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Arbeitsmarkttrends

AkademikerInnen am sichersten vor COVID-19-Auswirkungen

Big Data und Digitalisierung sind Kernelement zukünftiger Entwicklungen. Life Science, Technik, Rechts- und Wirtschaftswissenschaft, aber auch Pädagogik bieten weiterhin die besten Jobchancen. Flexibilität, Mobilität und Internationalität werden immer mehr gefordert. Die Förderquoten steigen, das staatliche Ziel wurde aber nicht erreicht.
 
Arbeitslosenquote stabil
Im Februar 2020 machten AkademikerInnen 3,4% der Arbeitslosen aus, was den Bereich mit der geringsten Arbeitslosigkeit nach Bildungsabschluss darstellt. Dennoch stieg 2019 die Arbeitslosigkeit von AkademikerInnen um 1,7% auf 24.604 (+421), während die allgemeine Arbeitslosenquote um 3,5% zurückging. Auch wenn AkademikerInnen der einzige Bereich sind, in dem die Arbeitslosigkeit stieg, ist die Arbeitslosenquote weiterhin stabil, da es mehr unselbstständig Erwerbstätige mit akademischer Ausbildung gibt. Bildung wird zwar generell als guter Schutz vor einem Leben als „Working Poor“ gesehen, aber selbst bei Personen mit Hochschulabschluss beträgt die Quote der armutsgefährdeten Erwerbstätigen 7%. Die Ursachen dafür sind die prekären Arbeitsverhältnisse in Wissenschaft und Forschung, unter die befristete Projektarbeit auf Teilzeitbasis oder zeitlich begrenzte Forschungsaufträge fallen.
 
Studiengänge mit Zukunftspotenzial
Die besten Jobchancen haben lt. „Bildung auf einen Blick“ (OECD) MedizinerInnen und InformatikerInnen mit einer Beschäftigungsquote von 90%, gefolgt von AbsolventInnen im Ingenieurwesen und im verarbeitenden und Baugewerbe (88%) sowie JuristInnen, WirtschaftswissenschaftlerInnen und PädagogInnen (je 86%). Das Schlusslicht bilden Geistes-, Kultur-, Kommunikations- und SozialwissenschaftlerInnen (81%; Referenzjahr für alle Daten: 2018). Besonders hohe Nachfrage haben in den nächsten Jahren Studiengänge, die sich einerseits mit Digitalisierung bzw. Digital Business beschäftigen, mit Public Health bzw. Bevölkerungswachstum, mit Umwelttechnik bzw. Resources Management oder mit Data Science.
 
Studierendenzahlen an Universitäten sinken weiter, aber weniger drastisch
An den öffentlichen Universitäten sind die Studierendenzahlen im Wintersemester 2019/20 um rund 1,3% zurückgegangen. Damit hält der Trend der sinkenden Studierendenzahlen an Universitäten zwar weiter an, jedoch in einem geringeren Ausmaß als im Jahr davor, als die Zahl der Studierenden um 3,4% schrumpfte. Als Gründe gelten die steigenden Studierendenzahlen an den Fachhochschulen und Privatuniversitäten, die vermehrte Einführung von Aufnahmeverfahren und die sinkenden MaturantInnenzahlen. Mit dem Wintersemester 2019/20 wurden bundesweit neue Aufnahmeverfahren in Erziehungswissenschaft, in Sprachstudien und Jus eingeführt. Auch lokal überlaufene Fächer wie Soziologie, Politikwissenschaften oder Chemie wurden erstmals beschränkt. Die Einführung eines Aufnahmeverfahrens alleine hat viele StudienwerberInnen abgeschreckt, was dazu führte, dass die Aufnahmetests zum Großteil gar nicht stattfanden.
 
Hohe Flexibilität gegen prekäre Arbeitsverhältnisse
In der Wissenschaft ist vor allem eines gefragt: Flexibilität, und das hat durchaus seine Vorteile, wie unter den gesetzlichen COVID-19 Sicherheitsmaßnahmen – Stichwort Homeoffice – ersichtlich wurde. Zunehmend wichtig wird auch Mobilität und Internationalität. Gerade BerufseinsteigerInnen finden sich häufig in atypischen Beschäftigungssituationen wieder, sowohl in universitären als auch in außeruniversitären Strukturen. Dazu zählen befristete Arbeitsstellen, geringfügige Beschäftigungen und Tätigkeiten als „Freie DienstnehmerInnen“ oder „Neue Selbständige“ auf Basis von Werkverträgen. Durch die Kettenvertragsregelung an den Universitäten können ForscherInnen bis zu 12 Jahre lang befristete Arbeitsverträge aneinanderreihen, danach müssen sie die Universität verlassen. Diese Regelung wurde 2019 von der EU-Kommission als EU-rechtswidrig eingestuft. Laut dem neuen Regierungsprogramm soll dies nun reformiert werden. Die maximale Dauer soll gekürzt werden, um frühere Festanstellungen zu fördern. Wie sich dies jedoch genau auf die Betroffenen auswirken wird, lässt sich noch nicht sagen.
 
