Arbeitsmarkttrends

Unsichere Prognosen für Beschäftigung in Tourismus, Beherbergung und Gastgewerbe

Die Tourismus- und Freizeitbranche hat sich 2019 gut entwickelt. Es kam in allen Wirtschaftsabteilungen zu einem Beschäftigungszuwachs. Mit der Schließung von Gastronomie, Beherbergungs- und Freizeitbetrieben durch die Regierung – ausgelöst durch die steigende Anzahl der Covid-19-Erkrankungen – am 16.03.2020 hat sich die Zahl der Arbeitslosen schlagartig drastisch erhöht.
 
Tourismus als wichtige Säule der heimischen Wirtschaft
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus und der Freizeitwirtschaft in Österreich ist laut Tourismus-Satellitenkonto des WIFO und der Statistik Austria sehr groß. Der direkte Effekt des Tourismus gemessen am BIP lag 2018 bei 8% (entspricht ca. € 30 Mio.). Betrachtet man die gesamte Tourismus- und Freizeitwirtschaft – und berücksichtigt somit auch den nicht-touristischen Freizeitkonsum der ÖsterreicherInnen – beläuft sich der Anteil am BIP 2017 auf rund 16%.
 
Arbeitslosigkeit durch die Covid-19-Krise
Die Arbeitslosenzahlen sind aufgrund der am 16.03.2020 verhängten Schließung der Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe im März sehr stark angestiegen, nämlich bis zum 31.03. um 178%. Am 31.03. waren 97.433 Personen in Beherbergung und Gastronomie arbeitslos gemeldet. Bei Vergleichen mit dem Vormonat und mit dem März 2019 zeigen sich ebenso erschreckende Zuwächse. In der Gastronomie waren im März 2020 62.182 Personen arbeitslos gemeldet (+60% im Vergleich zu Februar 2020; +153,7% im Vergleich zu März 2019). In der Beherbergung gab es 35.491 Arbeitslose (+76% im Vergleich zu Februar 2020; +194,4% im Vergleich zu März 2019). Besonders die tourismusgeprägten Bundesländer sind stark von der Arbeitslosigkeit betroffen. In Tirol hat sie zwischen 15.03. und 31.03.2020 um 218,6% zugenommen und in Salzburg um 142,3%. Auch im Sport und in der Reisegestaltung hat es einen Anstieg gegeben, wobei dieser wesentlich geringer ausgefallen ist (Sport: +30% im Vergleich zu Februar 2020 und +74,4% im Vergleich zu März 2019; Reisegestaltung: +41% im Vergleich zu Februar 2020 und +74,1% im Vergleich zu März 2019). Zusätzlich ist eine große Anzahl von Tourismus- und Gastronomie-MitarbeiterInnen auf Kurzarbeit; die Verkehrsbüro Group z.B. hat alle ihre MitarbeiterInnen im Konzern ab 01.04.2020 für 3 Monate auf Kurzarbeit geschickt. Laut einer Auswertung des Arbeitsmarktes sind 22,4% der Erwerbswilligen in der Beherbergung und Gastronomie beschäftigt, 34,6% in Kurzarbeit (Stand: 22.04.2020) und 28,3% seit März 2020 arbeitslos (Stand: 31.03.2020). 14,7% waren schon davor arbeitslos.
 
Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Tourismuswirtschaft
Der Tourismus ist eine der am stärksten getroffenen Branchen, weil es weder Nachfrage (Grenzschließungen, Angst vor Ansteckung, Einschränkung der Bewegungsfreiheit) noch Angebot (Schließung aller Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe) gibt. In der Vergangenheit hat sich die Verunsicherung bei verschlechterten Sicherheitslagen oder nach Terroranschlägen schnell wieder gelegt, TouristInnen sind rasch zu ihrem Verhalten vor dem Ereignis zurückgekehrt. Außerdem ist der Wunsch nach Ausflügen und Urlaubsreisen ungebrochen. Das ist ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Zeit nach der Covid-19-Krise. Die Zahl der Nächtigungen und Ankünfte wird sich – abhängig von der Dauer der Betriebsschließungen und der Einschränkungen des täglichen Lebens – stark verringern, auch der Tagestourismus ist betroffen. ExpertInnen rechnen mit einem monatlichen Nächtigungsverlust von 5%. Es wird auch davon ausgegangen, dass sich der Inlandtourismus schneller erholen wird als der im Ausland.
 
