Das wirtschaftliche Umfeld

Das Bruttoregionalprodukt (Gesamtheit aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr in einem Bundesland erstellt werden) wird im Burgenland 2018 voraussichtlich um 2,5 % gegenüber dem Vorjahr zunehmen und damit unter dem Österreichschnitt von 2,8 % liegen. Die Bauwirtschaft hatte, nach einem Plus 2017, von Jänner bis November 2018 einen Produktionsrückgang von 4,7 % zu verzeichnen, v.a. im Tiefbau war der Rückgang stark. Alle anderen Bundesländer hatten in der Bauwirtschaft ein Plus zu verzeichnen. Die Industrie konnte im selben Zeitraum ein Produktionsplus von 2,7 % erreichen, wobei die Getränkeherstellung und die Kfz-Zuliefererindustrie am meisten dazu beigetragen haben. Im Vergleich zu Gesamtösterreich - + 6,7 % - ist der Anstieg gering. Das Burgenland hatte in der Sommersaison 2018 als einziges Bundesland ein Minus bei den Nächtigungszahlen zu verzeichnen. Dieser Negativtrend hat sich im Jänner 2019 fortgesetzt (- 1,6 % im Vergleich zu Jänner 2018). Im Einzelhandel gab es ebenfalls ein Minus zu verbuchen (- 1,3 % Umsatz), im Jänner 2019 kam es hingegen zu einem Umsatzanstieg von 1,1 % im Vergleich zum Jänner 2018.

Das Burgenland verzeichnete 2018 mit + 1,8 % das zweitniedrigste Beschäftigungsplus (Frauen: + 2,3 %; Männer: + 1,4 %) im Bundesländervergleich und liegt damit deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von + 2,4 %. Die Arbeitslosigkeit lag mit 7,7 % im Österreichdurchschnitt.

Die Nähe zum Ballungsraum Wien zieht dem östlichsten Bundesland sowohl Arbeits- als auch Kaufkraft ab. Daher war das wirtschaftliche Wachstum im Burgenland traditionell weniger stark ausgeprägt als in anderen Bundesländern. Mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union (EU) 1995 wurde das Burgenland zu einer förderfähigen Region („Ziel 1-Region“ bzw. „Konvergenzregion“) erklärt. Mithilfe von EU-Mitteln verbesserte sich seitdem die Wirtschaftsstruktur nachhaltig. Durch die EU-Erweiterungen 2004 und 2007 hat sich der Fokus der finanziellen Unterstützungen weiter nach Osten auf neue förderfähige Regionen verschoben. Dennoch gilt das Burgenland weiterhin als finanziell förderfähige „Übergangsregion“ und kann bis 2020 mit weiteren 73,6 Millionen Euro an EU-Förderungen rechnen.
 

Wirtschafts- und Produktivitätsniveau

Als kleinstes Bundesland – gemessen an der EinwohnerInnenzahl – erbringt das Burgenland auch die geringste wirtschaftliche Leistung. Sowohl bezüglich Bruttoregionalprodukt als auch bei der Produktivität (BRP/Job) liegt das Burgenland im Bundesländervergleich an letzter Stelle. 2017 betrug das BRP pro EinwohnerIn 30.000 Euro (Österreichschnitt: 42.100 Euro). Das BRP pro Erwerbstätiger/Erwerbstätigem (BRP/Job), das über die wirtschaftliche Produktivität Auskunft gibt, erreichte 2017 einen Wert von 81 %.

Beim Bruttoregionalprodukt (BRP) zeigten die NUTS 3-Regionen Nord-, Mittel- und Südburgenland 2016 große Unterschiede. Im Nordburgenland (Bezirke Eisenstadt, Neusiedl am See, Mattersburg) war das BRP mit 77 % des österreichischen Werts deutlich höher als im Mittelburgenland (Bezirk Oberpullendorf) und Südburgenland (Bezirke Jennersdorf, Oberwart, Stegersbach) mit 60 % bzw. 63 %. Das Mittelburgenland und das Südburgenland belegten Platz 34 bzw. 33 unter 35 österreichischen Regionen.

Auch bei der Produktivität waren die regionalen Werte 2016 inhomogen. Im Nordburgenland gab es mit 89 % des österreichischen Werts eine höhere Produktivität als im Mittelburgenland und Südburgenland mit 82 % bzw. 78 %.

Die Kaufkraft, das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte je EinwohnerIn, wird für 2018 im Burgenland mit 23.231 Euro prognostiziert und liegt damit um 51 Euro niedriger als der Bundesschnitt.
 

Wirtschaftsstruktur

Im Burgenland hat die Landwirtschaft – allen voran der Weinbau – eine große Bedeutung für die Bruttowertschöpfung und für den Arbeitsmarkt. 2017 machte der Anteil der Bruttowertschöpfung des primären Sektors 3,9 % aus, in Gesamtösterreich lag der Beitrag bei 1,3 %. Rund 4,2 % der Erwerbstätigen sind 2018 dem primären Sektor zuzuordnen (Österreich: 3,7 %). Insgesamt wurden 2014 234 Millionen Euro – das sind 3,4 % der gesamten Wertschöpfung – durch die Weinwirtschaft generiert.

