TRENDS IM BERUFSFELD

Pfeil nach rechts_alt_20150702_Textil, Mode und Leder  zwei Pfeile nach rechts_alt_20150702_Bekleidungsherstellung und Textilverarbeitung

Arbeitsmarkttrends

Beschäftigungsrückgang trotz Umsatzplus



Die „Bekleidungsherstellung und Textilverarbeitung“ kämpft in Österreich mit Billigimporten und setzt daher auf Nischen und Spezialprodukte. In den Jahren 2013 und 2014 standen im Berufsfeld Umsatzzuwächse einem Beschäftigungsrückgang gegenüber.
 
Umsatzsteigerung
Die Bekleidungsexporte haben, nach rückläufigen Zahlen im Jahr 2012, bereits im Jahr 2013 ein Aufschwung (+2,2 %) erlebt und 2014 (+8,6 %) einen deutlichen Anstieg. Dieser Aufwärtstrend war auch im 1. Quartal 2014 spürbar. Die Exportzahlen am Zukunftsmarkt China konnten 2012 bis 2014 deutlich gesteigert werden, am kanadischen Markt um 19,8 %. Auch Russland ist ein wichtiger Abnehmer für die österreichische Bekleidungsindustrie, allerdings gingen Exporte nach Russland um mehr als 11 % zurück. Laut BranchenexpertInnen wirken sich im Berufsfeld die politische Instabilität in der Region und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland, spürbar aus.
 
Die heimische Bekleidungsindustrie hat das Jahr 2014 mit einem Umsatz von 1,01 Mrd. Euro (+1,5 %) beschlossen und hat sich damit auf dem Niveau von 2012 eigependelt. Dennoch hat sie weiterhin mit einem starken Preisdruck, v.a. aufgrund der konstanten, massiven Zuwächse von Billigimporten aus Niedriglohnländern zu kämpfen. Im Jahr 2014 haben Bekleidungsimporte aus den Ländern Bangladesch (+15 %), Indien (+13 %) und, von einem niedrigeren Niveau ausgegangen, Kambodscha (+35 %), Zuwächse verzeichnet. Auch die Bekleidungsimporte aus China (+6,5 %) sind nach geringer Rückläufigkeit wieder gestiegen.
 
Im Nachbarland Deutschland wirkt den Auslagerungen nach Asien ein neuer Trend entgegen, der im Prognosezeitraum bis 2018 auch Einfluss auf die österreichische Bekleidungsindustrie nehmen könnte: Mit „Fast Fashion“ ist die Notwendigkeit der Industrie gemeint, rasch auf neue Modetrends reagieren zu können. Daher beobachten BranchenexpertInnen, dass Unternehmen der deutschen Modeindustrie in den letzten Jahren wieder zunehmend in Europa und im europanahen Raum produzieren lassen, etwa in Osteuropa und Nordafrika.
 
Rückläufige Beschäftigung
Dennoch führten die hohen Produktionskosten im Inland in der Bekleidungsindustrie zu einer Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland und damit zu einem Abbau von Arbeitsplätzen. Etwa 85 % des Umsatzes werden mit Produkten erzielt, die zur Gänze oder zum Teil im Ausland erzeugt bzw. weiterverarbeitet werden.
 
Der vom Österreichischem Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) prognostizierte Abbau von Stellen in Bekleidungs- und verwandten Berufe ist eingetroffen: Aufgrund der Reduzierungsmaßnahmen der vergangenen beiden Jahre ist der Beschäftigtenstand in Österreich 2014 um 8,9 % gesunken. Für den Prognosezeitraum bis 2018 gehen BranchenexpertInnen davon aus, dass sich dieser wieder stabilisieren wird. Laut WIFO-Konjunkturtest 2015 bewerten 70 % der befragten Bekleidungs- und Textilunternehmen ihre derzeitige Auftragslage als „ausreichend“.
 
