BUNDESLÄNDERINFORMATIONEN

TRENDS IM BUNDESLAND

Vorarlberg

Das wirtschaftliche Umfeld

Das westlichste Bundesland Österreichs zeichnet sich durch die Nähe zu wirtschaftsstarken Ländern wie Deutschland, Liechtenstein und Schweiz aus. Die wichtigsten europäischen Metropolen (z.B. Zürich und München) sind in zwei Fahrstunden erreichbar. Noch dazu hat Vorarlberg einen Anteil an der Wirtschaftsregion Bodensee, die eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen Europas ist. Dadurch ergeben sich für Vorarlberg wertvolle internationale Kooperations- und Forschungsmöglichkeiten, und es erschließen sich kaufkräftige Absatzmärkte.

Die Zunahme des Bruttoregionalprodukts (Gesamtheit aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr in einem Bundesland erstellt werden) wird in Vorarlberg 2018 voraussichtlich + 3 % betragen und damit und über dem Österreichniveau von 2,8 % liegen. Die Vorarlberger Wirtschaftsstruktur zeichnet sich durch besonders hohe Anteile des industriell-gewerblichen Sektors, der Landwirtschaft und des Tourismus aus. Die Industrie konnte von Jänner bis November 2018 ein Produktionsplus von 4 % erreichen, wobei sich die Metallindustrie gut entwickelte, hingegen der Maschinenbau stark rückläufig war. Vorarlberg konnte mit einem Plus von 8,8 % in der Bauwirtschaft von Jänner bis November 2018 das stärkste Wachstum im Bundesländervergleich vorweisen, wobei besonders der Hochbau mit + 12,5 % einen starken Aufwärtstrend zu verzeichnen hatte. Die Nächtigungszahlen haben in der Sommersaison um + 1,2 % nur leicht zugenommen, von November 2018 bis Jänner 2019 waren sie mit - 0,1 % sogar rückläufig. Im Jänner sind die Einzelhandelsumsätze mit 1,2 % stärker gestiegen als in Gesamtösterreich (+ 0,5 %).
 

Wirtschafts- und Produktivitätsniveau

Das Vorarlberger Bruttoregionalprodukt pro EinwohnerIn lag 2017 mit 107 % über dem Österreichdurchschnitt, was Rang vier unter den österreichischen Bundesländern bedeutet. 2017 betrug das BRP pro EinwohnerIn 44.900 Euro (Österreichschnitt: 42.100 Euro). Auch die Produktivität Vorarlbergs (BRP pro Erwerbstätiger/Erwerbstätigem) war 2017 überdurchschnittlich hoch: Sie lag im Vergleich zum Österreichschnitt bei 108 %.

Zwischen den Regionen Vorarlbergs waren 2016 beim Wirtschaftsniveau enorme Unterschiede zu beobachten. Dabei fällt auf, dass die Region Bludenz-Bregenzer Wald mit einem Bruttoregionalprodukt pro EinwohnerIn von rund 117 % im Vergleich zum österreichischen Durchschnittswert deutlich besser abschnitt als die Region Rheintal-Bodenseegebiet. Hier lag das Bruttoregionalprodukt pro EinwohnerIn bei rund 105 %. Auch bei der Produktivität lag die Region Bludenz-Bregenzer Wald mit 113 % deutlich über dem österreichischen Durchschnitt, die Region Rheintal-Bodenseegebiet lag bei 108 %.

Die Kaufkraft, das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte je EinwohnerIn, wird für 2018 in Vorarlberg mit 24.093 Euro prognostiziert und ist damit die zweitstärkste Kaufkraft im Bundesschnitt.
 

Wirtschaftsstruktur

Die Industrie und der Dienstleistungsbereich, letzterer insbesondere in Form der Tourismuswirtschaft, prägen die Vorarlberger Wirtschaftsstruktur. Der Anteil des produzierenden Bereichs an der Bruttowertschöpfung lag 2017 mit 38,4 % deutlich höher als im gesamtösterreichischen Vergleich (28,3 %). Der Dienstleistungssektor lag hingegen mit einem Wertschöpfungsanteil von 61,1 % unter dem österreichischen Vergleichswert von 70,3 %. Auch der primäre Sektor blieb mit 0,5 % unter dem österreichischen Durchschnitt (1,3 %). Innerhalb der einzelnen Sektoren weist Vorarlberg einige Unterschiede im Vergleich mit Gesamtösterreich auf: Im Bereich der wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Dienstleistungen ist die Bruttowertschöpfung in Vorarlberg wesentlich geringer als in Gesamtösterreich (10,2 % zu 22,9 %), ebenso in der Informations- und Kommunikationsbranche (2 % zu 8,2 %). In der Beherbergung und Gastronomie liegt die Bruttowertschöpfung Vorarlbergs jedoch über dem Österreichniveau (12 % zu 7,8 %; alle Zahlen von 2016).

