BUNDESLÄNDERINFORMATIONEN

TRENDS IM BUNDESLAND

Kärnten

Das wirtschaftliche Umfeld

Kärnten ist Österreichs südlichstes Bundesland und weist bei einem Flächenanteil von knapp 11,5 % mit 560.898 Personen einen Bevölkerungsanteil von etwa 6,4 % (Stand 2018) auf. Die Geburtenbilanz verläuft seit Jahren negativ und auch 2017 sind in Kärnten um 1.193 Personen mehr gestorben als neu geboren wurden. In den längerfristigen Prognosen bis 2030 setzen sich die leicht rückläufigen Bevölkerungszahlen fort, während für Österreich insgesamt ein deutliches Bevölkerungswachstum prognostiziert wird.

Der Anteil Kärntens am Bruttoinlandsprodukt (BIP) Österreichs betrug 2017 5,5 %. Das Wirtschaftswachstum hat sich 2017 in Kärnten mit +4,5 % deutlich positiv entwickelt, und lag sogar über dem Österreich-Durchschnitt von +2,6 %. Eine längere, wirtschaftlich schwierige Phase, die seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 andauerte, wurde damit überwunden. Im Jahr 2018 gab es in Kärnten mehr Unternehmensneugründungen als 2017, allerdings auch mehr Insolvenzen. Diese sind in Kärnten um 2,2 % gestiegen, während sie in Gesamtösterreich um 1,9 % zurückgingen.

Sehr positiv verlief die Entwicklung im für Kärnten sehr relevanten Segment des Tourismus: Im Jahr 2018 ist die Zahl der Übernachtungen auf über 13,3 Mio. Nächtigungen gestiegen.

Die durchschnittliche jährliche Arbeitslosenquote sank in Kärnten von 10,2 % im Jahr 2017 auf 9,2 % 2018. Damit liegt Kärnten in beiden Jahren etwas über dem gesamtösterreichischen Durchschnitt von 8,5 % (2017) und 7,7 % (2018). Der
Beschäftigtenstand ist im Jahr 2018 in Kärnten mit 214.017 Beschäftigungsverhältnisse im Vorjahresvergleich leicht angestiegen.

Bundesweit wird für 2019 ein Wirtschaftswachstum von +1,7 % und für 2020 von +1,8 % erwartet. Die Konjunktur in Kärnten wird voraussichtlich im Beobachtungszeitraum bis 2022 etwa im nationalen Durchschnitt verlaufen.
 

Wirtschafts- und Produktivitätsniveau

Kärnten verfügt über eine im Bundesländervergleich unterdurchschnittliche Wirtschaftskraft. Gemessen am Bruttoregionalprodukt je EinwohnerIn (BRP/EW) verzeichnete Kärnten 2017 im Bundesländervergleich die drittniedrigste wirtschaftliche Leistung: Die Gesamtheit aller in diesem Jahr erstellten Waren und Dienstleistungen lag mit 36.100 Euro pro EinwohnerIn klar unter dem österreichischen Durchschnitt von 42.100 Euro. Für eine Betrachtung der auffallend hohen Unterschiede zwischen den Wirtschaftsleistungen der einzelnen Kärntner Regionen muss auf Zahlen aus 2016 zurückgegriffen werden, da noch keine neueren Auswertungen vorliegen: Während 2016 das BRP/EW in der Region Klagenfurt-Villach mit 39.200 Euro nur leicht unter dem Österreichdurchschnitt (2016: 40.800 Euro) liegt, fallen die Wirtschaftsleistungen in Oberkärnten (26.800 Euro) und Unterkärnten (30.700 Euro) deutlich geringer aus.

Die Kaufkraft der KärntnerInnen lag 2017 bei 97,1 %. Die absolute Kaufkraft pro EinwohnerIn betrug 22.612 Euro pro Kopf (Österreichdurchschnitt: 23.282). Damit liegt Kärnten im nationalen Vergleich an vorletzter Stelle.
 

Wirtschaftsstruktur

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Struktur der Kärntner Wirtschaft, wie auch die des restlichen Österreichs, deutlich gewandelt: Während in der Landwirtschaft und im produzierenden Bereich Arbeitsplätze verloren gingen, hat die Beschäftigung im Dienstleistungssektor zugenommen.

