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Gesundheit und Medizin Gesundheits- und Krankenpflege
 
Arbeitsmarkttrends

Gesundheits- und Krankenpflegeberufe weiterhin stark nachgefragt

In Österreich wird die Kluft zwischen dem Angebot und der Nachfrage an diplomierten Pflegekräften immer größer; offene Stellen können oftmals nicht besetzt werden, da qualifiziertes Personal rar ist. Aufgrund verschiedener Einflussfaktoren (z.B. Anstieg von AlterspatientInnen) bestehen aus heutiger Sicht langfristig sehr gute Zukunftsaussichten.
 
Im Jahr 2012 verzeichneten sowohl diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen als auch PflegehelferInnen in den österreichischen Krankenhäusern ein Beschäftigungsplus von jeweils 2,7 % gegenüber dem Vergleichsjahr 2009. Der Großteil der insgesamt rund 66.000 Beschäftigten in diesem Bereich ist weiblich (85 %).
 
Großer Pflegebedarf
Die Pflegeberufe haben in der Bevölkerung ein sehr gutes Image, gleichzeitig gibt es aber aufgrund der hohen Belastungen ein relativ geringes Interesse, Berufe in diesem Bereich selbst auszuüben. Diese Tatsache trägt ebenso zum – laut Hilfsorganisationen „eklatanten“ – Mangel an Pflegefachkräften bei, wie auf der anderen Seite die Zunahme der Zahl älterer Menschen sowie die Fortschritte der modernen Medizin. Weiters gehen familiäre Betreuungskapazitäten zurück, wodurch außerhäusliche Pflegedienstleistungen, aber auch die Hauskrankenpflege verstärkt nachgefragt werden. Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte können daher nach wie vor mit sehr guten Beschäftigungsmöglichkeiten rechnen. Sie gehören zu jenen Berufsgruppen, für die in den nächsten Jahren die stärksten Beschäftigungszuwachse prognostiziert werden. Dies gilt nicht nur für Österreich, sondern für den gesamten europäischen Raum.
 
Eine große Nachfrage herrscht v.a. in der Altenpflege, in der Langzeitbetreuung und im stationären Bereich. Die Frage nach der Finanzierung des Pflegebedarfs steht immer wieder im Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen. Der ursprünglich für die Jahre 2011 bis 2014 eingerichtete und mit 685 Mio. Euro dotierte „Pflegefonds“ wurden inzwischen zumindest bis 2016 verlängert. Dadurch fließen in den nächsten Jahren weitere 650 Mio. Euro in das Pflegesystem. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die Pflegekosten weiterhin enorm ansteigen werden, wird an einer langfristigen Lösung dieser Problematik gearbeitet. Dadurch soll zum einen die Qualität der Betreuung sichergestellt und zum anderen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in diesem Bereich erreicht werden.
 
Anstehende Pensionierungen werden den Personalbedarf insgesamt weiter erhöhen, auch wenn aufgrund von Einsparungsvorgaben möglicherweise nicht alle Stellen nachbesetzt werden. Es zeichnet sich auch ein Trend dahingehend ab, dass sich das zahlenmäßige Verhältnis von diplomierten Krankenpflegepersonen und PflegehelferInnen in Betreuungsteams tendenziell in Richtung der letzteren Berufsgruppe verschieben wird, weil dadurch Kosten eingespart werden können.
 
Arbeitsbedingungen
Aufgrund von Personalknappheit können viele diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen ihren Arbeitsplatz auswählen. Noch ziehen sie tendenziell Stellen in Krankenhäusern der mobilen (Hauskranken-)Pflege und den Alten- und Pflegeheimen vor, da sie dort attraktivere Rahmenbedingungen vorfinden (z.B. bessere Bezahlung, abwechslungsreiche und verantwortungsvolle Tätigkeiten, Spezialisierungsmöglichkeiten, Karrierechancen). Aber auch in den Krankenanstalten sind die Arbeitsbedingungen nicht einfach: Das mangels Personal oftmals hohe Ausmaß an Arbeitswochenstunden und die hohen PatientInnenzahlen machen die Gesundheits- und Krankenpflege zu einem klassischen „Burn-Out-Beruf“ mit hoher Fluktuation.
 
