Arbeitsmarkttrends

Durch technologische Veränderungen entstehen neue Tätigkeiten und Rollenbilder

Im Bankensektor hat sich der Personalabbau etwas verlangsamt. Die Digitalisierung bewirkt die vermehrte Beauftragung von externen DienstleisterInnen. Gleichwohl entstehen neue Tätigkeiten und Rollenbilder z.B. im Bereich des Datenmanagements und der Datenanalyse. Im Bereich Finanz- und Versicherungsleistungen herrscht Fachkräftemangel.
 
Die positive Entwicklung des wirtschaftlichen Umfelds in Österreich und Zentral-, Ost- und Südosteuropa sorgte dafür, dass die Profitabilität der österreichischen Banken auch im ersten Halbjahr 2019 relativ robust blieb. Das Kreditwachstum blieb in Österreich auf vergleichsweise hohem Niveau und in der ersten Jahreshälfte 2019 ebenfalls robust. Im Juni stieg die Anzahl der Unternehmenskredite im Vergleich zu 2018 um 7,2% und die Kredite an private Haushalte um 4,5%. Bei Letzteren wuchsen vor allem die Immobilienkredite stark. Durch das Sinken der Quote notleidender Kredite (NPL) konnte eine Verbesserung der Kreditqualität verzeichnet werden.

Im Bankenbereich führt die Notwendigkeit, Kosten zu reduzieren, zu einer deutlichen Senkung der Beschäftigtenzahlen. Betrachtet man die Banken in allen Sektoren, so hat sich der Rückgang der Beschäftigtenzahl der letzten Jahre etwas verlangsamt. Im Jahr 2019 haben dort insgesamt 73.203 Personen Arbeit gefunden. 2018 waren das noch um 305 Beschäftigte mehr. Wie sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bzw. die für die nächsten Jahre erwartete Rezession auf die Beschäftigung im Bankensektor auswirken werden, ist noch offen. Zu einem Rückgang der Beschäftigung dürfte es – unabhängig von der Coronakrise – voraussichtlich vor allem in den Bereichen KundInnenbetreuung bzw. KundInnenservice für die Bereiche Einzelhandel (Retail), Zahlungsverkehr und Liquiditätssteuerung (Treasury) kommen.

Trotz steigender Erträge reduzieren Banken in Österreich die Zahl ihrer Filialen immer weiter. Das heimische Filialnetz schrumpft um zwei bis drei Prozent pro Jahr. Die MitarbeiterInnenzahl geht zurück, während die Erträge in den vergangenen vier Jahren pro KundIn um 7,2% gestiegen sind. Die Verringerung der Filialenanzahl ist jedoch teilweise auch durch die Digitalisierung bedingt.
 
Die wahrscheinlichste Auswirkung der Digitalisierung auf den Bankensektor ist die vermehrte Beauftragung von externen DienstleisterInnen. Die Unternehmen erbringen immer weniger Dienstleistungen rund um das Finanzgeschäft selber. Durch verstärkte Auslagerungen können sich stärkere Aufsplitterungen der Wertschöpfungskette ergeben. Die dadurch entstehenden Effizienzsteigerungen können den Wettbewerbsdruck allerdings noch weiter intensivieren. Diese Entwicklung könnte sich durch die Coronakrise verschärfen.
 
Vor allem vier technologische Trends beeinflussen die gesamte Wertschöpfungskette der Banken: Artificial Intelligence, biometrische Daten, die Blockchain- bzw. Distributed Ledger-Technologie (dezentrale Datenbank, die TeilnehmerInnen eines Netzwerks eine gemeinsame Schreib- und Leseberechtigung erlaubt) und Cloud Computing. Dadurch entstehen etwa die Möglichkeit der zeit- und ortsunabhängigen Arbeit und neue Arbeitsformen (z.B. Crowd und Remote Working). Darüber hinaus werden in Zukunft vor allem einfache Routinetätigkeiten zunehmend nicht mehr von Menschen durchgeführt. Gleichzeitig entstehen neue Tätigkeiten und Rollenbilder, z.B. im Bereich des Datenmanagements, der Datenanalyse oder des Omnikanal-Managements (Managen unterschiedlicher Vertriebskanäle, z.B. online, mobil, Callcenter, Soziale Medien, etc.). Ebenfalls betroffen ist der Bereich der spezialisierten KundInnenberatung.
 
