BERUFE

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TRENDS IM BERUFSBEREICH

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Arbeitsmarkttrends

Wachstum setzt sich fort; Spezialkenntnisse immer gefragter

Der leichte Beschäftigungsanstieg in der Reinigungsbranche setzt sich fort, wobei dies insbesondere auf eine Zunahme der Teilzeitbeschäftigung sowie die Auslagerung von Reinigungstätigkeiten an externe Firmen zurückzuführen ist. Neben fachlichen Qualifikationen werden vermehrt auch nicht-fachliche Qualifikationen wie Deutschkenntnisse oder gute Umgangsformen vorausgesetzt.
 
Full Service und Facility Management
Die Auslagerung von Reinigungstätigkeiten an professionelle Dienstleistungsunternehmen hat sich in den letzten Jahren durchgesetzt. Mittlerweile beauftragen mehr als die Hälfte der österreichischen – und bis zu 85 % der Wiener Unternehmen – spezialisierte ReinigungsdienstleisterInnen mit der Reinigung ihrer Industrie-, Büro- und Geschäftsräume. Viele Reinigungsunternehmen versuchen durch eine möglichst breite Angebotspalette (Full Service) zu punkten. Im Portfolio finden sich z.B. Reinigung, Schädlingsbekämpfung, Garten- und Grünflächenbetreuung, Hausbetreuung, Winterservice, Sicherheitsdienste oder Reparaturarbeiten. Andere Unternehmen spezialisieren sich, z.B. in der Industrie-, Krankenhaus- oder Verkehrsmittelreinigung, oder bieten die Objektreinigung im Rahmen eines umfassenden, lückenlosen Facility-Managements an.
 
Die Auslagerung von Reinigungs- und anderen Arbeiten erfolgt häufig zum Zweck der Kostenreduzierung. In der Branche gilt immer noch das Billigbieter-Prinzip und die Löhne der Beschäftigten sind verhältnismäßig gering. Es scheinen jedoch langsam qualitätsbezogene Faktoren an Bedeutung zu gewinnen. Ein Weg zu einer Verbesserung diesbezüglich ist die Professionalisierung und Neugestaltung der Ausbildung: So wurde in Wien eine Gebäudereinigungsakademie eröffnet. Zudem soll der Lehrberuf „Denkmal-, Fassaden- und GebäudereinigerIn“ ab Herbst 2015 inhaltlich modernisiert, auf drei Jahre Lehrzeit (derzeit 2,5 Jahre) verlängert und in „Reinigungstechnik“ umbenannt werden. Fraglich ist hingegen, ob das Entstehen von Online-Reinigungskraftvermittlungen im Bereich der privaten Haushaltsreinigung zur Besserung des Lohnniveaus beiträgt.
 
Beschäftigungsentwicklung in der Reinigungsbranche
Die Beschäftigung in der Reinigungsbranche befindet sich in einer stetigen Wachstumsphase: Seit 2010 stieg die unselbstständige Beschäftigung um fast 10 % und lag 2014 bei etwa 55.000 Personen. Obwohl der Markt für Gebäudereinigung seit 2013 stagniert wird angenommen, dass die Anzahl an Arbeitsplätzen auch zukünftig leicht steigen wird, wobei ein Großteil der neuen Stellen vor allem Teilzeit- sowie geringfügige Arbeitsplätze sind. Die Reinigungsbranche ist durch einen hohen Frauen- und MigrantInnenanteil gekennzeichnet: Etwa 70 % der Beschäftigten sind Frauen und 60 % MigrantInnen. Während Frauen vor allem in der Unterhaltsreinigung tätig sind (Anteil bei Hausbetreuung 80 %), arbeiten Männer hauptsächlich in der Sonderreinigung (z.B. Schädlingsbekämpfung, Industriereinigung). Der hohe Frauenanteil ist insbesondere auf das große Angebot an Teilzeitstellen in diesem Berufsfeld und die damit verbundene relativ gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zurückzuführen. Andererseits ist die Abweichung von sog. Normalarbeitszeiten für viele Frauen problematisch, da die Arbeit meist vor oder nach den Büroöffnungszeiten zu verrichten ist. Ein Umdenken findet hier nur sehr langsam statt.
 