Der Anteil der Bruttowertschöpfung des sekundären Sektors lag 2017 bei 28,1 %, das entspricht in etwa dem österreichischen Gesamtbild. Der Anteil der Erwerbstätigen lag mit 27,4 % leicht über dem Österreichschnitt (25,4 %). In der burgenländischen Energieversorgung ist der Anteil der Bruttowertschöpfung höher als in Gesamtösterreich (8,9 % zu 7 %; Stand 2016).

Seit Ende der 1990er-Jahre hat sich der Dienstleistungssektor als wichtiger Wirtschaftsbereich etablieren können. 2017 konnte er eine Bruttowertschöpfung von 68 % erreichen, was allerdings noch immer leicht unter dem Österreichschnitt von 70,3 % liegt; 2018 umfasste er bereits 68,4 % der burgenländischen Beschäftigten (Österreich 70,9 %). Die Bruttowertschöpfung bei wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Dienstleistungen im Burgenland ist wesentlich geringer als in Gesamtösterreich (8,4 % zu 22,9 %; Stand 2016).

Die Tourismusbranche nimmt eine wichtige Rolle im Burgenland ein. Auch wenn die Nächtigungen im Sommer 2018 zurückgingen, sind die Pensionen, Hotels und Gasthöfe nach wie vor ein wichtiger Impuls für den Wirtschaftsstandort. Insgesamt entfielen 2016 auf den Bereich Freizeitwirtschaft und Tourismus 17 % der Wertschöpfung. Die Tourismusbranche hat auch positive Auswirkungen auf andere Branchen, z.B. den Lebensmittelhandel. Vor allem der Thermentourismus trägt zur Wertschöpfung bei.

Im Nord- und Südburgenland finden sich Handels- und Tourismusbetriebe sowie verschiedene Technikcluster (räumliche Ballung von Betrieben, die für die Technikbranche produzieren oder Dienstleistungen erbringen), wie der „Kunststoff- Cluster“ (mit Mitgliedbetrieben sowohl in Nord- als auch Südburgenland) oder der „ICT Cluster“ (Raum Eisenstadt). Technologiezentren sind im gesamten Landesgebiet verteilt.

Siehe dazu auch:
Arbeitsmarktprofil Burgenland 2018
 

Wichtige Branchen

Nach Beschäftigten sind im Burgenland – nach der öffentlichen Verwaltung – die wichtigsten Branchen der Handel, die Herstellung von Waren (Sachgütererzeugung), das Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Bau.

Der Handel konnte von 2017 auf 2018 die vierthöchsten Beschäftigungszuwächse der Wirtschaftsabschnitte verzeichnen und hat sich zu einer wichtigen Branche im Burgenland entwickelt. 2018 waren im Jahresdurchschnitt rund 16.590 Personen in der Branche beschäftigt (+ 2,4 % im Vergleich zu 2017). Nach der öffentlichen Verwaltung ist der Handel, gemessen an den Beschäftigtenzahlen, der größte Arbeitgeber im Bundesland. Als Grenzregion verfügt das Burgenland auch über einen Kaufkraftzufluss aus Ungarn. Ungarische KonsumentInnen beziehen v.a. Lebensmittel, Drogeriewaren und Bekleidung aus Österreich. ÖsterreicherInnen nutzen v.a. kosmetische Dienstleistungen in Ungarn. In Summe ist der Kaufkraftzufluss nach Österreich jedoch ca. achtmal größer als der Kaufkraftabfluss in Richtung Ungarn.

Weitere beschäftigungsintensive Bereiche im Burgenland sind die Herstellung von Waren mit 14.899 sowie das Gesundheits- und Sozialwesen mit 9.928 unselbstständig Beschäftigten im Jahr 2018.

Die Baubranche ist 2018 mit 9.545 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber im Burgenland, konnte allerdings mit 2,1 % nur das neunthöchste Beschäftigungsplus im Vergleich zu den anderen Wirtschaftszweigen verzeichnen.
 

Innovative Branchen und Bereiche

Ein sehr innovativer Bereich im Burgenland ist der Wirtschaftszweig der erneuerbaren Energien. Unter dem Titel „Jahr der Energiewende“ wurden 2013 im Burgenland die Weichen gestellt, um langfristig eine strom- und energieautarke Region zu werden. Mit Ende 2018 zählte das östlichste Bundesland 446 Windkraftanlagen. Alleine die Energie Burgenland AG betreibt 19 Windparks mit 225 Windenergieanlagen. Damit ist sie im Bereich der Ökoenergie der größte Windstromproduzent Österreichs. Auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind im Burgenland bei jenen Betrieben am höchsten, die Elektrizität erzeugen, verteilen und verwenden. Die Wertschöpfung der erneuerbaren Energien wirkt sich auch auf andere Branchen aus.