Bei den Beschäftigungsanteilen zeigt sich dasselbe Bild. Der Anteil der Erwerbstätigen lag im primären Sektor und tertiären Sektor unter dem Österreichniveau (2,2 % zu 3,7 % und 61,6 % zu 70,9 %). Im sekundären Sektor lag der Anteil mit 36,2 % um mehr als ein Prozent über dem Österreichdurchschnitt (25,4 %). (Stand 2018)

Siehe dazu auch:
Arbeitsmarktprofil Vorarlberg 2018
 

Wichtige Branchen

Auch in Bezug auf die unselbständige Beschäftigung zeigt sich die Dominanz des industriellen bzw. produzierenden Bereichs. Mit einem Anteil von 35,9 % der Beschäftigten ist auch hier die Industrie stärker vertreten als in Gesamtösterreich (24,8 %). Im Gegenzug liegt der ausgewiesene Beschäftigtenanteil für den Dienstleistungsbereich mit 62,4 % unter den 72,3 % in Österreich (Stand 2018).

Ein Vergleich der Wirtschaftsklassen (NACE 08) zeigt, dass am meisten Beschäftigte in produzierenden Betrieben („Herstellung von Waren“) tätig sind: Gut ein Viertel aller Beschäftigten (26,7 %) bzw. 44.321 Personen sind diesem Bereich zuzuordnen. Im Bauwesen arbeiten hingegen lediglich 6,7 % bzw. 11.106 Beschäftigte – fast ebenso viele wie im Gesundheits- und Sozialwesen (7,1 % bzw. 11.817 Personen) und in der Beherbergung und Gastronomie (6,8 % bzw. 11.295 Personen). Dazwischen befinden sich die Verwaltung („Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“) mit 14,1 % bzw. 23.417 Beschäftigten und der Handel („Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“) mit 13,6 % bzw. 22.661 Beschäftigten (Stand 2018).

Mit einer einzigen Ausnahme wiesen alle Wirtschaftsabschnitte 2018 einen Beschäftigungszuwachs auf. Den mit Abstand höchsten Beschäftigungszuwachs im Vergleich zu 2017 gab es in der Warenherstellung (+ 1.162 Beschäftigte). Auf Platz zwei und drei kommen die Verwaltung (+ 515 Beschäftigte) und “Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“ (+ 424 Beschäftigte).

Die Seilbahnbranche ist ein wichtiger Arbeitsgeber in Vorarlberg. Es gibt 2.823 direkte, davon 1.137 GanzjahresmitarbeiterInnen und 1.686 SaisonarbeiterInnen im Winter, und 8.800 indirekte Arbeitsplätze. Die Wertschöpfung beträgt 20 Millionen Euro Bruttolöhne und 2,3 Millionen Euro Sozialleistungen pro Jahr. (Stand 2014/2015)
 

Innovative Branchen und Bereiche

Vorarlberg hat 2015 mit 81,9 % den österreichweit höchsten betrieblichen Anteil an der Finanzierung von Forschung und Entwicklung. Dies zeigt sich auch in der zweithöchsten Innovationsquote (Anzahl der angemeldeten Patente pro 100.000 EinwohnerInnen): 32,6 % in Vorarlberg, 24,2 % in Österreich (Stand 2016).

Welche Branchen und Sektoren Vorarlbergs Innovationen initiieren, zeigt sich z.B. am von Land und Wirtschaftskammer vergebenen Innovationspreis. Dieser prämierte 2016 beispielsweise Projekte im Textilbereich und in der Elektro- und Metallindustrie.