Aufgrund der hohen Fluktuation ist es relativ leicht, im Berufsfeld Reinigung einen Job zu finden. Der Großteil der Beschäftigten wechselt innerhalb des ersten Jahres den Arbeitsplatz. Tendenziell zeichnet sich im Berufsfeld ein Wandel von der Hilfsarbeit zur Facharbeit ab. Die Anzahl der Lehrabschlüsse war in den letzten Jahren leicht rückläufig, auch wenn Lehrstellen unbesetzt bleiben. Im Jahr 2014 haben 124 Personen eine Lehre als Denkmal-, Fassaden- und GebäudereinigerIn, 325 eine Lehre als RauchfangkehrerIn und 25 Personen eine Lehre als TextilreinigerIn gemacht. Personen, die über längere Zeit in diesem Bereich gearbeitet haben, können auch ohne eine traditionelle Lehre zur Lehrabschlussprüfung antreten. Mit dem Ablegen der Meisterprüfung ist es möglich, selbst ein Unternehmen zu gründen. Auch die innerbetriebliche Aus- und Weiterbildung wird zunehmend wichtiger, neben fachlichen Schulungen (Reinigungsmittel, Bodenkunde etc.) werden zunehmend auch Qualitätsschulungen sowie Deutschkurse für MitarbeiterInnen angeboten.
 
Hausbetreuung
Im Bereich Hausbetreuung von Wohnanlagen ist in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an neuen Dienstleistungsangeboten und Betreuungsformen entstanden. Neben der Reinigung und Wartung übernehmen die Dienstleistungsbetriebe inzwischen auch soziale Aufgaben und erfüllen damit zunehmend die Funktionen der traditionellen HausbesorgerInnen. In Wien werden seit September 2010 wieder HausbetreuerInnen eingesetzt. Zu den Aufgabenbereichen gehören neben der Reinigung der Innen- und Außenräume (außer Winterservice) auch das Konfliktmanagement sowie die Kommunikation mit den MieterInnen im Rahmen fixer Sprechstunden.
 
In Privathaushalten wird der Bedarf an Haushaltshilfen weiterhin steigen. Insgesamt gab es im Jahr 2013 in etwa 60 % aller ca. 3,7 Millionen Haushalte HaushaltshelferInnen, der Großteil davon, geschätzte 98 %, ohne arbeitsrechtlichen Schutz, unangemeldet und ohne Sozialversicherung. Die Anzahl der Haushaltshilfen ohne Arbeitserlaubnis ist in den letzten drei Jahren, seit 2010, um 10 % auf 75.000 gesunken. 10.900 waren im Jahr 2012 offiziell als Haushaltshilfe in privaten Haushalten tätig.
 
Straßenreinigung und Müllabfuhr
Aufgaben in Gemeindeverwaltungen wie Müllabfuhr oder Straßenreinigung werden immer öfter privaten Firmen übertragen. Im Winter übernehmen StraßenreinigerInnen auch die Schneeräumung auf öffentlichem Grund (Zebrastreifen, Haltestellen usw.). Der Frauenanteil ist sehr niedrig, und der Personalbedarf wird sich in den kommenden Jahren kaum verändern. In Wien kommen die sogenannten „Waste Watcher“ zum Einsatz. Als Kontrollorgane zur Einhaltung der Sauberkeit haben sie das Recht, Organstrafmandate zu verhängen oder bei schwereren Delikten Anzeige zu erstatten.
 