Im Bereich der Hauskrankenpflege besteht die Möglichkeit, das Gewerbe „Personenbetreuung“ anzumelden und selbstständig auszuüben. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen sollen v.a. die 24-Stunden-Betreuung leistbar machen und unter bestimmten Voraussetzungen die illegale Pflege legalisieren. Im Juli 2013 waren rund 43.200 angemeldete PersonenbetreuerInnen aktiv.
 
Der Pflegeberuf ist nach wie vor sehr stark frauendominiert: Nur 22 % der PflegehelferInnen und 14 % des diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonals in Krankenhäusern sind männlich (Stand: 2012), wobei der höchste Männeranteil mit 34 % bei den diplomierten psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflegekräften festzustellen ist.




 
Berufe Beschäftigte Offene Stellen
Gesundheits- und Krankenpflege prognostiziert derzeit Printmedien AMS
      2013 2012 2013 2012 aktuell online
Dipl. Gesundheits- und Krankenpfleger/-schwester 1.7282.280 3.1243.122 -
PflegehelferIn 610983 2.7122.635 -
Dipl. psychiatrischeR Gesundheits- und Krankenpfleger/-schwester 102180 100109 -
Dipl. Kinderkrankenpfleger/-schwester 12677 7452 -


Offene Stellen im eJob-Room




Beschäftigte prognostiziert
für das Jahr 2016:
steigend
tendenziell steigend
gleichbleibend
tendenziell sinkend
sinkend
Beschäftigte derzeit: Anteil der Beschäftigten innerhalb des Berufsfeldes hoch
mittel
niedrig
Offene Stellen in Printmedien 2013 und 2012
aus: AMS/GfK Austria; Stellenanzeigenanalysen 2013 bzw. 2012.

Offene Stellen AMS 2013 und 2012
aus: AMS Statistik; beim AMS gemeldete freie Stellen, Gesamtjahr 2013 bzw. 2012.

Offene Stellen AMS, aktuell online:
Anzahl der im AMS-eJob-Room angebotenen Stellen vom 30.09.2013.
Job suchen: Klicken Sie auf die AMS-Maus!


 
Diese Berufe finden Sie (auch) ... ... in diesen Berufsfeldern
PflegehelferIn Soziale Betreuung, Beratung und Therapie


 
Qualifikationstrends

Akademisierung der Pflege schreitet voran

Inzwischen kann die Ausbildung zum allgemeinen diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeberuf auch an Fachhochschulen absolviert werden. Wissenschaftliche Pflegekompetenzen rücken dadurch in den Vordergrund. Wichtig sind weiterhin Empathie, hohe Belastbarkeit, kostenbewusstes Denken und effiziente Ressourcenplanung.
 
Ausbildungssituation
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte können derzeit sowohl an den entsprechenden Schulen als auch auf Hochschulniveau ausgebildet werden. In einigen Jahren wird eine EU-Richtlinie in Kraft treten, welche die Matura als Voraussetzung für den gehobenen Gesundheits- und Krankenpflegedienst vorsieht.
 
Steigende Anforderungen in allen Bereichen
Grundlegende Anforderungen an Gesundheits- und Krankenpflegepersonen sind Freude am Umgang mit Menschen, Einfühlungsvermögen, körperliche und psychische Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein sowie Bereitschaft zu Nacht-, Sonntags- und Feiertagsdiensten. Die Ansprüche an Pflegeberufe sind in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen: Verlangt wird eine stärkere Umsetzungskompetenz im Pflegeprozess (z.B. Optimierung von Handlungsabläufen: Anamnese, Pflegediagnose). Darüber hinaus werden auf allen Ebenen Weiterbildungen und Spezialisierungen nachgefragt (z.B. Evidenzbasierte Pflege, Intensivpflege, Hygiene, im leitenden Bereich fundierte Pflegemanagementkenntnisse). Durch die zunehmenden Kompetenzen entwickelt sich der Beruf dadurch auch immer mehr von der Assistenz für ÄrztInnen hin zur eigenständigen Profession. Seit dem Jahr 2012 können diplomierte Pflegefachkräfte mit entsprechender Ausbildung Begutachtungen vornehmen, auf deren Grundlage über Anträge auf Erhöhung des Pflegegeldes entschieden wird.
 
