BERUFE

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TRENDS IN DER BERUFSOBERGRUPPE

ein Pfeil nach rechts_alt_20150702_Soziales, Erziehung und Bildung zwei Pfeile nach rechts_alt_20150702_Kindererziehung und -betreuung

Arbeitsmarkttrends

Sehr gute Arbeitsmarktchancen durch den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen

Der seit langem bestehenden Forderung nach einem Ausbau der Kinderbetreuungsplätze scheinen nunmehr auch auf politischer Ebene entsprechende Maßnahmen zu folgen. Daher ist mit einem erhöhten Personalbedarf bei KindergartenpädagogInnen zu rechnen. Doch weiterhin wird ein Teil des Bedarfs auch durch Tageseltern gedeckt werden.
 
Der Bedarf an KindergartenpädagogInnen, KindergartenhelferInnen und GruppenbetreuerInnen erhöht sich kontinuierlich, die Arbeitsmarktchancen steigen weiterhin. Allein in Wien wird von einem zusätzlichen Bedarf von mehreren hundert Fachkräften ausgegangen. Die Einigung auf ein Kinderbetreuungsgesetz im April 2014 umfasst neben der Ausschüttung von 350 Millionen Euro zum Ausbau von Betreuungsplätzen auch flexiblere Öffnungszeiten, einen besseren Betreuungsschlüssel und das Betreuungsziel von 33 % für Unter-Dreijährige.
 
Kinderbetreuungsquote steigt
Der Personalbedarf beruht generell auf einer gestiegenen Kinderbetreuungsquote (d.h. der Anteil der in Kindertagesheimen betreuten Kinder im Vergleich zur gleichaltrigen Wohnbevölkerung), die insbesondere auf die verstärkte Berufstätigkeit von Frauen zurückzuführen ist. Im Jahr 2013 lag die Kinderbetreuungsquote bei den drei- bis sechsjährigen Kindern bei 93 %. Lediglich 2 % davon beliefen sich auf eine Betreuung durch Tageseltern, die übrigen 91 % fielen auf institutionelle Betreuung (v.a. in Kindergärten). Im Vergleich zu 2008 war insgesamt eine Steigerung um knapp 4 Prozentpunkte zu verzeichnen. Bei den Unter-Dreijährigen ist die Betreuungsquote durch Tageseltern wesentlich niedriger, sie stieg jedoch in den letzten Jahren stärker an: Lag sie 2008 noch bei gut 16 %, so betrug sie 2013 insgesamt 25 %, was einer Steigerung von 9 Prozentpunkten entspricht. Dennoch besteht gerade bei der Betreuung von Unter-Dreijährigen im EU-Vergleich noch Aufholbedarf. Desweiteren hat sich die durchschnittliche Anzahl der Schließtage in den letzten Jahren stark reduziert: Waren die Kindergärten im städtischen Raum im Jahr 2003 noch durchschnittlich 43 Tage geschlossen, so waren es zehn Jahre später nur noch 30 Tage.
 
Der gestiegene Personalbedarf bezieht sich auf alle Arten von Kinderbetreuungseinrichtungen. Zwischen 2005/06 und 2013/2014 ist das Personal bei allen Kindertagesheimen um gut 42 % (2013/2014: über 53.000 Beschäftigte), bei Krippen sogar um knapp 77 % (2013/2014: 7.200 Beschäftigte) gestiegen. Der Personalstand bei altersgemischten Kinderbetreuungseinrichtungen hat sich in diesem Zeitraum mit einem Plus von knapp 3.300 Beschäftigten mehr als verdoppelt (2013/2014: 5.700 Beschäftigte).
 
Erhaltung von Kinderbetreuungseinrichtungen
Auch die Ausgestaltung und die Kosten der Kinderbetreuung sind in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt. Über 60 % der Kinderbetreuungseinrichtungen werden von der öffentlichen Hand, insbesondere von den Gemeinden, erhalten. Sonstige ErhalterInnen sind Vereine und kirchliche Institutionen.
 
Vermehrt gesucht werden auch SozialpädagogInnen, denn Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen nehmen ebenso zu (auch wenn z.B. bei ADHS mitunter Fehldiagnosen gestellt werden) wie die Zahl der Familien in sozialen Problemlagen. Eine hohe Fluktuationsrate, Teilzeitstellen, unregelmäßige Arbeitszeiten und SpringerInnendienste sind weit verbreitete Phänomene im Berufsfeld. Dies sowie die hohe psychische und physische Beanspruchung, geringe Entlohnung und schlechte Karriereperspektiven führen dazu, dass nur rund ein Drittel der ausgebildeten KindergartenpädagogInnen tatsächlich den Beruf ausübt.
 
Auch der geringe Anteil an männlichen Beschäftigten ist auf diese Faktoren sowie auf die Entscheidungsfindung für den Beruf im Alter von 14 Jahren zurückzuführen: So waren im Schuljahr 2013/2014 von insgesamt rund 53.500 KinderbetreuerInnen nur rund 1.100 bzw. 2 % männlich. Aus diesem Grund sollen in den nächsten Jahren Imagekampagnen gestartet werden, welche darauf abzielen speziell männliches Personal vermehrt anzuwerben.
 