Eine weitere Veränderung solcher Rollenbilder wird durch die Tatsache hervorgerufen, dass durch die Digitalisierung Finanzdienstleistungen nicht mehr nur von traditionellen Banken angeboten werden können, sondern auch von FinTechs (Start-Ups, kleine bis mittelgroße Firmengründungen), RegTechs (Teilbereich der FinTech-Industrie) und digitalen Plattformen. Neobanken, also Banken, die vollständig digitalisiert sind, d. h. ohne Filialen und auf Mobilgeräte ausgerichtet, sind in ganz Europa nicht mehr aufzuhalten. Vor allem sehr junge KundInnen verwenden solche Angebote – hauptsächlich als Zweitkonto. Das erste Konto liegt nach wie vor bei der Hausbank. Banken müssen sich daher mit den Geschäftsmodellen der neuen MarktteilnehmerInnen vergleichen bzw. Kooperationen eingehen.
 
In der Versicherungsbranche rücken Big-Data-Analysen ins Zentrum datengetriebener Geschäftsmodelle, die die üblichen Versicherungsprozesse optimieren. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen dabei AI-gestützte Cloud-Plattformen (AI bzw. KI: künstliche Intelligenz). Das gilt auch für Risikoprüfungen, die in Zukunft anhand von umfangreichen Profil- und Verhaltensdaten mit Hilfe von prädiktiven (vorhersagenden) Algorithmen durchgeführt werden. Lernfähige Erkennungsalgorithmen helfen Versicherungen auch dabei, Dokumenttypen zu klassifizieren und besonders wichtige Abschnitte zu identifizieren. Sie erkennen Ähnlichkeiten in großen Datensätzen, ohne dass ihnen von außen bestimmte Zielwerte vorgegeben werden (z.B. für die gezielte und optimierte KundInnenansprache). Zunehmende Bedeutung erlangen kundInnenspezifische Bedarfsprognosen: entscheidende Momente im Leben von KundInnen, die für Versicherungen interessant sind, sollen erkannt werden.
 
Je mehr sich Smart-Homes durchsetzen, umso mehr verändern sich auch die Anforderungen an Sachversicherungen. Wieder werden intelligente Algorithmen eingesetzt, die ungewöhnliche Ereignisse erkennen können, indem sie in Sensordaten Auffälligkeiten identifizieren, die von regelmäßigen Mustern abweichen. Versicherungsfälle können so vermieden werden.
 
Auch im Rahmen der Gesundheitsversorgung und -versicherung werden schließlich immer mehr Lösungen entwickelt, die auf neuen Technologien und Datenanalysen basieren. Das sogenannte „Healthy-Living-Konzept“ kombiniert dabei Gesundheitsversicherung und krankheitspräventive Dienstleistungen.
 
Die verrechneten Prämien (direkte Gesamtrechnung) beliefen sich im dritten Quartal 2019 auf 4,07 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bedeutet das eine Erhöhung um +4,67%. Dabei kommt mehr als die Hälfte der Prämien aus der Schaden- und Unfallversicherung. In der Lebensversicherung (inkl. der fonds- und indexgebundenen Lebensversicherung) wurden im selben Quartal 1,24 Milliarden Euro an Prämien eingenommen (+0,84% gegenüber dem Vorjahresquartal).
 
Im März 2020 standen im Bereich „Finanz- und Versicherungsleistungen“ 113.149 unselbständig Beschäftigten 3.968 arbeitslose Personen gegenüber. Weiters waren 6.281 geringfügig beschäftigte ArbeitnehmerInnen zu verzeichnen. Der gleichzeitig in der gesamten Branche vorherrschende Mangel an Fachkräften wird durch neue Konkurrenz aus der Banken- und IT-Branche zusätzlich verstärkt. VersicherungsvertreterInnen erwarten zumindest kurzfristig keinen Abbau von MitarbeiterInnen aufgrund der Coronakrise. Auf die nächsten Monate besehen, bleibt das jedoch abzuwarten.
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Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe Arbeitskräfte-Nachfrage Offene Stellen im eJob-Room Offene Stellen
 
Beschäftigungsprognose und Arbeitskräfte-Nachfrage in Online-Inseraten und AMS
Berufe Beschäftigte Arbeitskräfte-Nachfrage
Bank-, Finanz- und Versicherungswesen Prognose derzeit Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS eJob-Room-Inserate
      Rück blick 2019 2018 2019 2018 aktuell
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Beschäftigte prognostiziert
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Aufgrund der Corona-Krise dzt. keine Einschätzung möglich:
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Beschäftigte derzeit:
Anteil der Beschäftigten innerhalb der Berufsobergruppe
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Arbeitskräfte-Nachfrage Online-Inserate (exkl. eJob-Room) 2019 bzw. 2018
aus: 3s Unternehmensberatung GmbH; Online-Stelleninserateanalyse

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS eJob-Room-Inserate 2019 bzw. 2018
aus: 3s Unternehmensberatung GmbH; Online-Stelleninserateanalyse

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS eJob-Room-Inserate, aktuell:
Anzahl der im AMS-eJob-Room angebotenen Stellen vom 06.08.2020.

