Prognose von 2009
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Tirol
 
Wirtschaftsniveau

Das Wirtschaftsniveau liegt in Tirol mit 105% über dem Österreichdurchschnitt, wobei vor allem die Regionen Außerfern (112%), Innsbruck (111%) und Tiroler Oberland (105%) deutlich besser abschneiden. Osttirol liegt mit 76% hingegen unter dem Österreichdurchschnitt und stellt die ökonomisch schwächste Region in Tirol dar. Je EinwohnerIn lag das Bruttoregionalprodukt (BRP) 2011 bei 34.600 Euro und damit um 1.700 Euro höher als der Österreichdurchschnitt. Zwischen 2007 und 2009 wurde ein Anstieg des BRP von 1,1% verzeichnet – im Vergleich zur gesamtösterreichischen Entwicklung von +0,3%.
 
Wirtschaftsstruktur

Der Dienstleistungsbereich hat in Tirol besondere Bedeutung. Dies kann vor allem auf den Tourismus, der in Tirol verglichen mit den anderen Bundesländern am stärksten entwickelt ist, zurückgeführt werden. Die Bruttowertschöpfung des Dienstleistungsbereichs liegt in Tirol mit 72% knapp über dem Österreichdurchschnitt, wobei vor allem das Beherbergungs- und Gaststättenwesen sowie der Handel hohe Beschäftigtenzahlen aufweisen. Hingegen liegt der Anteil der Industrie mit 27% knapp unter dem Österreichwert von 28%. Beim primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei) entspricht Tirol weitestgehend dem gesamtösterreichischen Bild.

Eine etwas andere Perspektive der Wirtschaftsstruktur Tirols ergibt sich, wenn man den Fokus auf die Beschäftigung legt. Dabei ist der primäre Sektor mit 6% der Tiroler Beschäftigten im Vergleich zur Wirtschaftsleistung laut Bruttowertschöpfung anteilsmäßig stärker vertreten. Entsprechend geringer ist im Vergleich der Anteil der Industrie (23%) und des Dienstleistungsbereichs (71%), wobei diese damit durchwegs dem österreichischen Durchschnitt entsprechen.

Die größten Unternehmen sind den Branchen Herstellung von Waren aus Glas, Steinen und Erden, Herstellung von chemischen Erzeugnissen, Holzbearbeitung und -verarbeitung oder der Bauwirtschaft zuzurechnen.


Siehe dazu auch: Arbeitsmarktprofil Tirol 2011
 
Arbeitsmarktentwicklung

Die unselbständige Beschäftigung legte in Tirol von 2010 auf 2011 um 1,5% zu und lag damit leicht unter dem Österreichdurchschnitt (+ 1,8%), und zwar bei Frauen und Männern im gleichen Ausmaß. Alle drei Wirtschaftssektoren hatten an dieser positiven Entwicklung ihren Anteil. In weiterer Folge waren im Jahr 2011 in Tirol laut den Hauptverbandsdaten der Österreichischen Sozialversicherungsträger 301.092 unselbständig Beschäftigte registriert, 46,8% davon Frauen und rund 16% ausländische Arbeitskräfte. Die Erwerbsquote betrug 2011 74,9% (Österreichwert 73,6%), wobei jene der Frauen 71,2% und jene der Männer 78,4% ausmachte. Tirol weist einen relativ geringen Anteil an Ein- und AuspendlerInnen auf, da die Pendelwanderungen vor allem innerhalb Tirols stattfinden.

Die Arbeitslosigkeit lag 2011 mit 5,9% unter dem österreichischen Durchschnitt von 6,7%. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies eine Abnahme von 2,3%, wobei der Rückgang vor allem die Männer betraf (-5,1%), die Zahl der arbeitslosen Frauen hingegen um 0,9% anstieg. Im Juli 2012 betragen die Vergleichsdaten allerdings plus 901 oder 7,2% an vorgemerkten arbeitslosen Personen im Vergleich zum Vorjahresmonat, was eine Arbeitslosenquote von 4,1% ausmacht. Dieser Anstieg der Arbeitslosigkeit zieht sich durch alle Altersgruppen. Bei den älteren Personen ab 50 gab es mit +9,0% oder +221 den größten Zuwachs, gefolgt von den 20- bis 24-Jährigen mit +8,0% oder +140 Personen. Bei den 25- bis 49-Jährigen war ein Anstieg von +6,6% oder +513 zu beobachten, bei den 15-bis 19-Jährigen ist ein Plus von 4,9% oder +27 festzustellen.

Betrachtet man die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Berufsbereichen, so sind im Juli 2012 im Vergleich zum Vorjahresmonat die massivsten Anstiege nach Wirtschaftsabschnitten in der Beherbergung und Gastronomie (+187 oder +7,5 %), bei der Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (+163 oder +12,9 %), im Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (+162 oder +7,7 %) sowie im Bau (+72 oder +10,2 %) zu beobachten. Eine weitere Perspektive stellt jene nach Berufsgruppen dar. Dabei sind die markantesten Anstiege im Bereich Reinigung mit +208 oder +37,6%, im Fremdenverkehr mit +176 oder +7,5% und bei den Hilfsberufen mit +146 oder +10,4% feststellbar.