Die Wirtschaftsstruktur Kärntens entspricht in etwa der Gesamtösterreichs, wobei der Primärsektor mit einem Anteil von 2 % an der Gesamtwertschöpfung (Österreich 1,3 %) und der sekundäre Sektor mit 33,2 % (Österreich 28,3 %) etwas höher und der Tertiärsektor mit 64,8 % (Österreich 70,3 %) entsprechend niedriger ausfällt (Stand: 2017). Das Bauwesen, der Einzelhandel, die Beherbergung und Gastronomie sowie das Gesundheits- und Sozialwesen nehmen gemessen an der erzielten Wertschöpfung und Beschäftigung einen vergleichsweise hohen Stellenwert ein. Eine geringere Bedeutung besitzen hingegen manche Dienstleistungsbereiche, wie z.B. die Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung sowie die Werbung.

Im sekundären Sektor spielt der Technologiebereich eine wichtige Rolle, dessen Schwerpunkte in der Elektrotechnik- und Elektronik sowie im Maschinen- und Fahrzeugbau liegen. Im Dienstleistungssektor besitzen die Öffentliche Verwaltung und das Unterrichtswesen – nicht zuletzt hinsichtlich der Beschäftigung – große Bedeutung.

Siehe dazu auch:
Arbeitsmarktprofil Kärnten 2018
 

Wichtige Branchen

Bau, Baunebengewerbe und Holz
Die Bauwirtschaft ist in Kärnten überproportional stark vertreten: Im Jahr 2018 waren über 15.600 Beschäftigte im Bauwesen tätig. Damit ist die Zahl der Beschäftigten in diesem Sektor gegenüber den beiden Vorjahren weiter gestiegen (+2,2 %). Insbesondere der Tiefbau entwickelte sich in Kärnten überdurchschnittlich, z.B. durch den Bau des Koralmtunnels. Einerseits zeigt die gute Gesamtkonjunktur positive Auswirkungen auf die Baukonjunktur, andererseits wird Kärntens Bauwirtschaft selbst manchmal als „Konjunkturlokomotive“ bezeichnet.

Die Holzbe- und -verarbeitung stellt ebenso einen wesentlichen Wirtschaftszweig dar, der sich 2016 und 2017 gut entwickelte. Auch die Beschäftigtenzahlen in der Kärntner Holzwirtschaft sind steigend und es wird erwartet, dass dieser Trend im Beobachtungszeitraums bis 2022 weiter anhalten wird.

Hotel- und Gastgewerbe
Der Tourismus spielt in Kärnten wirtschaftlich und sozioökonomisch eine besonders wichtige Rolle. 2018 wurde wieder ein Nächtigungsplus von 2,3 % gegenüber dem Vorjahr erreicht. In absoluten Zahlen entspricht das insgesamt über 13,3 Mio. Übernachtungen - ein Wert, der zuletzt vor etwa 20 Jahren erreicht wurde. Kärnten hat damit eine Tourismusintensität von über 24 Übernachtungen je EinwohnerIn und liegt im Österreichvergleich der Nächtigungen je EinwohnerIn hinter Tirol, Salzburg und Vorarlberg auf dem vierten Platz. Auch hinsichtlich der Beschäftigung ist der Tourismus ein wichtiger Berufsbereich: Die Wirtschaftskammer Kärnten rechnet, dass etwa 50.000 Personen in Kärnten direkt oder indirekt im Tourismus und der Freizeitwirtschaft tätig sind. Einer Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zufolge ist fast jeder fünfte Arbeitsplatz in Kärnten vom Tourismus abhängig, in Oberkärnten sogar jeder dritte.

Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen
Das Gesundheits- und Sozialwesen in Kärnten zählte im Jahr 2018 etwa 16.500 Beschäftigte und hat sich damit im Vorjahresvergleich mit +3 % sowie auch im bundesweiten Vergleich gut entwickelt. Noch 2013 war die Beschäftigung im Gesundheits- und Sozialwesen deutlich rückläufig gewesen. Für den Beobachtungszeitraum bis 2022 wird diesem Berufsbereich weiter leichtes Wachstum prognostiziert.
 

Innovative Branchen und Bereiche

Eine spezielle regionale Einrichtung, die das Thema Innovation in den Mittelpunkt stellt, ist der „ME2C - Micro Electronic Cluster“: Er umfasst rund 80 Betriebe, Forschungseinrichtungen und Ausbildungsanbieter aus Elektronik- und Mikroelektronik, Informationstechnologie und verwandten Sparten. Sie sind im Cluster bundesländerübergreifend vernetzt, der sich über Kärnten, Steiermark und das Burgenland erstreckt. Da diese Unternehmen auch laufend gut qualifizierte MitarbeiterInnen suchen, werden Beschäftigten im Elektro- und Elektronikbereich in Kärnten allgemein gute Beschäftigungsaussichten im Beobachtungszeitraum bis 2022 prognostiziert. 2017 wurde unter dem Namen „Silicon Austria“ eine Forschungs- und Investitionsoffensive des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) für die österreichische Elektronikindustrie und Hochtechnologie eingerichtet. Einer der drei geplanten Standorte ist Villach, wovon Kärntner Unternehmen dieser Branchen voraussichtlich profitieren können.

