BERUFE

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TRENDS IN DER BERUFSOBERGRUPPE

ein Pfeil nach rechts_alt_20150702_Gesundheit und Medizin zwei Pfeile nach rechts_alt_20150702_Ärztliche Berufe

Arbeitsmarkttrends

Stabiles Beschäftigungswachstum bei ÄrztInnen

Die Beschäftigung von ÄrztInnen der Humanmedizin wird weiterhin steigen. Vor allem in ländlichen Gegenden wird ein Mangel an AllgemeinmedizinerInnen (HausärztInnen) befürchtet. Gerade junge ÄrztInnen wagen immer häufiger den Weg ins Ausland, wo sie u.a. höhere Gehälter und eine raschere FachärztInnenausbildung erhalten.
 
Seit Jahren ist bei ÄrztInnen ein kontinuierlicher Beschäftigungsanstieg zu beobachten. Im Jahr 2012 war die Anzahl der berufsausübenden ÄrztInnen um 5,5 % höher als noch drei Jahre zuvor. 33 % der über 41.200 berufsausübenden ÄrztInnen waren AllgemeinmedizinerInnen, 51 % waren FachärztInnen und 16 % befanden sich in Ausbildung (TurnusärztInnen). Mehr als die Hälfte der berufsausübenden ÄrztInnen ist in Krankenanstalten tätig. Von den niedergelassenen ÄrztInnen sind zwei Drittel männlich, der Anteil der weiblichen ÄrztInnen nimmt aber zu (Stand: 2012). Es wird von einer künftigen Umkehrung des Geschlechterverhältnisses ausgegangen.
 
Mit einer Trendfortschreibung des Beschäftigungswachstums bei ÄrztInnen ist zu rechnen. Ausgehend von entsprechenden Studien erwartet die Ärztekammer mittel- bis langfristig sogar einen generellen Mangel an ÄrztInnen. Zwar liegt die ÄrztInnendichte in Österreich über dem OECD-Schnitt, trotzdem gibt es teilweise Versorgungslücken – sowohl in fachlicher als auch in regionaler Hinsicht. Gute Berufsaussichten bestehen z.B. in der (Kinder-)Psychiatrie, in der Chirurgie oder in der Palliativmedizin. Gesucht sind auch HausärztInnen am Land. In den Krankenhäusern wird voraussichtlich weiterer Personalbedarf entstehen, weil die Arbeitszeiten der SpitalsärztInnen auf Druck der EU von derzeit maximal 72 Stunden auf 48 Stunden pro Woche reduziert werden müssen.
 
Bedarf an LandärztInnen
Im ländlichen Raum ergeben sich neue Beschäftigungspotenziale, da bei jungen ÄrztInnen ein rückläufiges Interesse festzustellen ist, eingeführte Praxen von in Ruhestand tretenden LandärztInnen zu übernehmen. Begründet wird dies z.B. mit der – im Vergleich zu FachärztInnen – geringeren Bezahlung sowie mit der Tatsache, dass ÄrztInnen mit Familie die Dienstzeiten (Bereitschafts-, Nacht- und Wochenenddienste) oftmals nicht in Kauf nehmen wollen. Ein neues HausärztInnenmodell sowie entsprechende Anpassungen in der Ausbildung („Lehrpraxis“) sollen diese Tätigkeit attraktiver machen, einem möglichen Versorgungsengpass vorbeugen und die Spitäler entlasten.
 
Während es vor wenigen Jahren v.a. in den Ballungszentren noch lange Wartelisten für Turnusstellen gab, hat sich das Bild nun gewandelt. Sogar in Wien finden angehende ÄrztInnen rasch einen Ausbildungsplatz. In ländlichen Gebieten haben die Spitäler vermehrt Schwierigkeiten, JungmedizinerInnen für freie Stellen zu finden (u.a. in Vorarlberg, Salzburg und Oberösterreich). Nach wie vor gehen angehende ÄrztInnen zum Teil ins benachbarte Ausland (z.B. nach Deutschland), wo sie bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen vorfinden.
 
ZahnärztInnen
Ähnlich wie bei den HumanmedizinerInnen steigt auch bei den ZahnärztInnen die Zahl der Beschäftigten, jedoch in geringerem Ausmaß. Sie sind äußerst selten angestellt und befinden sich als Selbstständige teilweise in einer Konkurrenzsituation mit KollegInnen aus dem In- und Ausland. Im städtischen Raum gibt es bereits sehr viele ZahnärztInnen. Zusätzlich wirkt sich der „Zahnarzttourismus“ in östliche Nachbarländer negativ auf die Umsätze der ZahnärztInnen in den betroffenen Regionen aus. Ein wachsendes Geschäftsfeld stellt der ästhetische Bereich dar (z.B. Bleichen).
 
TierärztInnen
Nach wie vor problematisch ist die Arbeitsmarktsituation für TierärztInnen – v.a. unmittelbar nach dem Studienabschluss. Der Bedarf an Praxen für die Behandlung von Kleintieren, Pferden oder Nutztieren ist weitgehend gedeckt. Der Weg in die Selbstständigkeit ist naturgemäß mit einem gewissen finanziellen Risiko behaftet. Auch, weil zunächst bestimmte Anschaffungen getätigt werden müssen (z.B. Ordinationsräumlichkeiten, Geräte, Labortechnik). Eine Möglichkeit, dieses Risiko etwas zu mindern, ist der gemeinschaftliche Betrieb von TierärztInnenpraxen. Beschäftigungsmöglichkeiten für AbsolventInnen des Veterinärmedizinstudiums bieten sich beispielsweise im nicht-kurativen Bereich. Dazu zählen das öffentliche Veterinärwesen, die Lebensmittelbranche, die Pharmaindustrie und die Forschung.