Nach Regionen betrachtet gab es den größten Anstieg in Kufstein mit +21,2% oder +322, gefolgt von Landeck (+8,7% oder +77), Kitzbühel (+8,3% oder +59), Innsbruck (+6,9% oder +392) und Imst (5,5% oder +53). Reutte verzeichnet einen Rückgang (-10,2% oder -40), ebenso Lienz (-0,9% oder -10).

Überdurchschnittlicher Beschäftigungszuwachs prognostiziert
Tirol gehörte in den letzten Jahren zu den wachstumsstärksten Bundesländern (Beschäftigungsentwicklung 2004-2010: +1,4% p. a., Österreich: +0,9% jährlich). Im Zeitraum 2010 bis 2016 wird sich zwar die Wachstumsdynamik in Tirol abschwächen, mit einem Beschäftigungszuwachs von durchschnittlich +1,1% jährlich aber nach wie vor über dem nationalen Wachstumspfad von +0,9% liegen. In absoluten Zahlen steigt damit die Beschäftigung bis 2016 um +18.500 Beschäftigungsverhältnisse auf ein Niveau von 305.800. Das prognostizierte Beschäftigungswachstum beinhaltet auch Teilzeitbeschäftigung. Der strukturelle Wandel begünstigt Wirtschaftsbereiche und Berufsgruppen mit hohem Teilzeitanteil. Die Teilzeitbeschäftigung wird österreichweit per Saldo für rund die Hälfte des Beschäftigungszuwachses verantwortlich sein.

Der Strukturwandel ist in Tirol rascher erfolgt als im gesamten Bundesgebiet. Die Beschäftigung im Sachgütersektor ist bereits in der jüngeren Vergangenheit wieder gewachsen – für den Prognosezeitraum wird ein marginaler Rückgang prognostiziert (Tirol: –0,1% p. a., Österreich: –0,4% jährlich). Die großen Beschäftigungszuwächse werden jedoch für den Dienstleistungsbereich prognostiziert, wo im Zeitraum 2010 bis 2016 +19.000 Beschäftigungsverhältnisse (+1,4%) geschaffen werden. Der Beschäftigungsanteil im tertiären Sektor steigt damit von 73,5% (2010) auf 75,3% (2016). Zu den Wachstumsbranchen im Dienstleistungsbereich zählen speziell die Überlassung von Arbeitskräften (+5,5% p.a.), die Informationstechnologie und -dienstleistungen (+4,0% p.a.), das Gesundheits- und Sozialwesen (+3,1% jährlich), die Rechts-, Steuer-, und Unternehmensberatung sowie die Forschung inklusive technischer und freiberuflicher Tätigkeiten (jeweils +3,0% p.a.).

Die Beschäftigung von Frauen wird um insgesamt +12.000 oder +1,4% jährlich steigen. Damit entfallen 65% des Tiroler Beschäftigungsanstiegs auf Frauen. Ihr Beschäftigungsanteil erhöht sich parallel dazu um 1,1 Prozentpunkte auf 47,5%. Die Frauenbeschäftigungsquote in Tirol liegt damit über dem Österreichdurchschnitt (Österreich +0,9 Prozentpunkte auf 47,1%). Die Frauen profitieren bundesweit wie auch in Tirol von der starken Dynamik des Dienstleistungssektors, der vielen Frauen einen Arbeitsplatz bietet. Dabei ist allerdings zu beachten, dass es sich oftmals um Teilzeitarbeitsplätze handeln wird.

Sektoral betrachtet wird der mit Abstand größte Beschäftigungszuwachs für Frauen, in absoluten Zahlen, im Gesundheits- und Sozialwesen (insgesamt: 5.900, Frauen: +4.400) entstehen. Daneben sind der Einzelhandel (insgesamt +2.800, Frauen +2.200), das Unterrichtswesen (insgesamt + 2.400, Frauen +1.700) sowie Beherbergung und Gastronomie (insgesamt: +2.200, Frauen: +600) wichtige Träger des Beschäftigungswachstums von Frauen.

Die Berufsstruktur Tirols ist stark durch Berufe, die typischerweise einen Lehrabschluss bzw. eine Fachschulausbildung erfordern, geprägt. Der Anteil der Beschäftigung in Berufen zu deren Ausübung eine Lehr- oder Fachschulausbildung notwendig ist, wird 2016 in Tirol 52,7% betragen, österreichweit 50,8%. Dabei ist in Tirol eine relativ hohe Konzentration auf Dienstleistungsberufe zu beobachten, die durch den starken Fokus auf das Beherbergungs- und Gaststättenwesen getrieben wird. Bis 2016 wird die Beschäftigung in Tirol überdurchschnittlich stark wachsen (+1,1%); der Beschäftigungsanstieg fällt in allen Berufshauptgruppen stärker aus als im nationalen Durchschnitt; auch in der einzigen Berufshauptgruppe mit negativer Beschäftigungsentwicklung (Anlagen- und Maschinenbedienung) fällt der Rückgang schwächer aus als es für Gesamtösterreich feststellbar ist. Die Ausnahme hiervon stellt die Nachfrageentwicklung der Hilfskräfte dar, die entgegen dem nationalen Trend leicht zurückgeht.