Die Textilindustrie ist ein wichtiger Industriezweig, der ebenfalls durch Forschung und Entwicklung unterstützt wird. An der Universität Innsbruck wird im Bereich Textilforschung an der Herstellung zukunftsweisender Werkstoffe gearbeitet. In Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Unternehmen Skinfit wird z.B. intelligentere und modernere Outdoorkleidung entwickelt. Textilien finden auch in technischen Anwendungen Verwendung, z.B. als Verbundwerkstoffe in Flugzeugen, um diese leichter zu machen. Allgemein geht der Trend hin zu intelligenten Textilien. Dazu werden in die Kleidungsstücke elektronische Geräte eingearbeitet. Beispiele sind Schuhe, die die Schrittfrequenz messen und diese an eine App weiterleiten oder elektronische Geräte in T-Shirts, die die Herzfrequenz messen.

Die Elektro- und Metallindustrie ist eine innovative Branche in Vorarlberg. Zahlreiche Unternehmen kooperieren mit Schulen, Fachhochschulen und Universitäten. Diese Branche bietet v.a. TechnikerInnen gute Beschäftigungschancen. Es geht z.B. um die Entwicklung von Seilbahnen (Doppelmayr Seilbahnen GmbH) oder Steuerungssystemen.
 

Beschäftigung, Arbeitsmarkt- und Qualifikationsentwicklung

Die Zahl der Beschäftigten stieg in Vorarlberg im Jahresdurchschnitt 2018 um 2,4 % auf 166.284 Personen, wobei das Plus bei den Frauen (+ 2,6 %) höher war als bei den Männern (+ 2,3 %). Damit stieg die Beschäftigung genauso stark wie in Gesamtösterreich (+ 2,4 %). Die Erwerbsquote (wohnortbezogen) betrug 2018 73,6 % (Österreichwert: 76,2 %), wobei die der Frauen um ca. 8 % unter dem Österreichschnitt lag, hingegen die der Männer um 2,5 % über dem Österreichschnitt.

Durchschnittlich betrug die Arbeitslosigkeit 2018 in Vorarlberg 5,4 % (7,7 % österreichweit), was eine Abnahme gegenüber 2017 um 6,6 % bedeutet; Frauen: - 4,3 %; Männer: - 8,5 %. Insgesamt gab es 9.492 Arbeitslose, davon 1.323 Jugendliche bis 24 Jahre (- 5,3 %).

Der Beschäftigungsanteil im Dienstleistungsbereich wird bis 2023 auf 76,1 % steigen, die unselbstständige Beschäftigung auf 172.300 Personen (+ 1,5 % p.a.). Auch im Sachgüterbereich wird mit einem überdurchschnittlichen Beschäftigungszuwachs gerechnet: Mit + 1,4 % p.a. steht Vorarlberg das österreichweit größte Wachstum in diesem Wirtschaftsbereich bevor. Das in absoluten Zahlen stärkste Wachstum wird sich im .Gesundheits- und Sozialwesen. vollziehen, wo bis 2023 voraussichtlich 3.500 zusätzliche Stellen entstehen. Die Beschäftigung wird nur in der Textil- und Bekleidungsbranche, im Finanz-, Kredit- und Versicherungswesen sowie in der Nachrichtenübermittlung zurückgehen.

Der Vorarlberger Arbeitsmarkt ist geprägt von einer starken Fokussierung auf Berufe, die typischerweise eine mittlere Qualifikation (ISCO-Skill-Level 2 + 3) voraussetzen. 2016 waren 73,4 % der Beschäftigten diesem Qualifikationslevel zugeordnet (Österreich: 70,4 %). Dieser Anteil wird sich bis 2023 – trotz eines Beschäftigungszuwachses von 1,5 % p.a. – leicht verringern. Der Grund hierfür liegt im Trend zur Höherqualifizierung, welcher sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird.
 

