TRENDS IM BERUFSFELD

Pfeil nach rechts_alt_20150702_Gesundheit und Medizin  zwei Pfeile nach rechts_alt_20150702_Gehobene medizinisch-technische Dienste und Hebammen

Arbeitsmarkttrends

Kontinuierliche Nachfrage nach gehobenen medizinisch-technischen Diensten und Hebammen



Durch den weiteren Ausbau der medizinischen Leistungen und den wachsenden Anteil älterer Personen können nahezu allen gehobenen medizinisch-technischen Berufen gute Zukunftschancen vorausgesagt werden. Auch Hebammen finden eine stabile Beschäftigungssituation vor.
 
Im Jahr 2013 waren an den Krankenanstalten im gehobenen medizinisch-technischen Dienst (MTD) ca. 12.100 Personen beschäftigt, was einem Plus von 2,6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der durchschnittliche Frauenanteil ist mit rund 85 % sehr hoch, der höchste Männeranteil ist bei den PhysiotherapeutInnen und RadiologietechnologInnen (22 % bzw. 23 %) festzustellen. Die tatsächliche Zahl der Berufsausübenden kann nicht angegeben werden, da die Registrierung aller Personen, die in den gehobenen medizinisch-technischen Diensten tätig sind, noch nicht gesetzlich verankert ist. Die Berufsgruppenvertretung hat inzwischen aber eine Initiative zur freiwilligen Registrierung gestartet und eine Berufsliste etabliert.
 
Beschäftigungschancen
Für die Berufsgruppen im medizinisch-technischen Bereich bieten sich im Allgemeinen günstige Beschäftigungschancen. In einigen Bereichen geht der Trend in Richtung Teilzeitarbeit und Behandlung außerhalb des Krankenhauses. Die sich daraus ergebenden Beschäftigungsmöglichkeiten in Form von freiberuflichen Tätigkeiten werden v.a. von PhysiotherapeutInnen, ErgotherapeutInnen und DiätologInnen genutzt. Allerdings können derzeit nur die Leistungen von den beiden erstgenannten Berufen sowie von LogopädInnen über die Krankenkassen abgerechnet werden – und das nur eher selten im vollen Ausmaß.
 
Die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen im Bereich gehobenen medizinisch-technischen Dienste stieg im Vergleich zwischen 2012 und 2013 um knapp 13 % an. Zudem erwartet der Berufsverband einen künftig steigenden Bedarf an MTD-Leistungen. Die Berufschancen werden sich deshalb im Beobachtungszeitraum bis 2018 voraussichtlich positiv entwickeln.
 
Für PhysiotherapeutInnen bieten sich neben der Therapie und Rehabilitation u.a. die Palliation (Linderung von Schmerzen und anderen Symptomen) und vermehrt die Prävention bzw. betriebliche Gesundheitsförderung als mögliche Arbeitsfelder an. Auch wenn die Ausgaben für Präventionsmaßnahmen in Österreich laut einem Bericht der OECD unter dem Durchschnitt der Mitgliedsländer liegen, wird diesem Bereich ein großes Wachstumspotenzial zugeschrieben. Davon werden auch andere Berufsgruppen, wie z.B. DiätologInnen, profitieren.
 
RadiologietechnologInnen können mit einer positiven Arbeitsmarktentwicklung rechnen. Dazu tragen zum einen – wie auch in anderen Berufsfeldern des Gesundheitsbereichs – eine anstehende Pensionierungswelle und zum anderen eine grundsätzlich ansteigende Nachfrage bei (z.B. nach nuklearmedizinischer Diagnostik oder strahlentherapeutischen Maßnahmen).
 
Die Zahl der Geburten in Österreich war in den letzten Jahren relativ konstant. Immer häufiger wünschen sich werdende Mütter eine intensivere Betreuung. Daher ist zu erwarten, dass die Zahl der Hebammen weiter zunehmen wird. Zudem beinhaltet der Mutter-Kind-Pass seit November 2013 ein für die Schwangeren kostenloses Beratungsgespräch. Im Jahr 2013 waren in Österreich 2.068 Hebammen tätig; davon ging ein Drittel einer Beschäftigung im Krankenhaus nach, die Hälfte arbeitete sowohl als Freipraktizierende als auch in Krankenhäusern, und der Rest war ausschließlich frei praktizierend tätig. Die Ausbildungsstellen an den Fachhochschulen für Hebammen sind zwar rar, andererseits haben die AbsolventInnen dadurch sehr gute Beschäftigungschancen. Aufgrund des steigenden Bedarfs wurden in den letzten Jahren neue FH-Studiengänge für Hebammen (z.B. in Salzburg und Krems) gestartet.
 
Gute Jobaussichten haben auch ErgotherapeutInnen, LogopädInnen, OrthopistInnen und Biomedizinische AnalytikerInnen. Bei den letztgenannten liegt dies u.a. an einem Nachwuchsmangel, welcher wenig Konkurrenz am Arbeitsmarkt zur Folge hat. Für DiätologInnen verbessern sich die Beschäftigungsmöglichkeiten durch Freiberuflichkeit.
 
Diplomierte KardiotechnikerInnen werden in der Regel nur nach Bedarf ausgebildet (z.B. in Folge von Pensionierungen) und arbeiten ausschließlich in Krankenanstalten. Zuletzt waren österreichweit 76 Personen in diesem Beruf beschäftigt (Stand: 2013).
 