Der „Software Internet Cluster (SIC)“ ist eine Initiative von Kärntner Software- und InternetspezialistInnen, die gemeinsam Produkte und Dienstleistungen erarbeiten. Der SIC umfasst mehr als 500 Software- und InternetspezialistInnen, vom kleinen Betrieb bis zum großen Unternehmen, sowie UnternehmensberaterInnen und WissenschaftlerInnen. Von diesem Cluster werden im Beobachtungszeitraum bis 2022 positive Beschäftigungsimpulse für den Dienstleistungssektor erwartet.

Die „Entwicklungsagentur Kärnten GmbH (EAK)“ ist für Entwicklung und Management von Technologie- und Industrieparks sowie für den Betrieb von Impulszentren, das sind regionale Zentren für Technologietransfer, verantwortlich. Derzeit betreibt die EAK sechs Technologie- und Industrieparks. In diesen Zentren sollen bestehende Entwicklungen zusammengeführt werden, sodass der Kärntner Technologiebereich auch hinsichtlich der Beschäftigung eine positive Entwicklung nehmen kann.

Die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen ist in Kärnten ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor: Dieser spezialisierte Bereich hat einen Anteil von knapp 15 % am Umsatz der Kärntner Sachgütererzeugung, während er in Gesamtösterreich gerade einmal 2,8 % einnimmt. Spezialisierungen in diesen Bereichen stellen daher gefragte Qualifikationen am Arbeitsmarkt dar.
 

Beschäftigung, Arbeitsmarkt- und Qualifikationsentwicklung

Kärntens Arbeitsmarkt entwickelte sich nach der Wirtschaftskrise deutlich unter dem österreichischen Durchschnitt. Die Entwicklung verlief weniger dynamisch und die Beschäftigung stieg langsamer als im restlichen Österreich.

Im Jahr 2018 waren in Kärnten 214.017 unselbstständig Beschäftigte registriert, rund 13,9 % davon waren ausländische Arbeitskräfte. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten hat in Kärnten von 2008 bis 2018 um +3,2 % zugenommen, das ist deutlich weniger als im österreichischen Durchschnitt (+10,4 %). Gegenüber 2017 kam es 2018 in Kärnten zu einem Beschäftigungsplus von +1,7 %. Die Arbeitslosenquote sank in Kärnten im Jahresdurchschnitt 2017 auf 10,2 %, während sie im Bundesdurchschnitt auf 8,5 % zurückging.

Insgesamt werden in Kärnten Arbeitskräfte, die ein mittleres (Fachschulausbildung) und niedriges (Anlernkräfte) Qualifikationsniveau aufweisen, innerhalb des Prognosezeitraums bis 2022 weniger oder gleich bleibend nachgefragt. Hinsichtlich der Lehrabschlüsse gilt, dass insbesondere die technischen Lehrberufe, in denen Fachkräftemangel herrscht, über gute Aussichten am Arbeitsmarkt verfügen. Die Lehrlingszahlen sind in Kärnten – wie auch in Gesamtösterreich – seit vielen Jahren rückläufig, wobei 2017 mit 7.090 Lehrlingen ein Tiefstand erreicht wurde. 2018 gab es mit 7.121 Lehrlingen erstmals wieder einen leichten Anstieg zu verzeichnen. Eine Lehrausbildung erscheint durchaus zukunftsträchtig, da viele Unternehmen über Facharbeitermangel klagen und auf der Suche nach geeigneten Lehrlingen sind. Ein deutlicher Nachfrageanstieg wird für hoch qualifizierte Tätigkeiten prognostiziert, d.h. für Berufe auf akademischem Niveau.

Die Beschäftigung in Kärnten, die sich in den vergangenen Jahren deutlich unterdurch-schnittlich entwickelt hat, wird sich ArbeitsmarktexpertInnen zufolge bis 2023 beschleunigen, jedoch voraussichtlich weiter hinter dem österreichischen Durchschnitt zurückbleiben.
 