Größere Schwierigkeiten für Frauen
Obwohl mehr Frauen einen Studienabschluss in der Tasche haben, sind sie in der Wissenschaft immer noch unterrepräsentiert. An der größten außeruniversitären Forschungseinrichtung Österreichs, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), liegt der Frauenanteil bei unter 20%. In Österreich ist nicht nur die Studiendauer besonders lange, es fehlen auch Tenure-Track-Angebote, die dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse zum Ziel haben. Dies führt dazu, dass viele Frauen die Wissenschaft verlassen, während die bleiben, die auf Kinder verzichten. 30% aller Frauen in Österreich mit Universitätsabschluss sind kinderlos, unter Wissenschafterinnen und Professorinnen sogar 45%.
 
Die Vorhaben der neuen Regierung
Nicht nur mehr Budget für Grundlagen- und angewandte Forschung hat sich die neue Regierung vorgenommen, sondern auch eine Strategie für Forschung und Innovation. Ein Forschungsfinanzierungsgesetz mit Wachstumspfad ist wieder verankert. Darüber hinaus wird es wohl eine Exzellenzinitiative geben, die vom FWF abgewickelt werden soll. Neben der Modernisierung der Kettenvertragsregelung sollen auch Internationalität und Interdisziplinarität stärker gefördert werden. Bessere Daten für Studien soll das neue Zentrum für Mikrodaten bringen, außerdem soll ein Zentrum zur Dokumentation von Klimawandel und Beratung etabliert werden. Die Transparenzdatenbank für Forschungsförderung ist jedoch aus der Liste der Vorhaben verschwunden. Ob sich die Coronakrise auf diese Vorhaben auswirken wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt (Mai 2020) noch nicht sagen.
 
Unterstützung für Digitalisierung an Hochschulen
Vom Bildungsministerium (BMBWF) wurden 50 Mio. € im Rahmen der Universitätsfinanzierung der Jahre 2019-2021 explizit dem Thema „Digitale und soziale Transformation“ gewidmet. Um die Digitalisierung von Lehre, Forschung und Administration zu fördern, bekamen 35 Projekte an 21 Universitäten einen Zuschlag und müssen bis Ende 2024 ihre Vorhaben umsetzen.
 
Ziel für Forschungsquote nicht erreicht
Die Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung lagen 2019 bei 12,8 Mio. €, was eine Steigerung von 4,5% zum Vorjahr bedeutet. Die Forschungsausgaben 2019 standen bei 3,19% des BIP, was den höchsten Wert bisher in Österreich bedeutet und den zweithöchsten in Europa hinter Schweden. Der EU-Schnitt liegt bei 2,06%. Dennoch wird Österreich sein 2011 gesetztes Ziel, die Forschungsquote bis 2020 auf 3,76% zu erhöhen, nicht erreichen.
 
AkademikerInnen am geringsten von der Coronakrise betroffen
Während im Februar 2020 die Arbeitslosigkeit bei AkademikerInnen noch um (nur) 1,2% auf 24.766 (+301) Personen im Vergleich zum Vorjahr stieg, waren im April 2020 aufgrund von COVID-19 35.284 Personen arbeitslos, was ein Plus von 11.470 im Vergleich zum April des Vorjahres bedeutet bzw. +48,2%. Eine Studie zeigt jedoch, wie mit steigendem Bildungsabschluss und höherem Einkommen Kurzarbeit und Kündigungen abnehmen: Während 39% der unselbständig Erwerbstätigen mit Pflichtschulabschluss aktuell (Mai 2020) in Kurzarbeit sind, sind es bei Uni-AbsolventInnen nur 17,9%. Ähnlich verläuft die Kurve bei Kündigungen seit Ausbruch von COVID-19: 14,4% der Personen mit Pflichtschulabschluss wurden gekündigt, von AkademikerInnen jedoch lediglich 0,8%. Mit abgeschlossenem Studium können 63,4% Homeoffice betreiben, aber nur 13,9% der PflichtschulabsolventInnen. Unklar ist noch, wie sich die Coronakrise mittelfristig auf Drittmittel und damit auf projektbezogene Beschäftigte auswirken wird.
 
