TRENDS IM BERUFSBEREICH

Pfeil nach rechtsLandwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft

Arbeitsmarkttrends

Alternative Maßnahmen gegen den Beschäftigungsrückgang



Betriebsstilllegungen und der damit einhergehende Beschäftigungsrückgang im Bereich „Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwirtschaft“ haben sich zwar seit dem Jahr 2016 verlangsamt, im Betrachtungszeitraum bis 2023 ist aber weiterhin mit einer tendenziell sinkenden Beschäftigung zu rechnen. Nicht zuletzt könnte der Wegfall von Absatzwegen, wie der Gastronomie, durch die Covid-19-Pandemie das Aus für manche Betriebe bedeuten.

Struktur und wirtschaftliche Bedeutung
Der Bereich „Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwirtschaft“ ist in Österreich durch relativ kleine Betriebe gekennzeichnet, wobei aber ein Trend zu größeren Betrieben zu erkennen ist, sowohl an der bewirtschafteten Gesamtfläche als auch an der Anzahl der gehaltenen Tiere pro Betrieb. Die Versorgungsleistung der österreichischen Landwirtschaft mit Nahrungsmitteln verzeichnet seit 2000 einen steigenden Trend. Laut jüngstem „Grünem Bericht“ des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus ernährt ein/eine österreichische/r Bauer/Bäuerin derzeit 114 Menschen, während es im Jahr 2000 „nur“ 67 waren. Die Agrarstrukturerhebung 2016 der Statistik Austria zählte in Österreich rund 162.000 land- und forstwirtschaftliche Betriebe (-3% gegenüber der letzten Erhebung 2013), die mehr als zur Hälfte im Nebenerwerb bewirtschaftet werden. Bis 2030 wird mit einem weiteren Rückgang um 20% gerechnet. In diesem Berufsbereich arbeiten etwa 4% aller Erwerbstätigen Österreichs, der Großteil davon sind familieneigene Arbeitskräfte (BetriebsleiterInnen und ihre Familienangehörigen). Auf einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb kamen 2018 im Schnitt 2,5 Beschäftigte.

Die klimatischen und landschaftlichen Unterschiede bedingen regional sehr unterschiedliche Kulturformen. Steiermark und Kärnten sind die waldreichsten Bundesländer (über 50% der Gesamtfläche werden forstwirtschaftlich genutzt), Ackerflächen befinden sich vor allem im Osten Österreichs, im alpinen Raum dominiert die Grünlandwirtschaft (Weiden und Wiesen). Der Schwerpunkt der Viehhaltung findet sich in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark.

Maschine versus menschliche Arbeitskraft
Die Beschäftigungssituation im Bereich „Landwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft“ ist durch einen deutlichen Rückgang der Arbeitskräfte aus dem familiären Umfeld gekennzeichnet (im Schnitt rund -3%). Demgegenüber steigt die Anzahl der so genannten Fremdarbeitskräfte seit 2008 zwar kontinuierlich aber nur sehr gering an (im Schnitt rund +1%). Derzeit sind rund 18% der Beschäftigten Fremdarbeitskräfte. Als Grund für die Personalreduzierung wird von ExpertInnen v.a. eine deutlich steigende Produktivität im Agrarsektor angeführt.

Expansion und Diversifikation
Um die Landwirtschaft profitabel zu gestalten und Arbeitsplätze zu sichern, forcieren 15% der bäuerlichen Betriebe auf Wachstum. Das bedeutet nicht nur die Betriebsgröße zu erhöhen (durch Zukauf, Zusammenschlüsse etc.), sondern in vielen Fällen auch zahlreiche Investitionen in technische Betriebsmittel (Stichwort „Smart Farming“). Innovationen und Alternativen, die keine bestimmte Größe voraussetzen, wie beispielsweise Direktvermarktung, Urlaub bzw. Schule am Bauernhof, Ökostromerzeugung mit Solaranlagen oder die Spezialisierung auf Bioprodukte, helfen den Bestand kleinerer Betriebe zu sichern. In der aktuellen Coronakrise achten KonsumentInnen verstärkt auf die österreichische Herkunft von Lebensmitteln. Die heimische Landwirtschaft kann auch bei geschlossenen Grenzen Versorgungssicherheit gewährleisten. ExpertInnen meinen, dass sich dieser Umstand positiv im Bewusstsein der KonsumentInnen verankern können wird und sie daher vermehrt zu inländischen Produkten greifen werden.

