehr Stellen (Print: +849, AMS: +220) inseriert worden. Sehr unterschiedlich haben sich die Zahlen der Ausschreibungen in den Bereichen „Büro, Marketing, Finanz, Recht, Sicherheit“ (Print: -3.713, AMS: +817) und „Tourismus, Gastgewerbe, Freizeit“ (Print: -1.512, AMS: +1.533) entwickelt.

Nachfrage der Berufsbereiche basierend auf der Inseratenanalyse (Wien)

Nachfrage der Berufsbereiche basierend auf der Inseratenanalyse (Wien)
Berufsbereiche Arbeitskräfte-Nachfrage
aktuell im eJob-Room 2017 Veränderung 2017-2016
  Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS-Stellen Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS-Stellen
zwei Pfeile nach rechtsBüro, Marketing, Finanz, Recht, Sicherheit 1.558 29.129 16.225 -1.420 +2.130
zwei Pfeile nach rechtsHandel, Logistik, Verkehr 1.895 9.333 26.291 -905 +2.927
zwei Pfeile nach rechtsElektrotechnik, Elektronik, Telekommunikation, IT 1.483 18.364 7.796 +475 +1.398
zwei Pfeile nach rechtsTourismus, Gastgewerbe, Freizeit 1.075 6.662 16.860 -305 +1.842
zwei Pfeile nach rechtsSoziales, Gesundheit, Schönheitspflege 908 4.775 9.521 +23 +142
Quelle: AMS-Qualifikations-Barometer. Berufsbereiche mit den meisten offenen Stellen bzw. mit dem höchsten Inserateaufkommen im Bundesland.


Laut den Top 10 der dynamischen Berufe der AMS-Betriebsbefragung 2013/2014, einer jedes zweite Jahr durchgeführten, breit angelegten Unternehmensbefragung, zeigt sich, dass der Bedarf insbesondere an Berufen aus dem Bau-Bereich steigt: TiefbauerIn, Baugeräte- und KranführerIn sowie BaupolierIn finden sich unter den besonders dynamischen Berufen. Die dynamische Nachfrage nach PersonalverrechnerIn (Platz 1) bestätigt, zusammen mit zwei weiteren Büro-Berufen (Büro- und Versicherungskaufleute) die besondere Bedeutung des Büro- und Wirtschaftsbereichs für Wien. Gesundheit und Soziales sind zwar nicht unter den Berufsbereichen mit besonders hoher Stellennachfrage, Arzt/Ärztin wird jedoch als besonders dynamisch ausgewiesen. Aus dem Hotel- und Gastgewerbe erweist sich der Beruf Koch, Köchin als besonders gefragt.

Dynamische Berufe laut AMS-Großbetriebsmonitoring

Dynamische Berufe laut AMS-Großbetriebsmonitoring
  Berufe DynamikAktuell
online
1 zwei Pfeile nach rechtsArzt/Ärztin für Allgemeinmedizin 3,00  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
2 zwei Pfeile nach rechtsBaupolierIn 3,00  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
3 zwei Pfeile nach rechtsPersonalverrechnerIn 3,00  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
4 zwei Pfeile nach rechtsVersicherungskaufmann/-frau 3,00  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
5 zwei Pfeile nach rechtsKraftfahrzeugtechnikerIn 3,00  gleichbleibend AMS Funkmaus
6 zwei Pfeile nach rechtsKran- und BaumaschinenführerIn 3,00  gleichbleibend AMS Funkmaus
7 zwei Pfeile nach rechtsTiefbauerIn 3,00  gleichbleibend AMS Funkmaus
8 zwei Pfeile nach rechtsAllgemeineR HilfsarbeiterIn 2,50  gleichbleibend AMS Funkmaus
9 zwei Pfeile nach rechtsKoch/Köchin 2,33  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
10 zwei Pfeile nach rechtsBürokaufmann/-frau 2,09  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
Quelle: AMS-Betriebsbefragung 2013/14, Wien. Dynamik > 2 dynamische, < 2 stagnierende Entwicklung. AMS-Qualifikations-Barometer, Trend-Bewertung für Gesamt-Österreich