Unsicherheiten bei der Einschätzung der Entwicklung der Tourismusbranche in den nächsten Monaten ergeben sich durch die steigende Arbeitslosigkeit und das damit verbundene geringere Einkommen, das nicht mehr für Reisen ausreicht. Außerdem haben viele ArbeitnehmerInnen ihren Resturlaub abbauen müssen und können daher keinen langen Urlaub machen. Auch die Dauer der Grenzschließungen in anderen Ländern spielt eine Rolle. Und zu guter Letzt ist derzeit (April 2020) noch nicht absehbar, wie lange die Betriebsschließungen dauern werden. Auch wenn sich ab Herbst 2020 die Nachfrage durch ausländische TouristInnen erholt, werden die Nächtigungen um mindestens 25% niedriger sein als 2019. Geschäftsreisen könnten sich nachhaltig verringern, da durch die Krise Videokonferenzen und andere Technologien eingesetzt wurden und diese auch in Zukunft bevorzugt gegenüber persönlichem Kontakt eingesetzt werden könnten.
 
Begründet durch die erwähnten Unsicherheiten können aktuell kaum Prognosen zur Entwicklung der Tourismuswirtschaft 2020 abgeben werden. Gastronomiebetriebe sollen nach Stand Ende April am 15.05.2020 unter Auflagen wieder öffnen und Beherbergungsbetriebe ab 29.05.2020. Bei den Freizeitbetrieben gibt es Unterschiede. Freizeitsportarten wie z.B. Tennis und Bogenschießen dürfen ab 01.05.2020 durchgeführt werden, Freibäder öffnen erst ab 29.05.2020. Der Zeitplan der Öffnungen hängt allerdings von den Infektionszahlen ab. Für Tourismusbetriebe gewährt die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) einen Haftungsrahmen von 100 Millionen Euro. Außerdem gibt es noch zahlreiche andere Corona-Hilfsfonds der Bundesregierung, z.B. Kurzarbeitsmodell, Notfallfonds und Stundung von Steuerzahlungen.
 
Gestiegene Nächtigungen und Ankünfte 2019 und Anfang 2020
2019 konnten sowohl bei den Nächtigungen als auch bei den Ankünften neue Rekordwerte erreicht werden: Rund 151,9 Mio. Übernachtungen bedeuteten einen Zuwachs von +2,2% gegenüber 2018. 30% der Nächtigungen entfielen auf österreichische UrlauberInnen. Im Kalenderjahr 2019 verzeichnete Österreich ein Plus von 3,3% (entspricht 46 Mio.) bezogen auf die Ankünfte. Im Jänner und Februar 2020 gab es ein Nächtigungsplus von 7,1%. Im Februar gab es 19,7 Mio. Nächtigungen, wovon drei Viertel in den westlichen Bundesländern verzeichnet wurden (Tirol 42,2%, Salzburg 25,2% und Vorarlberg 7,6%). 2019 betrug die Tourismusintensität (Verhältnis der Nächtigungen zu den Einwohnerinnen und Einwohnern) 14,4 Nächtigungen (ohne Privatquartiere) je EinwohnerIn. Das ergibt den vierten Platz im EU-Vergleich hinter Kroatien, Zypern und Malta. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Nächtigungen im März 2020 um 58,9% gesunken sind, wobei es in Wien mit 72,5% den stärksten Rückgang gegeben hat. In der bisherigen Wintersaison 2019/20 (November 2019 bis März 2020) gab es laut ersten Ergebnissen ein Nächtigungsminus von 8,1% im Vergleich zum Vorjahr.
 
Gastronomie: Weniger Unternehmensneugründungen bei steigender Beschäftigungszahl
2019 belief sich die Zahl der Unternehmensneugründungen in der Gastronomie auf 1.098, was eine Zunahme gegenüber 2018 (1.032 Unternehmen) bedeutet. In den insgesamt 32.990 Unternehmen österreichweit gab es 2019 um 1,8% mehr Beschäftigte als 2018 (rund 124.000 Beschäftigte).
 
Freizeit und Sport: hoher Selbstständigen- und Teilzeitanteil
Im Vergleich zu den beschäftigungsintensiven Branchen Beherbergung und Gastronomie zählen die Berufsobergruppen „Reise- und Freizeitgestaltung“ sowie „Sport, Sportunterricht“ zahlenmäßig zu den Kleineren im Berufsbereich. In den Fitness- und Sportberufen ist der Anteil an Selbstständigen und an Teilzeit-, Neben- und Saisontätigkeiten hoch.
 