Das Burgenland hat mit insgesamt sechs Thermen umgerechnet auf die EinwohnerInnenzahl die höchste Dichte im Bundesländervergleich. Die Therme Bad Lutzmannsburg konnte 2016 die 3-Millionen-Marke bei den Nächtigungen knacken. Der Tourismus sichert jährlich rund 14.000 Beschäftigungsverhältnisse. Die Thermen tragen dazu bei, dass es auch im Winter Gäste gibt, 33 % der Nächtigungen finden im Winterhalbjahr statt. Aber auch ein gut ausgebautes Routennetz für den Radtourismus (2.469 km Radwegenetz) sowie die sechs Naturparks locken immer mehr BesucherInnen an. Der Kulturtourismus ist im Burgenland ebenfalls von Bedeutung. Insgesamt gab es 2017 580.900 BesucherInnen bei Kulturveranstaltungen im Sommer, wobei Nova Rock in Nickelsdorf und die Seefestspiele in Mörbisch insgesamt 61,5 % der BesucherInnen verbuchen konnten. Der Tagestourismus hat 2015 im Vergleich zu 2014 mit + 89 % sehr stark zugenommen. Die Wertschöpfung liegt bei ca. 50 % der Tourismusumsätze. Von 2017 auf 2018 kam es zu einer Zunahme der Ankünfte (+ 0,3 %), hingegen zu einer Abnahme der Nächtigungen (- 1,4 %).
 

Beschäftigung, Arbeitsmarkt- und Qualifikationsentwicklung

Im Burgenland waren 2018 über 103.000 Personen unselbstständig beschäftigt, das sind um 1,8 % mehr als im Vorjahr (Frauen: 48.343; Männer: 55.255). Der Anteil an ausländischen Arbeitskräften betrug 24,6 %. Ein leichtes Beschäftigungswachstum gab es v.a. bei den privaten Haushalten, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in Verkehr und Lagerei; im Bergbau sowie in „Kunst, Unterhaltung und Erholung“ hingegen ist die Zahl der Beschäftigten um mehr als 10 % zurückgegangen. Die Erwerbsquote (wohnortbezogen) lag 2018 mit 68,1 % deutlich unter dem bundesweiten Wert von 76,2 %.

Im Jahresschnitt waren 2018 rund 8.700 Personen arbeitslos gemeldet. Besonders Personen ab 50 Jahren und AusländerInnen waren betroffen. Auch zwischen den Geschlechtern gibt es einen deutlichen Unterschied. Die Zahl der arbeitslosen Männer ist von 2017 auf 2018 um 10,3 % zurückgegangen ist, die der Frauen nur um 7,3 %.

Bis 2023 wird mit einem Plus von 11.200 Stellen – über alle Berufsbereiche hinweg – gerechnet.

Hinsichtlich des Qualifikationsniveaus haben im Burgenland v.a. Personen mit Lehr- oder Fachschulabschluss (+1,5 % p.a.) gute Chancen am Arbeitsmarkt. Sie werden bis 2023 v.a. im Gesundheits- und Sozialwesen, im Einzelhandel sowie in der Beherbergung und der Gastronomie gefragt sein. Der Bedarf an Berufen auf akademischem Niveau (+ 2,7 % p.a.) sowie an Berufen mit Leitungsfunktion (+ 2,1 % p.a.) – v.a. im technischen Bereich und im Gesundheitssektor – wird sich ebenfalls erhöhen. Auch im Burgenland zeigt sich die österreichweit beobachtbare Tendenz zur unterdurchschnittlichen Nachfrageentwicklung von Hilfs- und Anlernkräften.
 

Nachfrage der Berufsbereiche basierend auf der Inseratenanalyse (Burgenland)

Nachfrage der Berufsbereiche basierend auf der Inseratenanalyse (Burgenland)
Berufsbereiche Arbeitskräfte-Nachfrage
2019 Veränderung 2019-2018 aktuell
Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS eJob-Room-Inserate Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS eJob-Room-Inserate  
zwei Pfeile nach rechtsHandel, Logistik, Verkehr 1.729 2.019 +932 +408 269AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechtsTourismus, Gastgewerbe, Freizeit 350 1.783 +69 +201 214AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechtsBüro, Marketing, Finanz, Recht, Sicherheit 684 853 +65 +68 99AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechtsBau, Baunebengewerbe, Holz, Gebäudetechnik 209 1.220 +81 +169 307AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechtsSoziales, Gesundheit, Schönheitspflege 403 786 +164 +137 106AMS Funkmaus
Quelle: AMS-Qualifikations-Barometer. Berufsbereiche mit dem höchsten Inserateaufkommen im Bundesland.