Diese Entwicklung könnte in „Landbau, Viehwirtschaft, Tierbetreuung“ den Beschäftigungsrückgang zwar verlangsamen, ihn aber langfristig nicht aufhalten. Im Bereich „Obst-, Wein- und Gartenbau“ gehen BranchenkennerInnen hingegen von einem stabilen Beschäftigungsmarkt im Beobachtungszeitraum aus. Für das heurige Krisenjahr  werden massive Einbußen aufgrund fehlender ErntehelferInnen, die nicht einreisen dürfen, befürchtet. ExpertInnen warnen daher vor einem möglichen Versorgungsengpass mit Obst und Gemüse.

Arbeitsplatz Forstwirtschaft
Die holzverarbeitende Industrie und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sollten sich trotz großer witterungsbedingter Schäden (Dürre, Sturmschäden, Borkenkäferbefall) im Beobachtungszeitraum stabilisierend auf die Beschäftigungssituation in der Forstwirtschaft auswirken. Nicht zuletzt trägt dazu auch ein umfangreiches Hilfspaket der Regierung für forstwirtschaftliche Belange bei.

In der Vergangenheit waren viele der Beschäftigten in diesem Berufsbereich angelernte Hilfskräfte. Seit mehr als zehn Jahren ist aber ein starker Trend zur fachlichen Qualifizierung festzustellen, insbesondere bei den mitarbeitenden Familienangehörigen.


 

Green Jobs und Skills: Landwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft





 

Frauen und Männer am Arbeitsmarkt: Landwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft

Frauenanteil: 55 %

2014 waren 55 % der Beschäftigten im Berufsbereich Frauen. Die höchsten Frauenanteile waren mit 62 % im Bereich „Gebäudebetreuung, Garten- und Landschaftsbau“ bzw. mit 41 % im Bereich „Landwirtschaft, Jagd und damit verbundene Tätigkeiten“ zu verzeichnen. „Forstwirtschaft und Holzeinschlag“ ist vermutlich aufgrund der damit verbundenen körperlichen Belastungen ein männerdominierter Berufsbereich mit einem Frauenanteil von nur rund 18 %.

 
Unselbstständig Beschäftigte in Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwirtschaft, 2011 bis 2019
Diagramm
Quelle: Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend. Grafik: AMS.

 
Arbeitskräfte-Nachfrage: Österreich gesamt
Beschäftigungsprognose und Arbeitskräfte-Nachfrage in Online-Inseraten und AMS
Berufsfelder Beschäftigte Arbeitskräfte-Nachfrage
Prognose derzeit Online-Inserate (exkl. eJob-Room)
 2019    2018
AMS eJob-Room-Inserate
 2019    2018
aktuell
zwei Pfeile nach rechts Forstwirtschaft, Jagd, Fischerei Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat40 42 358 448 69
zwei Pfeile nach rechts Obst-, Wein- und Gartenbau Pfeil gleichbleibend 1 Quadrat281 240 1.857 1.817 331
zwei Pfeile nach rechts Landbau, Viehwirtschaft, Tierbetreuung Pfeil nach unten 3 Quadrate257 146 1.368 1.281 208


Beschäftigte prognostiziert
für das Jahr 2023.
steigend
zwei Pfeile nach oben
tendenziell steigend
Pfeil nach oben
gleichbleibend
Pfeil gleichbleibend
tendenziell sinkend
Pfeil nach unten
sinkend
zwei Pfeile nach unten
Aufgrund der Corona-Krise dzt. keine Einschätzung möglich:
keine Angabe
Fragezeichen Symbol
Beschäftigte derzeit:
Anteil der Beschäftigten innerhalb des Berufsbereichs
hoch
3 Quadrate
mittel
2 Quadrate
niedrig
1 Quadrat
Arbeitskräfte-Nachfrage Online-Inserate (exkl. eJob-Room) 2019 bzw. 2018
aus: 3s Unternehmensberatung GmbH; Online-Stelleninserateanalyse

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS eJob-Room-Inserate 2019 bzw. 2018
aus: 3s Unternehmensberatung GmbH; Online-Stelleninserateanalyse

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS eJob-Room-Inserate, aktuell:
Anzahl der im AMS-eJob-Room angebotenen Stellen vom 07.08.2020.
© AMS Österreich Juli 2020