Berufe

Auswahllisten:

Pfeilsystematisch   Pfeil graualphabetisch

TRENDS IN DER BERUFSOBERGRUPPE

ein Pfeil nach rechts_alt_20150702_Gesundheit und Medizin zwei Pfeile nach rechts_alt_20150702_Gesundheits- und Krankenpflege

Arbeitsmarkttrends

Gesundheits- und Krankenpflegeberufe weiterhin nachgefragt

Aufgrund verschiedener Einflussfaktoren (z.B. Anstieg von AlterspatientInnen) bestehen in diesem Berufsfeld aus heutiger Sicht langfristig gute Beschäftigungsaussichten; offene Stellen können teilweise nicht besetzt werden, da qualifiziertes Personal rar ist.
 
Beschäftigungszahlen
Der Personalstand an diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegekräften stieg in den österreichischen Krankenhäusern in den letzten zehn Jahren stark an und betrug 2013 rund 56.700 Personen. Gegenüber 2003 war ein Beschäftigungsplus von 23 % zu verzeichnen. Bei den PflegehelferInnen erhöhte sich der Personalstand mit 4,2% im selben Zeitraum weitaus weniger stark (2013: rund 10.000 Personen). Im Gesundheits- und Krankenpflegebereich sind überwiegend Frauen tätig: 86 % der gehobenen Gesundheits- und Krankenpflegekräfte und 79 % der PflegehelferInnen sind weiblich.
 
Großer Pflegebedarf
Nach Meinung von ExpertInnen können die jüngsten Meldungen über die überdurchschnittlich ansteigende Zahl der als arbeitsuchend gemeldeten Pflegekräfte nicht als Absage des Pflegekräftemangels interpretiert werden. Die Arbeitslosenzahlen werden u.a. damit erklärt, dass viele Beschäftigte aus dem Berufsfeld aussteigen, weil sie mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden sind. Der Pflege- und Personalbedarf wird aufgrund der Zunahme der Zahl älterer Menschen sowie der Fortschritte der modernen Medizin ansteigen. Weiters gehen familiäre Betreuungskapazitäten zurück, wodurch außerhäusliche Pflegedienstleistungen, aber auch die Hauskrankenpflege verstärkt nachgefragt werden. Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte können daher nach wie vor mit sehr guten Beschäftigungsmöglichkeiten rechnen. Sie gehören zu jenen Berufsgruppen, für die in den nächsten Jahren die stärksten Beschäftigungszuwachse prognostiziert werden. Dies gilt nicht nur für Österreich, sondern für den gesamten europäischen Raum. In Österreich werden anstehende Pensionierungen den Personalbedarf insgesamt weiter erhöhen, auch wenn aufgrund von Einsparungsvorgaben möglicherweise nicht alle Stellen nachbesetzt werden. Das zahlenmäßige Verhältnis von diplomierten Krankenpflegepersonen und PflegehelferInnen in Betreuungsteams könnte sich tendenziell in Richtung der letzteren Berufsgruppe verschieben, weil dadurch Kosten eingespart werden können.
 
Die größte Nachfrage herrscht in der Pflege von alten Menschen, in der Langzeitpflege und im stationären Bereich. Parallel zur Lebenserwartung steigt auch die Anzahl der Menschen, die an Demenz erkranken: Laut einer Prognose der WHO werden im Jahr 2030 um 40 % mehr Demenzkranke in Europa leben als im Jahr 2010. Neben anderen im Gesundheitsbereich tätigen Berufsgruppen sind es v.a. Pflegekräfte, die angesichts dieser Entwicklung zunehmend gebraucht werden.
 
Vermehrt 24-Stunden-Pflege
Im Jahr 2014 bezogen knapp 21.000 Personen eine Förderung für die 24-Stunden-Pflege. Im Vergleich zum Jahr 2010 hat sich die Anzahl der Inanspruchnahmen mehr als verdoppelt. Von den rund 51.000 freiberuflichen PersonenbetreuerInnen in Österreich sind die meisten in der 24-Stunden-Pflege tätig. Viele davon stammen aus Osteuropa. Es ist davon auszugehen, dass sich der Trend hin zur häuslichen Pflege im Beobachtungszeitraum bis 2018 fortsetzt.
 
Finanzierung
Die Frage nach der Finanzierung des Pflegebedarfs steht immer wieder im Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen. Der ursprünglich für die Jahre 2011 bis 2014 eingerichtete und mit 685 Mio. Euro dotierte „Pflegefonds“ wurden inzwischen zumindest bis 2016 verlängert. Dadurch fließen in den nächsten Jahren weitere 650 Mio. Euro in das Pflegesystem. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die Pflegekosten weiterhin enorm ansteigen werden, wird an einer langfristigen Lösung dieser Problematik gearbeitet. Dadurch soll zum einen die Qualität der Betreuung sichergestellt und zum anderen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in diesem Bereich erreicht werden.
 
Prekäre Arbeitsbedingungen
Noch werden Stellen in Krankenhäusern Stellen in der mobilen (Hauskranken-)Pflege und den Alten- und Pflegeheimen tendenziell vorgezogen, da dort vergleichsweise attraktivere Rahmenbedingungen herrschen (z.B. bessere Bezahlung, abwechslungsreiche und verantwortungsvolle Tätigkeiten, Spezialisierungsmöglichkeiten, Karrierechancen). Aber auch in den Krankenanstalten sind die Arbeitsbedingungen schwierig: Hohe körperliche und psychische Arbeitsanforderungen gepaart mit häufigen Überstunden, Stress und vergleichsweise geringer Entlohnung machen die Gesundheits- und Krankenpflege zu einem klassischen „Burn-Out-Beruf“ mit hoher Fluktuation. Die Verweildauern in den Pflegeberufen sinken ebenso wie die Bereitschaft junger Menschen, sich in einem dieser Berufe ausbilden zu lassen.