 
Bedarf an qualifizierten Fachkräften
Das Energieeffizienzgesetz, das mit Jänner 2015 in Kraft getreten ist, bringt nach Angaben des Fachverbands der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie eine zusätzliche wirtschaftliche Belastung für die großen Unternehmen. Die Belastung besteht vor allem darin, dass die EnergielieferantInnen den Energieaufwand jährlich reduzieren müssen und dies den Energiepreis für die Unternehmen der Branche erhöhen wird. Einen derartigen langfristigen Nachteil im Wettbewerb, wie ihn der Fachverband deshalb befürchtet, sieht ein Experte der Gewerkschaft PRO-GE darin nicht. Die tatsächlichen Auswirkungen des neuen Gesetzes werden sich erst im folgenden Jahr zeigen. Einig sind sich die ExpertInnen aber darüber, dass die Branche daran arbeiten muss, effizienter mit Energieressourcen umzugehen und dies von einigen Unternehmen auch bereits getan wird.
 
Die Bekleidungsindustrie konzentriert sich auf Qualität in Material und Verarbeitung, Nischen- und Spezialprodukte – wie Trachten und Berufsbekleidung – Kleinserien sowie kurze Liefer- und Nachorderzeiten. Große Bedeutung hat auch die Wäsche-, Heimtextilien-, Fahnenerzeugung sowie die Bettenindustrie.
 
Die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Bekleidungsindustrie ist von gut qualifizierten Fachkräften abhängig. Laut ExpertInnen des Fachverbandes Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie sollen Entwicklung und Prototypenfertigung im Inland gehalten werden. SchnittkonstrukteurInnen sowie NäherInnen mit Zusatzqualifikationen (z.B. CAD) für die Muster- und Prototypenentwicklung und die Umsetzung von Modellen für die industrielle Fertigung können auch weiterhin mit guten Beschäftigungschancen rechnen. Insgesamt ist jedoch die Stellenanzahl für qualifizierte Fachkräfte begrenzt. Daher werden ihre Beschäftigungsmöglichkeiten im Beobachtungszeitraum tendenziell sinken. Hilfskräfte in der Textilwarenerzeugung und handwerklich Beschäftigte (KleidermacherIn, TextilhandarbeiterIn, Polsterer/Polsterin, ZuschneiderIn und StanzerIn) müssen mit einer leicht sinkenden Nachfrage rechnen.

 
Arbeitskräfte-Nachfrage: Österreich gesamt
 

Kompetenztrends

Technische Kenntnisse und Innovationsbereitschaft gefragt

Aufgrund der fortschreitenden Automatisierung und Internationalisierung der Bekleidungserzeugung haben sich die Qualifikationsanforderungen in diesem Berufsfeld in den letzten Jahren verändert. Kenntnisse im technischen Bereich, wie z.B. das Bedienen elektronisch gesteuerter Anlagen, stellen unabdingbare Qualifikationen dar.
 
Laut ExpertInnen der Wirtschaftskammer Österreich sind schnitttechnisches und handwerkliches Geschick im Bereich der Produktentwicklung sowie zur Sicherung des Qualitätsniveaus und Know-hows unverzichtbar. Im Entwicklungsbereich wird neben Kreativität und Modedesign-Kenntnissen (insbesondere Gradieren und Schnittoptimierung) ein versierter Umgang mit CAD (computerunterstütztes Design) vorausgesetzt. Fachwissen im Hinblick auf innovative Materialtechnologie und Mehrwerttextilien ("smart textiles") stellen am Arbeitsmarkt einen Vorteil dar.
 
Von Fachkräften, die in den technischen Produktionsablauf eingebunden sind, werden fundierte Kenntnisse von Produktionssteuerungssystemen – vor allem PPS (Produktionsplanungs- und -steuerungssystem) und CAM (computerunterstützte Fertigung) – sowie Betriebsdatenerfassungssystemen (BDE) erwartet.
 
Da viele Betriebe bestimmte Produktionsbereiche in großem Ausmaß ins Ausland verlegt haben, werden Fremdsprachenkenntnisse, Reisebereitschaft und Flexibilität in Berufen mit höherer Qualifikation immer wichtiger. Aufgrund verstärkter Aktivitäten der Betriebe zur Erschließung neuer Absatzmärkte gewinnen auch Marketing- und Vertriebskenntnisse weiter an Bedeutung. Die in diesem Berufsfeld hier erfassten Berufe sind davon allerdings nur am Rande betroffen.

 






Bearbeitung: Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw)
© AMS Österreich Juni 2019