Die stärkste Beschäftigungsdynamik – auf Ebene der Qualifikationsanforderungen – wird für höher qualifizierte Tätigkeiten prognostiziert, d. h. Berufe auf akademischem Niveau und Berufe zu deren Ausübung die Matura typischerweise notwendig ist (+2,6% jährlich). Überdurchschnittlich hoch sind die Wachstumsraten beispielsweise in den technischen und naturwissenschaftlichen Berufen auf Hochschulniveau (+4,3%) und den Gesundheitsfachkräfte +3,6% jährlich). Im mittleren Qualifikationssegment (abgeschlossene Lehre oder Fachschule) entwickeln sich Dienstleistungsberufe überdurchschnittlich dynamisch (einfache Pflegeberufe mit +2,9%, die Dienstleistungsberufe in Gastronomie und Tourismus sowie Verkaufsberufe mit jeweils +2,2% jährlich). Zusehends an Bedeutung gewinnt auch die Übernahme von Leitungsfunktionen (Berufe mit Leitungsfunktion: +1,7%). Der absolut stärkste Wachstumsbeitrag zum Beschäftigungsanstieg in Höhe von +18.600 wird von den Verkaufsberufen mit +2.600 und mit jeweils +2.300 von den Dienstleistungsberufen in Gastronomie und Tourismus, den Berufen mit Leitungsfunktion und den technischen und naturwissenschaftlichen Berufen auf Hochschulniveau.
 
Nachfrage der Berufsbereiche basierend auf der Inseratenanalyse (Tirol)
Berufsbereiche Offene Stellen
aktuell online 2012 Veränderung gegenüber 2011
  Printmedien AMS Printmedien AMS
Hotel- und Gastgewerbe 426 38.99935.926 -10.348-1.296
Handel und Verkauf 498 19.37110.710 +1.823+1.802
Büro, Wirtschaft, Finanzwesen und Recht 240 16.4674.884 +232+394
Bau, Baunebengewerbe und Holz 500 6.2597.274 -402+1.050
Verkehr, Transport und Zustelldienste 175 7.5795.194 -1+142


Zu den Gewinnern bezüglich der Arbeitskraftnachfrage laut Inseratenanalyse zählen die Bereiche Büro, Wirtschaft, Finanzwesen und Recht (+ 1% bei den Print- und + 9% bei den AMS-Inseraten) und Handel und Verkauf (+ 10 % bzw. + 20 %). Die Berufsbereiche Bau, Baunebengewerbe und Holz (- 6 % bzw. + 16 %) und Verkehr, Transport und Zustelldienste (+/- 0 bzw. + 3 %) weisen nur bei den AMS-Inseraten Zuwächse auf. Eindeutige Rückgänge gibt es im Hotel- und Gastgewerbe.

Der bereits als besonders zukunftsträchtig angesprochene Bereich der Gesundheitsberufe ist auch unter den Berufen mit einer besonderen Aufwärtsdynamik stark vertreten: Diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger/-schwestern sowie PflegehelferInnnen nehmen Platz 2 und 3 unter den dynamischen Berufen ein. Doch auch der Baubereich ist mit MauerInnen (Platz 1), ElektorinstallationstechnikerInnen (Platz 5) und TischlerInnen (Platz 7) stark vertreten. Nicht zuletzt ist auch die Bedeutung des Tourismus durch das Aufscheinen der Berufe Koch/Köchin (Platz 4), Seilbahn- und LiftbediensteteR (Platz 9) und RezeptionistIn (Platz 10) zu erkennen.


Dynamische Berufe laut AMS-Großbetriebsmonitoring
  Berufe Dynamik Aktuell
online *
1. MaurerIn 2,50  
2. Dipl. Gesundheits- und Krankenpfleger/-schwester 2,47  
3. PflegehelferIn 2,27  
4. Koch, Köchin 2,23  
5. ElektroinstallationstechnikerIn 2,17  
6. Produktionshilfskraft 2,16  
7. TischlerIn 2,13  
8. Bankkaufmann/-frau 2,12  
9. RezeptionistIn 2,10  
10. Seilbahn- und LiftbediensteteR 2,10  
Quelle: Großbetriebs-Monitoring des AMS, Erhebung 2011, Wert Dynamik: > 2 bedeutet dynamische Entwicklung; < 2 stagnierende Entwicklung

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