Nachfragetrends nach Berufsbereichen

Eine vom AMS beauftragte Inseratenanalyse gibt Einblicke in Nachfragetrends in Kärnten nach Berufsbereichen: An erster Stelle werden Personen im Bereich „Tourismus, Gastgewerbe, Freizeit“ gesucht. Dies liegt natürlich u.a. auch daran, dass in diesem Berufsbereich eine hohe Fluktuation herrscht und zudem oft nur saisonal befristete Beschäftigungsverhältnisse eingegangen werden. Die zweithöchste Nachfrage gibt es im Berufsbereich „Handel, Transport, Verkehr“, wobei dieser einen hohen Prozentsatz an Teilzeitstellen aufweist. An dritter Stelle folgt der Bereich „Bau, Baunebenberufe, Holz, Gebäudetechnik“, ein in Kärnten traditionell starker Berufsbereich, der immer wieder auf MitarbeiterInnensuche ist. Auch bei den aktuell dem AMS gemeldeten offenen Stellen (Stand Mai 2017) weisen diese drei Berufsbereiche die größte Nachfrage seitens der Unternehmen auf.


Nachfrage der Berufsbereiche basierend auf der Inseratenanalyse (Kärnten)

Nachfrage der Berufsbereiche basierend auf der Inseratenanalyse (Kärnten)
Berufsbereiche Arbeitskräfte-Nachfrage
aktuell 2018 Veränderung 2018-2017
  Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS eJob-Room-Inserate Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS eJob-Room-Inserate
zwei Pfeile nach rechtsTourismus, Gastgewerbe, Freizeit 1.066 2.505 8.081 +148 +1.274
zwei Pfeile nach rechtsHandel, Logistik, Verkehr 765 2.333 4.444 +295 +688
zwei Pfeile nach rechtsMaschinenbau, Kfz, Metall 594 1.518 3.874 +236 +636
zwei Pfeile nach rechtsBau, Baunebengewerbe, Holz, Gebäudetechnik 672 801 3.522 +226 +588
zwei Pfeile nach rechtsBüro, Marketing, Finanz, Recht, Sicherheit 309 2.028 2.173 -227 +388
Quelle: AMS-Qualifikations-Barometer. Berufsbereiche mit dem höchsten Inserateaufkommen im Bundesland.


Die Ergebnisse der AMS-Betriebsbefragung , einer vom AMS jedes zweite Jahr durchgeführten Unternehmensbefragung, zeigen auf, welche Berufe besonders stark nachgefragt werden: Unter den Top 10 der dynamischen Berufe finden sich im Bundesland Kärnten gleich drei Berufe aus dem Bereich Tourismus, Gastgewerbe, Freizeit : Küchenhilfskraft, Restaurantfachmann/-frau und RezeptionistIn. Der Bedarf in diesen Berufen wurde im Rahmen der AMS-Betriebsbefragung von den Unternehmen als deutlich steigend beurteilt. Ebenso waren Berufe aus den Bereichen Maschinenbau, Kfz, Metall und Bau, Baunebenberufe, Holz, Gebäudetechnik sehr stark nachgefragt.

Dynamische Berufe laut AMS-Großbetriebsmonitoring

Dynamische Berufe laut AMS-Großbetriebsmonitoring
  Berufe DynamikAktuell
online
1 zwei Pfeile nach rechtsKüchenhilfskraft (m/w) 3,00  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
2 zwei Pfeile nach rechtsMaschinenbautechnikerIn 3,00  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
3 zwei Pfeile nach rechtsRestaurantfachmann/-frau 3,00  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
4 zwei Pfeile nach rechtsSchlosserIn im Metallbereich 3,00  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
5 zwei Pfeile nach rechtsFleischverarbeiterIn 3,00  gleichbleibend AMS Funkmaus
6 zwei Pfeile nach rechtsGewerblicheR MasseurIn 2,33  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
7 zwei Pfeile nach rechtsRezeptionistIn 2,00  Pfeil nach oben AMS Funkmaus
8 zwei Pfeile nach rechtsAllgemeineR HilfsarbeiterIn 2,00  gleichbleibend AMS Funkmaus
9 zwei Pfeile nach rechtsMaurerIn 2,00  gleichbleibend AMS Funkmaus
10 zwei Pfeile nach rechtsBauhelferIn 2,00  Pfeil nach unten AMS Funkmaus
Quelle: AMS-Betriebsbefragung 2013/14, Kärnten. Dynamik > 2 dynamische, < 2 stagnierende Entwicklung. AMS-Qualifikations-Barometer, Trend-Bewertung für Gesamt-Österreich