Im Umgang mit den PatientInnen nimmt die so genannte „Individualbetreuung“ einen immer größeren Stellenwert ein. Das Pflegepersonal soll auf die PatientInnen eingehen und sich in sie einfühlen können. Allerdings verhindert die hohe Zahl an zu betreuenden Personen oftmals die Umsetzung dieses Ideals – insbesondere in der mobilen Alten- und Krankenpflege. Trotz des Zeitdrucks ist bei älteren und hoch betagten Menschen ein gewisses Maß an Geduld sowie Verständnis für altersbedingte Erkrankungen (z.B. Demenz) gefragt. Weiters ist im Kontakt mit PatientInnen, die aus anderen Ländern bzw. Kulturen stammen, Sensibilität gegenüber deren Bedürfnissen bezüglich Hygiene, religiösen Ritualen und anderen bedeutenden Aspekten mitzubringen.
 
Typischerweise sind die Pflegeberufe mit hohen physischen und psychischen Beanspruchungen konfrontiert, weshalb zum einen z.B. die Kenntnis von Hebetechniken und zum anderen v.a. Coping-Strategien (Strategien zum Umgang mit Belastungen) sowie Supervision (therapeutische Beratung bezüglich Problematiken im Berufsalltag) einen entscheidenden Stellenwert einnehmen, um die eigene physische und psychische Gesundheit erhalten zu können und so einem Burn-out vorzubeugen.
 
Spezialwissen
Durch den Trend zu kürzeren Verweildauern in Krankenhäusern wird Wissen in verschiedene Richtungen benötigt: Spezialwissen in der Überleitungspflege und im Schnittstellenmanagement (fachgerechte Übermittlung der PatientInnen in eine andere Einrichtung, Case- und Caremanagement) sowie bereichsübergreifendes Denken gewinnen an Bedeutung.
 
Die Zunahme der Häufigkeit chronischer Erkrankungen (z.B. Diabetes, Atemwegserkrankungen, Krebserkrankungen) stellt eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem im Allgemeinen sowie für das Fachpflegepersonal dar. Daher werden spezielle Pflegekenntnisse in diesem Bereich, die Einbindung der Angehörigen sowie die Pflegeberatung hinsichtlich präventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen wichtiger. Auch Kenntnisse im Einsatz technischer Hilfsmittel wie z.B. Notrufarmbänder oder Erinnerungssysteme für die Medikamenteneinnahme sowie im Umgang mit grundlegenden EDV-Anwendungen rücken in den Vordergrund.




 
Fachliche Qualifikationen Prognose Bedeutung am Arbeitsmarkt
Kenntnis berufsspezifischer Rechtsgrundlagen
Medizinische Informations- und Dokumentationssysteme
Gesundheitsförderung
Kenntnis wissenschaftlicher Arbeitsmethoden
Qualitätsmanagement-Kenntnisse
Krankenpflege und Geburtshilfe
Medizinische Grundkenntnisse


Überfachliche Qualifikationen Prognose Bedeutung am Arbeitsmarkt
Hohes Einfühlungsvermögen
Interkulturelle Kompetenz
Einsatzbereitschaft
Körperliche Belastbarkeit
Bereitschaft zu Weiterbildung
Freundlichkeit
Frustrationstoleranz
Kommunikationsstärke
Verantwortungsgefühl


Prognose für das Jahr 2016: steigend
tendenziell steigend
gleichbleibend
tendenziell sinkend
sinkend
Bedeutung am Arbeitsmarkt:   hoch
mittel
niedrig
Bearbeitung: 3s Unternehmensberatung
© AMS Österreich November 2013
Quellen zum Berufsbereich     Quellen zum Berufsfeld