Kurztext Kurztext

 


 

Kompetenztrends

Stressresistenz unabdingbar, soziale Kompetenzen erwünscht

Die Aneignung des medizinischen Fachwissens bei ÄrztInnen wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Bei den sozialen und persönlichkeitsbezogenen Fähigkeiten im Umgang mit den PatientInnen sowie – in zunehmendem Ausmaß – mit den eigenen Belastbarkeitsgrenzen wird hingegen noch Bedarf geortet.
 
Belastender Arbeitsalltag
Ein Großteil der ÄrztInnen ist hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt. Trotz der Regelung zur Verkürzung der Arbeitszeit müssen vor allem SpitalsärztInnen mit hoher PatientInnenfrequenz, hohem Bürokratieaufwand, Überstunden, Nachtdiensten und nicht zuletzt großer Verantwortung fertig werden. Adäquate Strategien zur Stressbewältigung stellen daher eine Notwendigkeit dar, um Burn-Out zu vermeiden. Neben dem medizinischen Fachwissen werden soziale Kompetenzen verstärkt nachgefragt. So soll z.B. die Kommunikation mit PatientInnen zum einen inhaltlich nachvollziehbar, zum anderen aber auch verständnisvoll und vertrauensbildend sein. Hier wird – trotz entsprechender Lehrveranstaltungen in den Studienplänen – generell noch ein Nachholbedarf festgestellt.
 
Spezialisierung auf bestimmte Fach- und Tätigkeitsbereiche
Das ärztliche Berufsfeld ist durch einen sehr hohen Technologisierungsgrad (z.B. in der Diagnostik) und fortschreitende Spezialisierung gekennzeichnet, weshalb das SpezialistInnentum innerhalb der Fachrichtungen weiterhin zunehmen wird. Gleichzeitig gewinnt die Kommunikation zwischen KollegInnen verschiedener Fachgebiete an Bedeutung. Kenntnisse im Umgang mit medizintechnischen Geräten und Softwaresystemen, die den diagnostischen Prozess unterstützen oder der Dokumentation von Diagnose- und Therapiemaßnahmen dienen, sind unerlässlich (z.B. telemedizinische Anwendungen, „Elektronische Gesundheitsakte“).
 
Niedergelassene AllgemeinmedizinerInnen nehmen typischerweise die Funktion von generalistischen AllrounderInnen und GrundversorgerInnen im ländlichen Bereich ein, da sie dort meist die erste Anlaufstelle für PatientInnen darstellen. Diese Rolle soll durch das neue HausärztInnenmodell verstärkt betont werden. Sie müssen daher einen besonders guten Überblick über alle medizinischen Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten haben und ihr Wissen laufend auf Fortbildungsveranstaltungen aktualisieren. Zudem wird der Gesundheitsvorsorge – und damit u.a. der Ernährungsmedizin – in Zukunft eine höhere Bedeutung zukommen. Der Anteil an älteren und hochbetagten PatientInnen ist bei dieser Berufsgruppe sehr hoch, weshalb hier geriatrisches Spezialwissen (z.B. Langzeitbetreuung bei Diabetes, Multimorbididät, Demenzerkrankungen) von Nutzen ist. Da psychische Erkrankungen immer häufiger werden, ist die Auseinandersetzung mit deren Erscheinungsformen und Symptomatiken wichtig.
 
Neben schulmedizinischem Wissen werden v.a. im privat finanzierten Bereich komplementäre Behandlungsmethoden (z.B. Homöopathie, Akupunktur, Traditionelle Chinesische Medizin) nachgefragt, sodass derartige Zusatzqualifikationen vorteilhaft sind. ÄrztInnen, die z.B. in Krankenanstalten mit entsprechenden Aufgaben betraut sind (z.B. ärztliche Leitung, Qualitätsmanagement, Organisationsentwicklung) benötigen ebenso wie niedergelassene ÄrztInnen entsprechendes Zusatzwissen aus den Bereichen Public Health, Management, Verwaltung und (Betriebs-)Wirtschaft.
 
In der Zahnheilkunde gehören die Teilgebiete Paradontologie, Implantologie und Prothetik sowie Prävention zu den wichtigsten Fachbereichen. Bei der Behandlung von ängstlichen PatientInnen und Kindern ist von ZahnärztInnen besonderes Einfühlungsvermögen erforderlich. Mit einer entsprechenden Spezialisierung kann eine bessere Positionierung am Arbeitsmarkt erreicht werden. Wachstumspotenzial besteht zudem im Bereich Zahnästhetik.
 
Der Trend zum SpezialistInnentum ist auch bei den TierärztInnen zu beobachten. Entsprechendes Fachwissen lässt sich durch Weiterbildungen bzw. durch Praktika während des Studiums erwerben. Für das Führen einer eigenen Praxis sind grundlegende betriebswirtschaftliche Kenntnisse hilfreich. TierärztInnen sollten auch über soziale Kompetenzen im Umgang mit den TierbesitzerInnen verfügen, v.a. im Zusammenhang mit dem Thema Tiereuthanasie.

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© AMS Österreich Juni 2019