Forschung
Nicht zuletzt aufgrund der Akademisierung der Ausbildungen im gehoben medizinisch-technischen Dienst gewinnt die Forschung auf diesem Gebiet an Bedeutung. Biomedizinische AnalytikerInnen können auch in Forschungsabteilungen privater Unternehmen in der Biotechnologiebranche eine Beschäftigung finden.

 
Arbeitskräfte-Nachfrage: Österreich gesamt
 

Kompetenztrends

Akademische Höherqualifizierung nimmt zu, soziale Kompetenzen oftmals entscheidend

Neben wissenschaftlichen Kenntnissen sind – je nach Tätigkeitsfeld – technische und soziale Kompetenzen sehr gefragt. Durch die Trends in Richtung mobile Betreuung und Freiberuflichkeit ist zunehmend Flexibilität gefordert.
 
Durch die Ansiedelung der Ausbildung der gehobenen medizinisch-technischen Dienste im Fachhochschulsektor wird wissenschaftlich fundiertes Fachwissen meist vorausgesetzt. Es wird aber immer wichtiger, Stärken in der Kommunikation mit PatientInnen und KollegInnen unter Beweis zu stellen, z.B. im Rahmen von Praktika.
 
Besonderes Einfühlungsvermögen ist in jenen Berufen gefordert, in denen man direkten körperlichen Kontakt mit den PatientInnen hat. So ist es z.B. für Ergo- und PhysiotherapeutInnen grundlegend, zunächst ein vertrauensvolles Verhältnis zu den PatientInnen herzustellen. Die Anzahl älterer PatientInnen steigt weiter an, daher wird es zukünftig verstärkt notwendig sein, auf deren Bedürfnisse eingehen zu können. Geduld, Verständnis und Respekt sind im direkten Umgang mit allen PatientInnengruppen unerlässlich.
 
Freiberuflichkeit
Insgesamt werden therapeutische Maßnahmen vermehrt außerhalb von Krankenanstalten durchgeführt (z.B. Behandlung von Lähmungen nach Schlaganfällen). Daher ist zunehmend Mobilität gefragt. Das gilt auch für jene Personen, die freiberuflich arbeiten. Die Freiberuflichkeit bietet für einige Berufsgruppen in diesem Bereich gute Chancen. Für LogopädInnen ist es v.a. im städtischen Raum ratsam, sich auf ein bis drei Fachgebiete zu spezialisieren (z.B. Sprachentwicklung, Schluckstörungen, Prävention). DiätologInnen können u.a. Vorträge halten oder Workshops für übergewichtige Jugendliche anbieten. Neben den Fachgebieten gesunde Ernährung und Gewichtsreduktion stellen dabei z.B. Allergologie und Diabetologie wichtige Themenbereiche dar. Die Präventionsarbeit wird zukünftig nicht nur für DiätologInnen, sondern auch für Ergo- und PhysiotherapeutInnen sowie für OrthoptistInnen eine größere Rolle spielen. Aufgrund der breiten Einsatzmöglichkeiten in der Physiotherapie kann hier vertiefendes Wissen in speziellen Tätigkeitsbereichen von Vorteil sein (z.B. Geriatrie, Sport, Gesundheitsförderung).
 
Fachliche und technische Neuerungen
In den technisch ausgerichteten Berufen dieses Berufsfeldes (v.a. RadiologietechnologInnen, OrthoptistInnen, Biomedizinische AnalytikerInnen) ist technisches und rechtliches Wissen notwendig, und dieses sollte immer auf aktuellstem Stand gehalten werden (z.B. neue Röntgen- und Magnetresonanzverfahren, Strahlenschutzverordnungen, medizinische Untersuchungsgeräte und Analyseapparate). Lern- und insbesondere Weiterbildungsbereitschaft ist deshalb essentiell. Entsprechende Software- und Hardwarekenntnisse gelten für die angeführten Berufe als Grundvoraussetzung. In besonderem Maße gilt dies für RadiologietechnologInnen, die sich oftmals mit der digitalen Bildnachbearbeitung oder der Fusion verschiedenartiger Bilddaten beschäftigen.
 
Der Fortschritt in der Biomedizin forciert bei einem Teil der AnalytikerInnen den Ausbau des SpezialistInnentums (z.B. Molekularbiologie, Genetik, Reproduktionsmedizin). Forschungskompetenzen sind aber nicht nur hier nachgefragt, sondern gewinnen im gesamten Berufsbereich an Bedeutung. Neben den wissenschaftlichen Kenntnissen sind auch sehr gute Englisch-Kenntnisse für die Auseinandersetzung mit Fachliteratur erforderlich.
 
Geburtsvorbereitung
Die Tätigkeiten von Hebammen werden immer vielfältiger: Viele Frauen wünschen sich eine Betreuung von der ersten Zeit der Schwangerschaft bis zu Hausbesuchen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Daher sollten sie in erster Linie Empathie sowie gute Kommunikations- und Beratungsfähigkeiten in den Beruf mitbringen. Häufige Themen in der Beratung sind z.B. Wahl des Geburtsortes, Stillen, Ernährung, Körperpflege und Sexualität. Eine positive und von Vertrauen geprägte Beziehung zu den Schwangeren ist für eine erfolgreiche Arbeit zentral. Hebammen sollten auch in der Lage sein, in stressigen Situationen Ruhe zu bewahren. Fachliche Kenntnisse in medizinischen Grundlagen, Physiologie, Diagnostik und Pathologie sind ebenfalls wichtig. Für die Arbeit in Krankenanstalten ist Teamfähigkeit gefordert.

 






Bearbeitung: 3s Unternehmensberatung
© AMS Österreich Juni 2019