Fachkräftemangel in Hotels und Gastronomiebetrieben
Vor dem Ausbruch der Corona-Epidemie in Österreich im März 2020 wurde ein Fachkräftemangel in Hotels und Gastronomiebetrieben bis 2023 von 60.000 Personen prognostiziert. Einerseits ist der Grund dafür das rasche Wachstum der Branche, andererseits werden innerhalb von drei Jahren 40.000 Personen in Pension gehen. Ob und in welchem Ausmaß in den künftigen Jahren weiterhin Fachkräfte fehlen werden, kann im Moment noch nicht beurteilt werden.
 
Soziale und digitale Kompetenzen im Vordergrund
Für alle Berufe im Tourismus sind Flexibilität, Belastbarkeit, Aufgeschlossenheit und Teamorientierung entscheidend. Digitale Medien sind für UrlauberInnen bei der Planung sehr wichtig, dementsprechend müssen MitarbeiterInnen damit vertraut sein.
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Arbeitskräfte-Nachfrage des Berufsbereichs Arbeitskräfte-Nachfrage Offene Stellen im eJob-Room Offene Stellen
 

Frauen und Männer am Arbeitsmarkt: Tourismus, Gastgewerbe, Freizeit

Weibliche Beschäftigte mit 58 % in der Überzahl

Generell sind im Berufsbereich „Tourismus, Gastgewerbe, Freizeit“ mehr Frauen (58%) als Männer beschäftigt. Die Geschlechterverhältnisse zwischen den Berufsfeldern dieses Bereichs variieren jedoch stark: Während in Reisebüros überwiegend Frauen arbeiten (Frauenanteil: 70%), sind Männer sowohl in der „Erbringung von Dienstleistungen des Sports, der Unterhaltung und Erholung“, als auch dem „Spiel-, Wett- und Lotteriewesen“ in der Überzahl (Frauenanteil: 46 bzw. 38%).

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Unselbstständig Beschäftigte in Tourismus, Gastgewerbe und Freizeit, Jahresdurchschnitt 2011 bis 2019
Diagramm
Quelle: Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend. Grafik: AMS.

 
Beschäftigungsprognose und Arbeitskräfte-Nachfrage in Online-Inseraten und AMS
... in der Berufsobergruppe Beschäftigte Arbeitskräfte-Nachfrage
Tourismus, Gastgewerbe, Freizeit Prognose derzeit   Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS eJob-Room-Inserate
    Rück blick 2019 2018 2019 2018 aktuell
zwei Pfeile nach rechts Hotelempfang, Etage Fragezeichen Symbol 1 Quadrat Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 5.875 4.996 5.080 4.952 606 AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechts Hotelverwaltung, Gaststättenleitung Fragezeichen Symbol 1 Quadrat Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 1.558 814 1.980 1.107 154 AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechts Reise- und Freizeitgestaltung Fragezeichen Symbol 1 Quadrat Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 430 361 752 784 45 AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechts Anlern- und Hilfsberufe Tourismus, Gastgewerbe, Freizeit Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 7.733 6.015 24.877 24.026 2.804 AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechts Küchen- und Servicefachkräfte Pfeil gleichbleibend 2 Quadrate Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 32.072 26.637 45.248 39.772 6.099 AMS Funkmaus
zwei Pfeile nach rechts Sport, Sportunterricht Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat Arbeitskräfte-Nachfrage der Berufsobergruppe 372 196 854 847 165 AMS Funkmaus

Beschäftigte prognostiziert
für das Jahr 2023.
steigend
zwei Pfeile nach oben
tendenziell steigend
Pfeil nach oben
gleichbleibend
Pfeil gleichbleibend
tendenziell sinkend
Pfeil nach unten
sinkend
zwei Pfeile nach unten
Aufgrund der Corona-Krise dzt. keine Einschätzung möglich:
keine Angabe
Fragezeichen Symbol
Beschäftigte derzeit:
Anteil der Beschäftigten innerhalb des Berufsbereichs
hoch
3 Quadrate
mittel
2 Quadrate
niedrig
1 Quadrat
Arbeitskräfte-Nachfrage Online-Inserate (exkl. eJob-Room) 2019 bzw. 2018
aus: 3s Unternehmensberatung GmbH; Online-Stelleninserateanalyse

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS eJob-Room-Inserate 2019 bzw. 2018
aus: 3s Unternehmensberatung GmbH; Online-Stelleninserateanalyse

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS eJob-Room-Inserate, aktuell:
Anzahl der im AMS-eJob-Room angebotenen Stellen vom 25.09.2020.
© AMS Österreich Juli 2020