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drei Pfeile nach rechtsBetriebswirtIn zwei Pfeile nach rechts Management, Organisation; Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften
drei Pfeile nach rechtsCompliance-ManagerIn zwei Pfeile nach rechts Management, Organisation; Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften
drei Pfeile nach rechtsFinanzmanagerIn zwei Pfeile nach rechts Management, Organisation
drei Pfeile nach rechtsJuristIn zwei Pfeile nach rechts Recht; Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften
drei Pfeile nach rechtsVersicherungskaufmann/-frau zwei Pfeile nach rechts Industrie- und Gewerbekaufleute; Verkaufsaußendienst, Verkaufsvermittlung


 

Kompetenztrends

Die Anforderungen in der KundInnenbetreuung ändern sich

Sowohl im Bank- als auch im Versicherungswesen sind aufgrund der Digitalisierung Kenntnisse in Datenschutz, Cybersecurity und Risikosteuerung besonders wichtig. Die Anforderungen hängen jedoch von der Größe des Unternehmens ... [mehr] Mehr Informationen anzeigen

 
Beschäftigungsprognose und Offene Stellen in Printmedien und AMS
Fachliche berufliche Kompetenzen Prognose Bedeutung am Arbeitsmarkt
drei Pfeile nach rechtsNeukundInnenakquisition zwei Pfeile nach oben 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsRisk-Management Pfeil nach oben 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsEnglisch Pfeil nach oben 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsInvestmentbanking Pfeil nach oben 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsStatistikkenntnisse Pfeil nach oben 1 Quadrat
drei Pfeile nach rechtsKenntnis berufsspezifischer Rechtsgrundlagen Pfeil nach oben 1 Quadrat
drei Pfeile nach rechtsFinanzmathematik Pfeil nach oben 1 Quadrat
drei Pfeile nach rechtsEDV-Anwendungskenntnisse Pfeil gleichbleibend 3 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsKundInnenbetreuungskenntnisse Pfeil gleichbleibend 3 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsVersicherungskenntnisse Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsVerkaufskenntnisse Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsRechnungswesen-Kenntnisse Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsBetriebswirtschaftskenntnisse Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsFinanzierungsberatung Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsFinanzmarktanalyse Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat
drei Pfeile nach rechtsBörsenhandel Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat
drei Pfeile nach rechtsAktienanalyse Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat
drei Pfeile nach rechtsE-Commerce-Kenntnisse Pfeil nach unten 3 Quadrate


Beschäftigungsprognose und Offene Stellen in Printmedien und AMS
Überfachliche berufliche Kompetenzen Prognose Bedeutung am Arbeitsmarkt
drei Pfeile nach rechtsKommunikationsstärke Pfeil nach oben 3 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsAnalytische Fähigkeiten Pfeil nach oben 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsGutes Auftreten Pfeil gleichbleibend 3 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsLernbereitschaft Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsDiskretion Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsServiceorientierung Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate


Beschäftigungsprognose und Offene Stellen in Printmedien und AMS
Zertifikate und Ausbildungsabschlüsse Prognose Bedeutung am Arbeitsmarkt
drei Pfeile nach rechtsAusbildung zum/zur Finanzanalysten/Finanzanalystin Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsBÖV-Zertifikat Versicherungsfachmann/-frau Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate
drei Pfeile nach rechtsCertified Financial Planner Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat
drei Pfeile nach rechtsCertified Fraud Examiner Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat
drei Pfeile nach rechtsCertified Internal Auditor Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat
drei Pfeile nach rechtsCertified Public Accountant Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat


Prognose für das Jahr 2023:
steigend
zwei Pfeile nach oben
tendenziell steigend
Pfeil nach oben
gleichbleibend
Pfeil gleichbleibend
tendenziell sinkend
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sinkend
zwei Pfeile nach unten
Aufgrund der Corona-Krise dzt. keine Einschätzung möglich:
keine Angabe
Fragezeichen Symbol
Bedeutung am Arbeitsmarkt:
hoch
3 Quadrate
mittel
2 Quadrate
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1 Quadrat
© AMS Österreich Juli 2020