COVID-19 als Wendepunkt für die Wissenschaft
Durch COVID-19 wurde bewusst, wie Wissen aus sehr spezifischen Fachbereichen kurzfristig von enormer gesellschaftlicher Relevanz sein kann. EpidemiologInnen, VirologInnen, (Pandemie-)PsychologInnen, SozialwissenschafterInnen, MathematikerInnen – alle wurden tagtäglich um ihre Einschätzungen gefragt. Durch die Coronakrise erlebt Österreich eine Art positive "Verwissenschaftlichung" der Gesellschaft. Regierung und Opposition lassen sich nun regelmäßig von ExpertInnen beraten und zeigen nicht nur ihren Respekt vor Wissen, Fakten und Kompetenz, sondern geben diesen auch an die Masse weiter. Die Wissenschaft wird eine Aufwertung und Aufrüstung in den Schulen erfahren, junge Menschen werden sich vermehrt für die MINT-Fächer begeistern. Aber auch die Geistes- und Sozialwissenschaften könnten von dieser positiven Stimmung profitieren. Auch wenn die Finanzierung der Wissenschaft immer noch zu wünschen übrig lässt (die unmittelbaren Hilfsmittel, die von der Regierung für die Wirtschaft bereitgestellt werden, betragen 38 Mill. € – mehr als das Hundertfache des jährlichen Budgets des FWF und der ÖAW zusammen), besteht jetzt die Chance, diese Zusammenarbeit mit der Politik und die gestiegene Anerkennung der Bevölkerung für zukünftige Mittel zu nutzen.
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Frauen und Männer am Arbeitsmarkt: Wissenschaft, Bildung, Forschung und Entwicklung

Frauen im Bildungsbereich in der Überzahl; in Forschung und Entwicklung sind mehr Männer

Während im Teilbereich „Forschung und Entwicklung“ mehr Männer als Frauen arbeiten (Frauenanteil: 42,8 %), ist der anteilsmäßig wesentlich größere Bereich „Erziehung und Unterricht“ weiblich dominiert (Frauenanteil: 57,1 %). Insgesamt belaufen sich die Beschäftigungsstände 2014 auf 63.900 Frauen und 51.300 Männer. Der Frauenanteil liegt insgesamt bei 55,5 %.

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Vergleich der Arbeitslosenquote von AkademikerInnen mit der Gesamt-Arbeitslosenquote, 2011 bis 2019
Diagramm
Quelle: AMS Österreich, Abteilung ABI. Grafik: AMS Österreich.

 
Beschäftigungsprognose und Arbeitskräfte-Nachfrage in Online-Inseraten und AMS
... in der Berufsobergruppe Beschäftigte Arbeitskräfte-Nachfrage
Wissenschaft, Bildung, Forschung und Entwicklung Prognose derzeit   Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS eJob-Room-Inserate
    Rück blick 2019 2018 2019 2018 aktuell
zwei Pfeile nach rechts Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften Pfeil nach oben 1 Quadrat Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 834 530 359 423 56 AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechts Technische Forschung und Entwicklung Pfeil nach oben 1 Quadrat Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 1.691 1.682 1.844 2.159 295 AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechts Geistes-, Kultur- und Humanwissenschaften Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 443 159 149 132 67 AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechts Schule, Weiterbildung, Hochschule Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 2.432 3.550 878 833 155 AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechts Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 2.139 1.598 649 588 93 AMS Funkmaus

Beschäftigte prognostiziert
für das Jahr 2023.
steigend
zwei Pfeile nach oben
tendenziell steigend
Pfeil nach oben
gleichbleibend
Pfeil gleichbleibend
tendenziell sinkend
Pfeil nach unten
sinkend
zwei Pfeile nach unten
Aufgrund der Corona-Krise dzt. keine Einschätzung möglich:
keine Angabe
Fragezeichen Symbol
Beschäftigte derzeit:
Anteil der Beschäftigten innerhalb des Berufsbereichs
hoch
3 Quadrate
mittel
2 Quadrate
niedrig
1 Quadrat
Arbeitskräfte-Nachfrage Online-Inserate (exkl. eJob-Room) 2019 bzw. 2018
aus: 3s Unternehmensberatung GmbH; Online-Stelleninserateanalyse

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS eJob-Room-Inserate 2019 bzw. 2018
aus: 3s Unternehmensberatung GmbH; Online-Stelleninserateanalyse

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS eJob-Room-Inserate, aktuell:
Anzahl der im AMS-eJob-Room angebotenen Stellen vom 22.01.2021.
© AMS Österreich Juli 2020