Gegenwärtig wird über eine Kindergartenpflicht für Vierjährige mit sprachlichen Schwierigkeiten (insgesamt hat etwa jedes vierte Kindergartenkind sprachlichen Förderbedarf) diskutiert. Arbeitskräfte mit einer anderen Umgangssprache als Deutsch sind jedoch derzeit noch stark unterrepräsentiert.
 
Immer mehr Unternehmen erkennen die Vorteile von Betriebskindergärten bzw. -Krippen, nicht nur für die MitarbeiterInnen (u.a. bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf), sondern auch für die Betriebe selbst (v.a. Steigerung der Produktivität durch geringere Mitarbeiterfluktuation). Dieser Trend trägt wiederum zur Erhöhung des Bedarfs an KinderbetreuerInnen bei, ebenso wie zur Erschließung neuer beruflicher Tätigkeitsorte für diese Berufsgruppe.

Kurztext

 


 

Kompetenztrends

Gefragt: Stressresistenz, interkulturelle Kompetenzen, frühkindliche Förderung

Trotz der Nichtberücksichtigung der KindergärtnerInnen in der neuen LehrerInnenausbildung nimmt auch in diesem Berufsfeld die Professionalisierung zu. Dies bezieht sich u.a. auf Fragen der Teamarbeit, Stressresistenz und Belastbarkeit sowie auf pädagogische Kernfragen. Leitungsqualifikationen gewinnen darüber hinaus an Bedeutung. Eine Akademisierung der Ausbildung wird derzeit diskutiert.
 
In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind eine gefestigte Persönlichkeitsstruktur, Engagement, Durchsetzungsvermögen und Konsequenz wichtige Anforderungen. Das Berufsfeld ist von Teamarbeit geprägt, die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen sowie die Absprache und Kooperation mit den Eltern, der Jugendwohlfahrt oder der Schule sind die Regel.
 
Weiters werden von den Fachkräften hohe Weiterbildungs- und Reflexionsbereitschaft, Einfühlungsvermögen, Musikalität und Kreativität verlangt. Zusatzqualifikationen in psychosozialer Betreuung und geschlechtssensibler Pädagogik sind ein Vorteil. Interkulturelle Kompetenzen werden dort stärker benötigt, wo Kinder verschiedenster ethnischer Herkunft in einer Gruppe gemeinsam betreut werden. Vermehrt nachgefragt werden auch Kenntnisse in Montessori-Pädagogik. In Folge der steigenden Betreuungsquote bei Kindern bis zwei Jahren wird auch vermehrt eine Zusatzausbildung in Frühpädagogik benötigt. Stark kritisiert wird von den ElementarpädagogInnen, nicht bei der „LehrerInnenausbildung neu“ mitberücksichtigt worden zu sein.
 
Aufgrund der Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen bzw. ihrer verstärkten Wahrnehmung in der Gesellschaft gibt es zusätzlichen Qualifikationsbedarf in der psychosozialen Betreuung. Immer wichtiger werden z.B. Kenntnisse im Umgang mit traumatisierten Kindern, mit Kindern aus Trennungsfamilien oder Kenntnisse im Umgang mit Vernachlässigung bzw. Verwahrlosung. In diesem Zusammenhang wird auch auf Sensibilität und ausgeprägte Beobachtungsgabe Wert gelegt.
 
Von BabysitterInnen wird verstärkt ein mindestens achtstündiger Zertifikatslehrgang in Kinderbetreuung verlangt. Angeboten wird dieser z.B. an Volkshochschulen. Wenn BabysitterInnen eine solche Qualifikation nachweisen können, sind die Kinderbetreuungskosten steuerlich absetzbar.
 
Durch den verpflichtenden Kindergartenbesuch soll eventuell vorhandenen Sprachproblemen vor der Einschulung begegnet werden. Derzeit diskutiert wird eine Ausweitung dieser Maßnahme auf Vierjährige mit Sprachproblemen, was einen entsprechenden Einstufungstest für Dreieinhalbjährige mit sich brächte. Das bereits eingeführte Kindergartenjahr für Fünfjährige betraf 2013 z.B. in Wien rund 1.800 Kinder (10 % der eingeschriebenen ErstklasslerInnen). Weiterhin ist damit von einer erhöhten Nachfrage an Zusatzqualifikationen in frühkindlicher Sprachförderung auszugehen.
 
Von Personen, die Leitungsfunktionen besetzen, wird neben betriebswirtschaftlichen Kenntnissen und Führungskompetenzen vor allem auch kostenbewusster Ressourceneinsatz verlangt. Auch Personalführungskenntnisse sind in einem sensiblen Bereich wie der Kinderbetreuung zentral.
 
Sollte in naher Zukunft die viel debattierte Akademisierung der Ausbildung von KindergärtnerInnen beschlossen werden, hätte dies Auswirkungen auf die Qualifikationen und Kompetenzen von KindergärtnerInnen. So würde dies etwa einen Bedeutungsgewinn von wissenschaftlichem Wissen und methodischen Ansätzen mit sich bringen. Obwohl in allen OECD-Staaten außer Österreich und der Slowakei die KindergärtnerInnen-Ausbildung akademisch ist, also an Hochschulen stattfindet, ist nicht absehbar, ob bzw. wann dies in Österreich der Fall sein wird.

Kurztext

 






© AMS Österreich Juni 2019