RauchfangkehrerInnen
Insgesamt stabil bleibt die Nachfrage nach RauchfangkehrerInnen, wobei in den letzten Jahren wieder mehr offene Lehrstellen als LehrinteressentInnen in diesem Berufsfeld verzeichnet wurden. Die Zahl der Lehrlinge ist in den letzten drei Jahren konstant geblieben, weibliche Lehrlinge sind mit rund 15 % vertreten. Das Aufgabenfeld von RauchfangkehrerInnen wird durch den technischen Wandel bei Heizungen und die verstärkte Nutzung alternativer Energieformen immer breiter und anspruchsvoller. Eine Unternehmensgründung ist nach Ablegung der Meisterprüfung möglich. Derzeit gibt es in Österreich etwa 700 Rauchfangkehrbetriebe mit durchschnittlich drei MitarbeiterInnen. Im Zuge einer Gesetzesnovelle, welche eine Liberalisierung des Rauchfangkehrgewerbes enthält, wurde der Gebietsschutz für nicht-sicherheitsrelevante Tätigkeiten aufgehoben. Es ist nun möglich, für derartige Arbeiten ein beliebiges inländisches oder auch ausländisches Rauchfangkehrunternehmen zu beauftragen. Dies wird voraussichtlich für einen erhöhten Wettbewerb am bislang wenig umkämpften Rauchfangkehrmarkt sorgen.
 
Schwierige Zeiten für die Textilreinigungsbranche
Die Umsätze der Textilreinigungsbranche stagnieren: Insgesamt stieg der Branchenumsatz um 0,8 %, doch 40 % der Betriebe verzeichneten im Jahr 2014 einen Umsatzrückgang um durchschnittlich 7,5 %. Vor allem der Preisdruck macht vielen Unternehmen zu schaffen (58 %); über einen Mangel an Fachkräften und Lehrlingen wird hingegen nur vereinzelt geklagt (10 % bzw. 2 %). Fast die Hälfte der befragten Unternehmen dieser Branche beurteilt die gegenwärtige Geschäftslage (März 2015) als schlecht. Die Investitionsbereitschaft ist dementsprechend gering: Nur 22 % der Betriebe planen im Jahr 2015 Investitionen vorzunehmen. Aufgrund der pessimistischen Stimmung in der Textilreinigungsbranche ist im Beobachtungszeitraum bis 2018 mit durchwachsenen Jobchancen zu rechnen.

Kurztext

 

Frauen und Männer am Arbeitsmarkt: _alt_20150702_Reinigung und Hausbetreuung

Über zwei Drittel der Beschäftigten sind weiblich

Frauen stellen 68 % der Beschäftigten in diesem Berufsbereich. Während die Zahl der weiblichen Beschäftigten in der „Gebäudebetreuung“ fast doppelt so hoch ist wie die der männlichen Beschäftigten, arbeiten im Bereich „Private Haushalte mit Hauspersonal“ mehr als sechsmal so viele Frauen als Männer.

Mehr Gender Informationen

 

Diagramm

 
Beschäftigungsprognose und Arbeitskräfte-Nachfrage in Online-Inseraten und AMS
... in der Berufsobergruppe Beschäftigte Arbeitskräfte-Nachfrage
_alt_20150702_Reinigung und Hausbetreuung prognostiziert derzeit Online-Inserate (exkl. eJob-Room) AMS-Stellen
    2016 2015 2016 2015 aktuell im eJob-Room

zwei Pfeile nach rechts Offene Stellen im eJob-Room


Beschäftigte prognostiziert
für das Jahr 2018.
steigend
zwei Pfeile nach oben
tendenziell steigend
Pfeil nach oben
gleichbleibend
Pfeil gleichbleibend
tendenziell sinkend
Pfeil nach unten
sinkend
zwei Pfeile nach unten
Beschäftigte derzeit:
Anteil der Beschäftigten innerhalb des Berufsbereichs
hoch
3 Quadrate
mittel
2 Quadrate
niedrig
1 Quadrat
Arbeitskräfte-Nachfrage Online-Inserate (exkl. eJob-Room) 2016
aus: 3s Unternehmensberatung GmbH; Online-Stelleninserateanalyse 2016

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS 2016 und 2015
aus: AMS Statistik; beim AMS gemeldete freie Stellen, Gesamtjahr 2016 bzw. 2015.

Arbeitskräfte-Nachfrage AMS, aktuell im eJob-Room:
Anzahl der im AMS-eJob-Room angebotenen Stellen vom 18.01.2018.
© AMS Österreich November 2017