Nachfragetrends nach Berufsbereichen

Nachfrage der Berufsbereiche basierend auf der Inseratenanalyse (Vorarlberg)

Nachfrage der Berufsbereiche basierend auf der Inseratenanalyse (Vorarlberg)
Berufsbereiche Arbeitskräfte-Nachfrage
aktuell 2018 Veränderung 2018-2017
  Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS eJob-Room-Inserate Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS eJob-Room-Inserate
zwei Pfeile nach rechtsHandel, Logistik, Verkehr 777 3.872 4.103 +505 +515
zwei Pfeile nach rechtsTourismus, Gastgewerbe, Freizeit 1.101 3.168 4.381 -75 +385
zwei Pfeile nach rechtsBüro, Marketing, Finanz, Recht, Sicherheit 237 5.067 1.918 +424 +160
zwei Pfeile nach rechtsMaschinenbau, Kfz, Metall 508 2.447 2.835 +222 +385
zwei Pfeile nach rechtsElektrotechnik, Elektronik, Telekommunikation, IT 339 3.145 1.504 +461 +102
Quelle: AMS-Qualifikations-Barometer. Berufsbereiche mit dem höchsten Inserateaufkommen im Bundesland.
In der AMS-Betriebsbefragung 2013/14 wurde von den befragten Unternehmen dem Beruf ZerspanungstechnikerIn die mit Abstand größte Aufwärtsdynamik (2,64) vorhergesagt. Ein weiterer Beruf des Bereichs „Maschinen, Kfz und Metall“ findet sich mit SchlosserIn im Metallbereich (2,42) auf Platz drei. Die Bedeutung dieses Bereichs in Vorarlberg zeigt sich auch bei der Betrachtung der unselbständig Beschäftigten nach Wirtschaftsabteilungen: Mit 12.794 unselbständig Beschäftigten liegt die „Herstellung von Metallerzeugnissen“ an dritter Stelle. Bezogen auf die Anzahl der offenen Stellen liegt der Berufsbereich „Maschinenbau, Kfz, Metall“ an vierter Stelle mit 2.093 Stellen im Jahr 2017 (laut einer Auswertung von Online-Inseraten, exkl. AMS-eJob-Room), wobei es 187 offene Stellen mehr gab als 2016. Auch die AMS-Stellen haben um 614 zugenommen. Der Metallerzeugung wird bis 2023 ein überdurchschnittlicher Beschäftigungszuwachs von 2,4 % prognostiziert (Gesamtentwicklung: 1,5 %).

Ansonsten wird v.a. Berufen der Bau- und Tourismusbranche eine positive Beschäftigungsdynamik prognostiziert: Unter den TOP 10 befinden sich mit MaurerInnen, Zimmerern/Zimmerinnen und TischlerInnen insgesamt drei Berufe der Baubranche; mit Köchen/Köchinnen und Restaurantfachleuten insgesamt zwei Berufe der Tourismusbranche. Im Bereich „Tourismus, Gastgewerbe, Freizeit“ gab es 2017 2.964 offene Stellen (laut einer Auswertung von Online-Inseraten (exkl. AMS-eJob-Room)) und eine Zunahme von 58 Stellen von 2016 auf 2017. Die AMS-Stellen haben um 487 zugenommen. Im Bereich Beherbergung und Gastronomie wird bis 2023 ein überdurchschnittlicher Beschäftigungszuwachs von 2,4 % prognostiziert, hingegen im Bauwesen ein unterdurchschnittliches Beschäftigungswachstum von 0,3 % (Gesamtentwicklung: 1,5 %).

Dynamische Berufe laut AMS-Großbetriebsmonitoring

Dynamische Berufe laut AMS-Großbetriebsmonitoring
  Berufe DynamikAktuell
online
1 zwei Pfeile nach rechtsZerspanungstechnikerIn 2,64  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
2 zwei Pfeile nach rechtsMaurerIn 2,44  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
3 zwei Pfeile nach rechtsSchlosserIn im Metallbereich 2,42  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
4 zwei Pfeile nach rechtsDipl. Gesundheits- und KrankenpflegerIn 2,29  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
5 zwei Pfeile nach rechtsZimmerer/Zimmerin 2,27  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
6 zwei Pfeile nach rechtsTischlerIn 2,25  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
7 zwei Pfeile nach rechtsReinigungstechnikerIn 2,18  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
8 zwei Pfeile nach rechtsKoch/Köchin 2,14  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
9 zwei Pfeile nach rechtsRestaurantfachmann/-frau 2,11  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
10 zwei Pfeile nach rechtsBerufskraftfahrerIn in der Güterbeförderung 2,09  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
Quelle: AMS-Betriebsbefragung 2013/14, Vorarlberg. Dynamik > 2 dynamische, < 2 stagnierende Entwicklung. AMS-Qualifikations-Barometer, Trend-Bewertung für Gesamt-Österreich. Berufe mit mindestens 10 Nennungen.