Kurztext

 


 

Kompetenztrends

Akademisierung der Pflege schreitet voran

Inzwischen kann die Ausbildung in der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege auch an Fachhochschulen absolviert werden. Wissenschaftliche Pflegekompetenzen rücken dadurch in den Vordergrund. Dennoch sind weiterhin Empathie, hohe Belastbarkeit, kostenbewusstes Denken und effiziente Ressourcenplanung besonders wichtig.
 
Steigende Anforderungen in allen Bereichen
Grundlegende Anforderungen an Gesundheits- und Krankenpflegepersonen sind Freude am Umgang mit Menschen, Einfühlungsvermögen, körperliche und psychische Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein sowie Bereitschaft zu Nacht-, Sonntags- und Feiertagsdiensten. Ein gewisses Maß an Flexibilität wird erwartet. Diese spielt aber nicht nur bei den Pflegekräften selbst, sondern auch bei den arbeitgebenden Einrichtungen eine Rolle. Vor allem in größeren Institutionen ist es oftmals möglich, flexible Arbeitszeitkontingente zu vereinbaren.
 
Die Ansprüche an Pflegeberufe sind in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen: Verlangt wird eine stärkere Umsetzungskompetenz im Pflegeprozess (z.B. Optimierung von Handlungsabläufen bei Anamnese und Pflegediagnose). Darüber hinaus werden auf allen Ebenen Weiterbildungen und Spezialisierungen nachgefragt (z.B. Evidenzbasierte Pflege, Intensivpflege, Hygiene, im leitenden Bereich: fundierte Pflegemanagementkenntnisse). Durch die zunehmenden Kompetenzen entwickelt sich der Beruf dadurch auch immer mehr von der Assistenz für ÄrztInnen hin zur eigenständigen Profession. Seit dem Jahr 2012 können diplomierte Pflegefachkräfte mit entsprechender Ausbildung Begutachtungen vornehmen, auf deren Grundlage über Anträge auf Erhöhung des Pflegegeldes entschieden wird.
 
Im Umgang mit den PatientInnen nimmt die so genannte „Individualbetreuung“ einen immer größeren Stellenwert ein. Das Pflegepersonal soll auf die PatientInnen eingehen und sich in sie einfühlen können. Allerdings verhindert die hohe Zahl an zu betreuenden Personen oftmals die Umsetzung dieses Ideals – insbesondere in der mobilen Alten- und Krankenpflege. Trotz des Zeitdrucks ist ein gewisses Maß an Geduld sowie Verständnis für ältere und hochbetagte Menschen mit altersbedingten Erkrankungen (z.B. Demenz) gefragt. Weiters ist im Kontakt mit PatientInnen, die aus anderen Ländern bzw. Kulturen stammen, Sensibilität gegenüber deren Bedürfnissen bezüglich Hygiene, religiösen Ritualen und anderen bedeutenden Praktiken mitzubringen.
 
Typischerweise sind die Pflegeberufe mit hohen physischen und psychischen Beanspruchungen konfrontiert, weshalb zum einen z.B. die Kenntnis von Hebetechniken und zum anderen v.a. Coping-Strategien (Strategien zum Umgang mit Belastungen) sowie Supervision (therapeutische Beratung bezüglich Problematiken im Berufsalltag) einen entscheidenden Stellenwert einnehmen, um die eigene physische und psychische Gesundheit erhalten zu können und so einem Burn-out vorzubeugen.
 
Spezialwissen
Durch den Trend zu kürzeren Verweildauern in Krankenhäusern wird Wissen in verschiedene Richtungen benötigt: Spezialwissen in der Überleitungspflege und im Schnittstellenmanagement (fachgerechte Übermittlung der PatientInnen in eine andere Einrichtung, Case- und Caremanagement) sowie bereichsübergreifendes Denken gewinnen an Bedeutung. Gleiches gilt für fachliche Spezialisierung wie z.B. Wundmanagement oder Schmerztherapie.
 
Die Zunahme der Häufigkeit chronischer Erkrankungen (z.B. Diabetes, Atemwegserkrankungen, Krebserkrankungen) stellt eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem im Allgemeinen sowie für das Pflegepersonal dar. Daher werden spezielle Pflegekenntnisse in diesem Bereich, die Einbindung der Angehörigen sowie die Pflegeberatung hinsichtlich präventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen wichtiger. Auch Kenntnisse im Einsatz technischer Hilfsmittel wie z.B. Notrufarmbänder oder Erinnerungssysteme für die Medikamenteneinnahme sowie im Umgang mit grundlegenden EDV-Anwendungen rücken in den Vordergrund.
 
Ausbildungssituation
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen können derzeit sowohl an den entsprechenden Schulen als auch auf Hochschulniveau ausgebildet werden.

Kurztext

 
Beschäftigungsprognose und Offene Stellen in Printmedien und AMS
Fachliche berufliche Kompetenzen Prognose Bedeutung am Arbeitsmarkt


Beschäftigungsprognose und Offene Stellen in Printmedien und AMS
Überfachliche berufliche Kompetenzen Prognose Bedeutung am Arbeitsmarkt


Beschäftigungsprognose und Offene Stellen in Printmedien und AMS
Zertifikate und Ausbildungsabschlüsse Prognose Bedeutung am Arbeitsmarkt


© AMS Österreich Jänner 2016